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Vöhringen

13.04.2018

Große Ehre für die Heldin von Thal

Auszeichnung in München: Unsere Zeitungsausträgerin Yvonne Rauscher hat von Ministerpräsident Markus Söder die bayerische Rettungsmedaille erhalten.
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Auszeichnung in München: Unsere Zeitungsausträgerin Yvonne Rauscher hat von Ministerpräsident Markus Söder die bayerische Rettungsmedaille erhalten.
Bild: Bayerische Staatskanzlei

Unsere Zeitungsausträgerin Yvonne Rauscher ist mit der bayerischen Rettungsmedaille ausgezeichnet worden. Sie brachte eine Seniorin aus einem brennenden Haus.

Diesen Morgen im März 2017 wird Zeitungsausträgerin Yvonne Rauscher wohl nie vergessen: Meistens ist gegen 5 Uhr alles ruhig und friedlich im Vöhringer Ortsteil Thal – doch damals war das anders. Schon von Weitem konnte Rauscher sehen, dass ein Haus im Eschleweg hell erleuchtet war. Seltsam, dachte sie sich, denn normalerweise schläft die betagte Bewohnerin um diese Uhrzeit noch. Die Austrägerin eilte zu dem Gebäude, ein ungutes Gefühl im Bauch. Dann kam der Schreck: Rauchschwaden waberten auf die Straße hinaus. „So ein Mist“, habe sie gedacht. Rauscher reagierte geistesgegenwärtig: Sie ließ ihr Fahrrad stehen und setzte einen Notruf ab. Der Mitarbeiter der Integrierten Rettungsleitstelle riet der Austrägerin noch, das Gebäude wegen etwaiger giftiger Dämpfe auf keinen Fall zu betreten. Rauscher ignorierte die Warnung und bahnte sich durch den Rauch ihren Weg in die Wohnung – den Hilfeschreien der Seniorin nach. „Mir war sofort klar: Da ist ein Mensch in Gefahr!“

Der beherzte, wenn auch riskante Einsatz ging gut: Die Austrägerin drang bis in das Schlafzimmer der 86-Jährigen vor, wo offenbar eine Heizdecke in Brand geraten war, wohl durch einen technischen Defekt. Rauscher konnte die Seniorin hochheben und ins Freie tragen. Vielleicht habe die bedrohliche Situation in ihr verborgene Kräfte geweckt, sagt sie später. Sie habe gar nicht auf den Rauch geachtet und einfach nur gedacht: „Bloß raus hier.“

Für die Reaktion ist Yvonne Rauscher nun ausgezeichnet worden: Im Antiquarium in der Münchner Residenz erhielt sie die bayerische Rettungsmedaille aus den Händen von Ministerpräsident Markus Söder. „Ein tolles Gefühl“, sagt die 38-jährige Thalerin. „Schön und würdig“ sei der Festakt mit Reden und Musik gewesen. Und deshalb ein ganz besonderes Erlebnis, zu dem Rauscher mit dem Zug in die Landeshauptstadt reiste. Die Einladung dazu hatte sie vor vier Wochen per Brief erhalten – „eine große Überraschung“, wie Rauscher sagt. Denn in Notsituationen Hilfe zu leisten, sei für sie ganz selbstverständlich.

Mit der Rettungsmedaille geehrt wurden neben Rauscher weitere 44 Bürger: Solche Ehrungen vergibt der Freistaat an tapfere Menschen, die bei der Rettung eines anderen aus Lebensgefahr ihr eigenes Leben eingesetzt haben. 54 Bayern erhielten zudem im Antiquarium die Christophorus-Medaille, samt zugehöriger Belobigung: Diese Auszeichnung erhalten Menschen, die jemanden unter schwierigen Umständen retteten. Sie müssen sich dabei nicht unbedingt selbst einer großen Gefahr ausgesetzt haben.

Das hat Yvonne Rauscher damals durchaus: Bei dem Brand vor gut einem Jahr in Thal wurde sie durch den Qualm leicht verletzt und musste danach kurzzeitig in einem Krankenhaus behandelt werden. Die Seniorin erlitt eine mittelschwere Rauchgasvergiftung. Ohne Rauschers Eingreifen hätte die 86-Jährige das Feuer möglicherweise nicht überlebt: die körperlich beeinträchtigte Rentnerin habe sich nicht aus eigener Kraft retten können, heißt es in der Laudatio zur Verleihung.

Das gemeinsame Erlebnis habe die beiden Frauen auf eine gewisse Weise zusammengeschweißt, sagt Rauscher. Sie habe die Gerettete noch einige Male besucht, die Seniorin habe sich darüber immer sehr gefreut. Anfang dieses Jahres sei die Frau gestorben. „Ich glaube, dass sie noch eine schöne Zeit haben konnte“, sagt Rauscher, die der Vorfall nie wieder ganz loslassen wird. „Die Erinnerungen kommen immer wieder hoch.“

Der Einsatz hat aber auch angenehme Folgen: Als Trägerin der Medaille bekommt Rauscher freien Eintritt in die staatlichen Museen und Schlösser. Eine Besichtigungstour habe sie schon geplant, sagt die Heldin von Thal. Auch der Starnberger See soll dann ein Ziel sein.

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