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Wahlkampf II

11.09.2018

Grüne fordern neue Wege in der Landwirtschaft

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Landesvorsitzende Sigi Hagl und Europaabgeordnete Maria Heubuch sprechen über bedrohte Artenvielfalt

Neu-Ulm Bayerns Grüne sehen die „Biodiversität“, die Vielfalt tierischen und pflanzlichen Lebens, vor allem der Insekten und der Blühpflanzen, in höchster Gefahr. Sie fordern, wie jüngst auf einer Wahlveranstaltung im Neu-Ulmer Riku-Hotel vorgetragen, radikales Umdenken und zusätzlich das Verbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat, das nach ihrem Urteil „alles abtötet und zu Krebserkrankungen führen kann“.

Grüne-Kreisvorsitzende Mechthild Destruelle hatte Bayerns Landesvorsitzende Sigi Hagl und die Europaabgeordnete Maria Heubuch in kleiner Runde mit 18 Parteifreunden zu Gast. Einig waren sich alle über die Ursachen des Artensterbens wie auch über Lösungsansätze. Nur fehlten ihnen noch die Mehrheiten in den Parlamenten, ihre Ideen umzusetzen, hieß es. Denn letztlich müsse es die Politik richten, und da hinke Bayern doch ein gutes Stück hinterher, stellte Sigi Hagl fest, die dem Landshuter Stadtrat angehört.

Die Not der Insekten habe vielerlei Ursachen, sagte die Europaabgeordnete und Allgäuer Milchbäuerin Heubuch. Vor allem würden sie vom Straßenbau und -verkehr, von Gewerbeansiedlung und der Monokultur der Landwirtschaft bedroht. Aber auch die nächtliche Beleuchtung berge große Gefahren, weil sie die Tierwelt orientierungslos mache. Sigi Hagl wertete die Gefahrensituation ähnlich und verlangte, „endlich auf Landesebene über das System der industriell betriebenen Landwirtschaft zu reden“. Deren Monokultur auf immer größeren Flächen müsse ein Ende haben. Denn nicht allein die Pestizide als Pflanzenschutzmittel trügen zur Artenvernichtung bei. Sie rühre auch her aus der Einschränkung der Sortenvielfalt unter den angebauten Ackerfrüchten.

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Allerdings dürften die Bauern nicht allein gelassen und ständig als die Bösen hingestellt werden. Sie kämpften ohnehin schon ums Überleben ihrer Höfe, was in der Folge zu immer größeren Äckern und damit zur Verödung der Landschaft und zum Insektensterben führe. Die Landwirte selbst wollten ja schon längst raus aus dem System, meinte Hagl. Aber das schafften sie eben nicht allein. Hier sei die Politik gefordert, die Anreize und Belohnungen vergeben müsse. Denn die Betriebe müssten kleiner und vermehrt auf ökologischen Landbau umgestellt werden. „Wir brauchen die genetische Vielfalt zum Überleben und müssen daher die Landwirtschaft vom Grundsätzlichen her angehen“, betonte Maria Heubuch. Dazu müssten kleine und mittlere Betriebe gefördert werden. „Wir aber subventionieren nach Fläche, was grundlegend falsch ist“, sagte Hagl. Das Maß der Förderung müsse sich nach der Leistung des Betriebs richten, nach seinem Einsatz für Umwelt, Tierschutz und Ökologie.

Glyphosat, das die Europäische Union noch mal für fünf Jahre als Pflanzenschutzmittel zugelassen habe, müsse nun eben national verboten werden, forderte die abendliche Runde. Es töte alles ab in der freien Natur und stehe im Verdacht, krebserregend zu sein. Da seien doch einzelne Molkereien im Berchtesgadener Land zu loben, die schon dazu übergegangen seien, nur noch Milch aus glyphosatfreien Betrieben zu übernehmen. Auch die Handelskette Aldi beteilige sich, indem sie nur Waren abnehme, die ohne Glyphosat angebaut wurden. „Allerdings gibt Aldi dazu kein Geld zur Förderung.“

Walter Zerb, der zur kommenden Bezirksstagswahl antritt, wetterte im Kurzreferat gegen den Landverbrauch allein in der Region. Da überrolle eine massive Welle an Straßenausbau das Land an B10, A7 und A8. „Dabei ist der Zustand der Eisenbahn hier im Süden noch wie in der ersten Nachkriegszeit.“

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