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Ulm/Neu-Ulm/Region

27.07.2019

Gute Chancen für die Regio-S-Bahn Donau-Iller

Vor fünf Jahren ist die Strecke nach Weißenhorn reaktiviert worden – der erste Schritt in Richtung Regio-S-Bahn.
Bild: Alexander Kaya (Archivfoto)

Plus Experten glauben, dass sich das Nahverkehrsprojekt wirtschaftlich lohnt. Doch es bleiben Risiken – und Schwierigkeiten beim Ausbau.

Am Ende der Rechnung muss mindestens eine 1,0 stehen, dann kann die Regio-S-Bahn Donau-Iller kommen. Experten glauben, dass die Chancen gut stehen – ansonsten hätte man das Projekt wohl bereits politisch beerdigt. Mithilfe einer Nutzen-Kosten-Analyse, die wohl Ende des Jahres beginnt, soll herausgefunden werden, ob sich die Regio-S-Bahn Donau-Iller wirtschaftlich gesehen lohnt (wir berichteten). Nur dann bekommt das Projekt das nötige Fördergeld vom Bund. Dass die Voraussetzungen gut sind, zeigt auch eine 2013 veröffentlichte Machbarkeitsstudie. Darin schätzte das renommierte Schweizer Bahn-Beratungsunternehmen SMA und Partner den sogenannten volkswirtschaftlichen Faktor auf 1,7 – ab 1,0 gilt ein Projekt als wirtschaftlich. „Das ist für eine Maßnahme auf der Schiene extrem gut“, sagt Markus Riethe, der Verbandsdirektor des Regionalverbands Donau-Iller (RVDI). Die Regio-S-Bahn ist das wohl wichtigste Verkehrsprojekt des RVDI.

Lesen Sie den Kommentar: Die Regio-S-Bahn Donau-Iller muss ihr Versprechen einhalten

SMA und Partner lieferte auch Analysen für Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm, wo die Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen deutlich schlechter ausfielen als das geschätzte Ergebnis für die Regio-S-Bahn Donau-Iller.

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Lohnt sich die Regio-S-Bahn Donau-Iller?

Peter Stöferle, Verkehrsexperte bei der Industrie- und Handelskammer Schwaben, will keine Einschätzung zur Analyse abgeben, dafür seien noch zu viele Fragen offen. Doch er sagt: „Das die Analyse gemacht wird, ist sehr zu begrüßen. Wichtig ist, dass jetzt der Einstieg ins Projekt gelingt.“ Besonders auf die Illertalbahn Ulm-Memmingen komme es an. „Ohne den Ausbau wird das Projekt auf der bayerischen Seite nicht an den Start gehen können“, mahnt er. Die Region um diese Linie sei unter allen vorgesehenen Regio-S-Bahn-Strecken die am dichtesten besiedelte – und damit prädestiniert für das S-Bahn-Netz.

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Die Illertalbahn gehört zu den Regionalbahnstrecken mit dem höchsten Fahrgastzuwachs in Bayern. Nach früheren Aussagen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft lag er nach Einführung des Taktfahrplans mehr als doppelt so hoch wie im bayerischen Durchschnitt. Allein der Abschnitt zwischen Ulm und Senden verzeichnete nach Angaben des Vereins Regio-S-Bahn-Donau-Iller seit 2013 einen Anstieg von rund 30 Prozent. Zwischen Ulm und Weißenhorn fahren täglich 1500 Reisende mit dem Zug.

Darin könnte ein Risiko für die Analyse liegen: Denn bei der Berechnung geht es um das Potenzial für die Zukunft. Doch wie groß ist es noch, nachdem die Fahrgastzahlen seit Jahren wachsen? Oliver Dümmler, Geschäftsführer des des Vereins Regio-S-Bahn-Donau-Iller, macht sich keine Sorgen: Wenn der Takt durch die S-Bahn durchgehend dichter werde, könne man noch mehr Fahrgäste gewinnen. Damit dürfte Dümmler vor allem auf Fahrgäste spekulieren, die in Illertissen oder noch weiter südlich einsteigen. Dort sind die Zahlen dem Vernehmen nach schlechter.

Illertalbahn Ulm-Memmingen ist entscheidend für die Regio-S-Bahn Donau-Iller

Knifflig könnte auf der Strecke der Illertalbahn auch etwas anderes werden: Die Bahnlinie von Ulm nach Kempten soll elektrifiziert werden, und zwar vorrangig. Das hat das Bayerische Verkehrsministerium beschlossen. Mit Regio-S-Bahn und Elektrifizierung stehen also zwei parallele Großprojekte an, die zumindest teilweise die gleiche Strecke betreffen. Bis Elektrifizierungsprojekte umgesetzt werden, kann es nach der Erfahrung von Experten zehn bis 20 Jahre dauern.

Bei der Berechnung geht es um die Wirtschaftlichkeit des gesamten Projekts. Wenn ein Detail, zum Beispiel ein neuer Bahnhof, nicht lohnend genug ist, kann die Regio-S-Bahn dennoch unverändert umgesetzt werden – vorausgesetzt, das Gesamtprojekt erhält eine positive Bewertung. Beim Regionalverband Donau-Iller verweist man aber darauf, dass etliche Wünsche von Kommunen schon abgelehnt worden sind – eben weil sich deren Umsetzung nicht gelohnt hätte.

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Eine Zerreißprobe droht dem Regionalverband in einem anderen Fall: Wenn die Analyse zu einem negativen Ergebnis kommt, müsste das Projekt abgespeckt und neu geplant werden. Womöglich mit dem Ergebnis, dass Landkreise für ein Bahnprojekt bezahlen müssen, von dem sie nur wenig profitieren. Verbandsdirektor Markus Riethe gibt sich entspannt. Er sagt: „Das Problem stellt sich nicht“ und verweist auf die Schätzwerte aus dem Jahr 2013.

Umgesetzt werden soll die Regio-S-Bahn nicht auf einmal, sondern in kleinen Schritten. Das ist nach Einschätzung von Fachleuten politisch einfacher machbar und birgt einen weiteren Vorteil: Die Pendler sehen Schritt für Schritt Verbesserungen, Erfolge werden sichtbar. Dieses Vorgehen bringt aber auch ein Risiko mit sich: Wenn das Geld knapp wird, könnten einzelne Bestandteile, die später umgesetzt werden sollen, am Ende einfach weggelassen werden.

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