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17.08.2012

Große Hoffnungen am Theaterplatz

Probesitzen für eine neue Ära in Theater Neu-Ulm: Heinz Koch und Claudia Riese testen den Zuschauerraum ihrer neuen Spielstätte in der Hieber-Passage. Eröffnung ist am 21. September.

Heinz Koch und Claudia Riese arbeiten mit viel Euphorie an der Zukunft ihrer Bühne

Neu-Ulm Überall in Deutschland stehen derzeit die früheren Schlecker-Filialen leer. In Neu-Ulm verwandelt sich gerade eine in einen Ort der Kultur: Gestern feierten Claudia Riese und Heinz Koch das inoffizielle Richtfest des neuen AuGuS-Theaters in der Hermann-Köhl-Straße. Doch das neue Domizil im ehemaligen Drogeriemarkt soll nach dem Willen des Betreiber-Duos weit mehr werden als nur die neue Spielstätte: Riese und Koch wünschen sich, dass das Theater zur nicht nur kulturellen Begegnungsstätte für Neu-Ulm wird. Am 21. September soll es mit einem Fest eröffnet werden.

Vom alten Schlecker ist nichts mehr zu sehen, längst sind nicht nur die Zwischenwände hochgezogen, sondern auch die Bühne und die Toiletten sind schon fast einsatzbereit. Gestern Nachmittag wurde auch das Schild über dem Eingang angebracht, auf dem aus Platzgründen einfach nur „Theater Neu-Ulm“ zu lesen ist. „Wir wollen bis Ende August mit dem Bau fertig sein“, sagt Riese. Die drei Wochen darauf wollen die Betreiber – beide sowohl als Regisseure als auch als Schauspieler tätig – in die Einrichtung investieren und endlich auch wieder das Bühnengefühl verspüren. Riese: „So langsam brauche ich die Atmosphäre des Theaters.“ Nach drei Monaten „Hiwi-Arbeiten“ wie Streichen und Kehren kein Wunder.

Die Mühe hat sich aber gelohnt: Die neue Spielstätte hat nicht die historische Aura des Konzertsaals, hat dafür aber einen bedeutenden Vorteil: ihre Kompaktheit. 80, höchstens 90 Besucher fasst der Theatersaal, etwa so viel wie die Studiobühne, die das Theater für die kleineren Inszenierungen nutzte. Nur eben mit einer größeren, vielseitiger nutzbaren Bühne – und mit einer funktionierenden Lüftung. Das Studio hätten, so erzählt Riese, regelmäßig Zuschauer mitten in der Aufführung verlassen, weil es ihnen übel wurde. Und auch die beiden Betreiber, die von der Kasse bis zur Hauptrolle an manchem Abend alles selbst übernehmen, profitieren nach eigenen Angaben von den kürzeren Laufwegen in der rund 210 Quadratmeter großen neuen Spielstätte.

Nur rund fünf Minuten dauere es in Zukunft, das Bühnenbild auf- oder abzubauen. Eine Flexibilität, die das AuGuS-Theater nutzen will – für ein breiteres Spektrum an Veranstaltungen. Heinz Koch wünscht sich, dass in seinem Theater die kulturellen Fäden Neu-Ulms zusammenlaufen. Geplant sind etwa vier Reihen, die jeweils monatlich stattfinden sollen: der „Salon“ mit dem „Gast des Monats“, der nicht unbedingt aus dem Kulturleben kommen muss; zur Premiere am 27. September kommt Bernd Kohlhepp und holt seinen Pocketklassiker-Award ab. Dazu kommen der „Neu-Ulmer Treff“, die Konzertreihe „Mmm3“ („Musik mit maximal drei“) und „face-to-face.books – Autoren im Gespräch“. Für letztere Veranstaltung hofft Koch auf Kooperationen mit Buchhandel und Stadtbücherei.

Betreiber beklagen geringe Zuschüsse

An Ideen mangelt es dem AuGuS-Gespann nicht – an Geld schon. Vor allem der ihrer Meinung nach derzeit zu knapp bemessene städtische Zuschuss von nur 100000 Euro macht den Betreibern zu schaffen. Und auch die 25000 Euro vom Freistaat sind laut Koch an schwierige Bedingungen geknüpft: Sie fließen nur, wenn das Theater jährlich mindestens 100 Vorstellungen mit eigenen Stücken bestreitet und vier Neuinszenierungen auf die Bühne bringt. Das Problem: Es müssen „Werke der dramatischen Literatur“ sein – die Neu-Ulmer operieren mit Produktionen wie „Männergespräche“ eher an der Schnittstelle zum Kabarett. Koch hofft jedoch, erfolgreich zugunsten seines Theaters verhandeln zu können.

Die Laune lassen sich die Theatermacher davon nicht verderben – im Gegenteil: Nach schwierigen letzten Monaten im Konzertsaal, in denen, wohl auch wegen der vielen Berichte über die Baufälligkeit der Spielstätte, die Zuschauerzahlen zurückgingen (Koch: „Die haben gedacht, da fällt ihnen die Decke auf den Kopf“), hoffen sie auf einen Neuanfang. Sie schuften gemeinsam mit einigen Unterstützern auf der Baustelle, tüfteln mit viel Euphorie am Konzept, träumen auch schon davon, bald einen 30 Quadratmeter großen Raum dazuzumieten. „Vielleicht schießen wir ein bisschen übers Ziel hinaus“, gibt Riese zu. Doch vor allem hoffen sie und ihr Kompagnon Koch auf die Neugier der Besucher auf das neue Theater, dessen Adresse übrigens „Theaterplatz 1“ lauten soll. „Wenn wir es so nennen, dann ist es auch der Theaterplatz“, sagt Riese mit einem Grinsen. Vielleicht, so Koch, ziehe dann auch die Stadt irgendwann nach.

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