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16.01.2015

Händler kämpfen für mehr Parkplätze

Unter dem Bahnhofsplatz in Ulm soll eine neue Tiefgarage gebaut werden. Ulmer City und IHK Ulm halten 800 Parkplätze für dringend notwendig. In zwei Wochen trifft der Gemeinderat eine Entscheidung darüber.
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Unter dem Bahnhofsplatz in Ulm soll eine neue Tiefgarage gebaut werden. Ulmer City und IHK Ulm halten 800 Parkplätze für dringend notwendig. In zwei Wochen trifft der Gemeinderat eine Entscheidung darüber.
Bild: Alexander Kaya

Unter dem Ulmer Hauptbahnhof wird bald eine neue Tiefgarage gebaut. Die Frage ist, wie groß diese werden soll. Die lokale Wirtschaft hält 800 Plätze für unverzichtbar.

In zwei Wochen soll der Ulmer Gemeinderat eine Entscheidung über die künftige Tiefgarage unter dem Bahnhofsvorplatz treffen. Umstritten ist, wie viele Autos dort künftig Platz haben sollen. Das ist nicht nur eine technische Frage, sondern vor allem eine Frage des Geldes. Am Donnerstag haben der Verein Ulmer City Marketing, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm und mehrere große Einzelhändler für die große Variante geworben und dargelegt, warum 800 Parkplätze unterm Bahnhof aus ihrer Sicht unverzichtbar sind.

Die Vertreter haben dazu einen kurzen Film gedreht, der die Parkplatzsituation in der Innenstadt in der Vorweihnachtszeit dokumentiert. Die am 20. Dezember erstellten Aufnahmen zeigen lange Autoschlangen, verstopfte Zufahrten und Hinweisschilder, die für die Parkhäuser am Rathaus, Deutschhaus oder Fischerviertel jeweils „0“ freie Plätze anzeigen. Die Botschaft ist klar: An den Adventssamstagen ist die Parkplatznot groß, vor allem, seit die Sedelhofgarage geschlossen wurde, um Platz für das geplante Einkaufsquartier Sedelhöfe zu schaffen. Wie es damit weiter geht, steht derzeit in den Sternen. Der Investor hat noch bis Ende Januar Zeit, einen Nachfolger zu präsentieren. Wie der dann mit den bestehenden Plänen umgeht, ist offen. Für Ulmer City und IHK ist jedenfalls klar, dass die 500 Stellplätze, die irgendwann in den Sedelhöfen entstehen sollen, kein Ersatz für die 500 Plätze sind, die in der alten Garage weggefallen sind. Die Plätze seien ausschließlich für die Kunden des Einkaufszentrums vorgesehen und außerdem noch recht knapp bemessen. Je 100 Quadratmeter Verkaufsfläche werden die Sedelhöfe nach derzeitiger Planung 2,8 Parkplätze zur Verfügung stellen, haben die Ulmer City und die IHK ausgerechnet. Zum Vergleich: In der Glacis-Galerie in Neu-Ulm werden es 4,4 Plätze sein, im Blautal-Center sind es 6,1, in der City-Galerie Augsburg sogar acht.

Und auch die Tiefgarage unterm Bahnhof ist aus Sicht der Wirtschaftsvertreter keine Parkplatzerweiterung, sondern lediglich ein Ersatz. 760 Plätze seien nämlich bereits weggefallen oder fielen künftig weg, sagen die Einzelhandelsexperten und listen neben der Sedelhofgarage beispielsweise die Tiefgarage unter dem Intercityhotel (125 Plätze), die 55 Parkplätze an der Post oder die 15 Taxistellplätze auf. Umsatzrückgänge durch die fehlende Sedelhofgarage seien bereits spürbar, beklagt Josef Röll, Einzelhandelsexperte der IHK Ulm. Kurzfristig reaktivieren lässt sich die Garage allerdings nicht mehr. Das Gebäude wurde komplett entkernt, übrig ist nur noch eine Ruine.

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Dennoch geht die Stadtverwaltung derzeit von nur 500 Parkplätzen unterm Bahnhof aus, 300 weniger als zunächst angedacht. Denn die Stadt hatte bei ihrer Planung mal wieder die Rechnung ohne die Bahn gemacht. Wie im Herbst bekannt wurde, liegen vor dem Bahnhof unter der Erde nicht nur Leitungen der Telekom, sondern auch viel technische Infrastruktur zur Steuerung des Bahnbetriebs vergraben, deren Verlegung immens teuer würde. Der Teil der Tiefgarage im nördlichen Bereich des Bahnhofs wurde deshalb aus den Plänen herausgenommen.

Um dennoch auf insgesamt 800 Parkplätze zu kommen, schlagen IHK und Ulmer City vor, von Norden einfach nach Süden auszuweichen, also unter den Omnibusparkplatz (ZOB). Hier seien sogar 900 bis 1000 Parkplätze möglich, sagt Christoph Holbein von Sport Sohn. „Platz genug wäre da.“ Allerdings würde die große Tiefgaragen-Variante auch erheblich mehr kosten, nämlich geschätzte 20 Millionen Euro. Eine Investition, die sich langfristig rechnet, findet IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle. „Wir brauchen diese Parkplätze, um die Attraktivität der Stadt zu erhalten.“ Kunden, die in Ulm einkaufen wollen, würden auch in Zukunft zum erheblichen Teil mit dem Auto kommen. „Das ist einfach Teil der Realität.“ Und wenn es in Ulm nicht genug Parkplätze gebe, würden die Kunden eben woanders hinfahren. Die Park-and-ride-Plätze an der Messe und am Kuhberg sind für Citymanager Henning Krone keine Alternative. Dieses Angebot werde kaum genutzt, ebenso das Congress Centrum Nord.

Vor der Konkurrenz durch die Glacis-Galerie, die in Neu-Ulm bald eröffnet wird, haben die Ulmer Einzelhändler aber keine Angst, trotz der über 1000 Parkplätze, die dort entstehen. Michael Klamser vom gleichnamigen Sportgeschäft in der Frauenstraße ist überzeugt: „Die Glacis-Galerie wird den Gesamtstandort aufwerten.“

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