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Donaufest II

04.07.2016

Großes Werk, große Stimme

Der bekannte Schauspieler August Zirner liest im Stadthaus aus dem wichtigsten Roman des Autors Danilo Kis

Weltliteratur im Stadthaus zum Anfang und Ende des Donaufestes: Liest „Tatort“-Kommissarin Ulrike Kriener am kommenden Sonntag aus Aleksandar Tismas „Der Gebrauch des Menschen“, gestaltete der mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Schauspieler August Zirner den Auftakt mit einer Lesung aus dem Erzählzyklus „Ein Grabmal für Boris Dawidowitsch“ des 1989 in Paris verstorbenen jugoslawischen Erzählers und Lyrikers Danilo Kis. Zirner, der im November bereits als Jazz-Musiker in Ulm begeistert hatte, lockte trotz Fußball-Europameisterschaft zahlreiche Zuhörer ins Stadthaus.

Große Vorleser tragen aus Texten vor, nahezu ohne dass der Zuhörer merkt, dass gelesen wird. Diese Kunst beherrscht Zirner, der sich nicht nur stimmlich nuancenreich durch die umfangreichen Satzkonstruktionen und Wortkaskaden Danilo Kis’ sprach, sondern der den teilweise satirischen und ironischen Textfluss gestisch undramatisch, aber atmosphärisch perfekt passend unterstützte. Dafür nutzte Zirner bisweilen auch raumgreifend den ganzen Lesetisch oder deutete mit erhobenem Zeigefinger, wie es Kis verbal im Text tut, wenn er dem Leser anspielungsreich die Wichtigkeit einer Szene herausstellt. Zirner gelang es, nicht nur die Ohren der Zuhörer anzusprechen, sondern auch deren andere Sinne – auch wenn der die geschilderte Duftmelange aus Weihrauch, Hopfen und Malz beispielsweise nur in der Vorstellung des Publikums durchs Stadthaus waberte.

Der 1976 veröffentlichte Roman „Ein Grabmal für Boris Dawidowitsch“ ist die literarische Auseinandersetzung Kis’ mit dem Stalinismus und den dramatischen Lebensumständen (meist jüdischer) Revolutionäre, die als Opfer irrwitziger Zeitläufe durch politischen Terror enden.

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Das Buch löste bei Erscheinen einen Skandal aus

Kis, 1935 geborener Sohn einer Montenegrinerin und eines ungarischen Juden, löste 1976 im kommunistischen Jugoslawien mit dem Erscheinen des Buches einen Skandal aus, weil er auf die Ignoranz der westeuropäischen Linken gegenüber den sowjetischen Verbrechen und den Methoden des Leninismus-Stalinismus hinwies; seine Erzählungen sollten zur Aufklärung dieser Zielgruppe beitragen.

Buchhändler Thomas Mahr führte vorab im Stadthaus in das Werk und die Biografie Danilo Kis’ ein – detailliert, wenn auch mit einem 25-minütigen Vortrag etwas zu lang. (köd)

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