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Neu-Ulm

23.05.2020

Grundschüler arbeiten jetzt so wie internationale Firmen

Finn Pöhler aus der Burlafinger Grundschulklasse 1a bei der Arbeit mit Teams. Er bearbeitet gerade ein Quiz zu den Wochentagen
Bild: Markus Pöhler

Plus Burlafinger Kinder lernen jetzt zu Hause mithilfe der Software Teams, dabei hat sich reger Kontakt zur Lehrerin entwickelt. Die Initiative ging von zwei Vätern aus.

Einige Wochen nach der epidemiebedingten Schließung der Grundschulen hat Iris Brenner, Lehrerin der Klasse 1a an der Grundschule Burlafingen, Erfahrung mit dem Unterrichten der Schüler über die Distanz zwischen Schule und Elternhaus hinweg. Ihr Fazit für das Homeschooling: „Die Verzahnung von analogem und digitalem Lernen ist wichtig, damit der Unterricht zu Hause klappt.“ Die Grundschule Burlafingen war eine der ersten Schulen im Landkreis, die versuchte, Schüler und Lehrer auf digitalem Weg wieder zusammenzubringen. „Dass die Kinder die Lehrkraft sehen, ist gerade bei den Jüngsten wichtig“, ist Iris Brenners Erfahrung. Für manche Kinder sei es in den vergangenen Wochen der Isolierung der Höhepunkt des Tages gewesen, die Lehrerin als Bezugsperson auf dem Bildschirm wiederzusehen – und ihr gegebenenfalls auch das Haustier zeigen zu können.

Dabei wurde das Pilotprojekt einer Web Conferencing Plattform über das inzwischen auch vom Kultusministerium genehmigte System Microsoft Teams aus der Not heraus geboren: Die Digitalisierung ist an den Grundschulen oft weniger weit als an weiterführenden Schulen. Unter den Eltern der Burlafinger Grundschüler aber sind zwei Väter, die Erfahrung mit internationalen Bildschirm-Konferenzen haben. Markus Pöhler und Daniel Steitz engagierten sich dafür, dass alle Lehrer – und dann später auch alle Schüler der 1a – einen Zugang zu Microsoft Teams erhielten. Markus Pöhler, einer der Geschäftsführer des Weißenhorner Unternehmens Bisonaire, betreut das Projekt weiterhin technisch. Digitalisierung ist einer der Schwerpunkte der Beratungsfirma. „Die Praktikantin seiner Firma, Lena Hieber, war für uns immer ansprechbar und hat uns in das Programm eingewiesen“, lobt Iris Brenner. So konnten zunächst die Lehrer miteinander kommunizieren. Seit einiger Zeit gibt der Zugang für die Erstklässler den Schülerinnen und Schülern auch die Möglichkeit, mit der Klassenlehrerin Iris Brenner ganz direkt zu sprechen.

Grundschule Burlafingen: kinderfreundliche Idee für den Datenschutz

Unter den Kindern läuft jeder Zugang über den Namen einer Obstsorte, sodass niemand seinen Klarnamen preisgeben musste. „Nur wer seinen Freunden sagen mag, wer er ist, der tut das“, erklärt Schulleiterin Angelika David. Inzwischen können die Kinder Iris Brenner zum Beispiel ganz direkt Fragen stellen oder etwas vorlesen – entweder am häuslichen Computer oder Laptop oder aber über das Smartphone.

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Die Eltern sind gefragt worden, ob ihnen der Einblick in den häuslichen Bereich durch solche Videocalls recht ist, und alle Eltern seien dem Pilotprojekt positiv gegenüber gestanden, erzählt Iris Brenner. Dadurch erhalte sie aktuell auch einen Einblick in die Situation, in der ihre Schülerinnen und Schüler arbeiten – manche in Ruhe, bei manchen geht es auch weniger ruhig zu. Entwickelt hat sich auch ein reger Kontakt zwischen Eltern und Lehrerin: Gerade die Chatfunktion von Teams als niederschwellige Möglichkeit, mit der Lehrerin des Kindes in Kontakt zu treten und Fragen zu stellen, zum Beispiel zu den Arbeitsblättern, die die Kinder zu Hause bearbeiten, werde sehr gern genützt.

Neu-Ulm: So funktioniert der digitale Heimunterricht an der Grundschule Burlafingen

So funktioniert der Unterricht derzeit: Jene Burlafinger Grundschüler, die noch nicht wieder Unterricht in der Schule haben, holen am Montag unter Einhaltung der Hygienevorschriften die Wochenpläne ab, die sie bis Freitag bearbeiten. Dann werden die Aufgaben von den Lehrern über das Wochenende korrigiert und am nächsten Montag mit den neuen Arbeitsaufträgen zurückgegeben. Für die jungen Teilnehmer des Projekts und für ihre Eltern gibt es zusätzlich Erklärvideos der Lehrer zu den Arbeitsplänen.

Die Fortschritte der Kinder seien auf diese Weise erstaunlich gut, sagt Iris Brenner. Die Eltern seien fast alle sehr kooperativ und interessiert daran, dass ihre Kinder den Lernstoff bewältigen. Einzig jene Kinder, deren Eltern bereits vor der Zeit der Epidemie schwierig zu erreichen gewesen seien, hätten auch jetzt Schwierigkeiten mit dem digitalen Lernen. Das liege daran, dass die Eltern beispielsweise den Zugang zum Smartphone nicht gewähren oder daran, dass die Erklärvideos nicht angeschaut werden. Die Kinder müssten die Aufgaben dann ohne diese Videos bewältigen.

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