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Premiere II

22.12.2014

Hamilton Rock ermittelt im Umfeld von Jesus

Ein „Schnüffler“ wie aus dem Bilderbuch: Hamilton Rock (Jörg-Heinrich Benthien) ist Privatdetektiv – und ein intergalaktischer Krisenbewältiger.
Bild: Ilja Mess

Jörg-Heinrich Benthien und Fabian Gröver inszenieren ein Science-Fiction-Hörspiel live im Podium

„Die Luft ist schwer vom Zigarettenrauch, ein Deckenventilator rührt die schwere Luft um.“ So beginnt das Livehörspiel „Hamilton Rock“, das sich die beiden Schauspieler Jörg-Heinrich Benthien und Fabian Gröver für das Podium des Theater Ulm ausgedacht haben.

Hamilton Rock ist Privatdetektiv, er liebt Frauen und Whiskey, seine 38er und markige Sprüche. Sein Leben als Schnüffler im New York der 1950er könnte so entspannt sein, wenn er nicht gleichzeitig intergalaktischer Krisenbewältiger wäre. Als solcher beauftragt ihn der „hohe Sternenrat“, mal im alten Judäa nach dem Rechten zu sehen. Denn dort hat sich Rocks Erzfeind Richard Fleischer eingenistet und sabotiert die Geschichte rund um Jesus.

Was wäre die Welt ohne Jesus und den Glauben? Rock reist in die Vergangenheit und trifft auf Jesus – in Wahrheit Rocks Kollegen Hystra, der sich mit seinen Jüngern eine lockere Zeit in Puffs und Kneipen macht und mit einem futuristischen Heilgerät „Wunder“ vollbringt.

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Für Hamilton Rock heißt es nun: Jesus muss ans Kreuz! Sonst ist die Zeitlinie beschädigt und Rock kann nie mehr in sein geliebtes New York zurückkehren und dem Whiskey und den Frauen frönen.

„Hamilton Rock, Space Investigator“ spielt mit den Versatzstücken der Film-Noir-Krimis, vornehmlich mit der Detektivfigur, wie sie einstmals Humphrey Bogart kreierte: Kratzige Stimme, schnoddrige Gelassenheit, Trenchcoat und Whiskeyglas in Griffnähe – perfekt personifiziert von Benthien. Mit Wilhelm Schlotterer als Jesus, Dan Glazer als Richard Fleischer, Florian Stern als römischer Soldat, Sidonie von Krosigk als italienische Mafia-Mama, Tini Prüfert als Faruk sowie Jörg-Heinrich Benthien als Hamilton Rock und Fabian Gröver als Apostel Johannes geht es auf eine wilde und manchmal auch recht hanebüchene Reise durch den Jesusmythos.

Die Verbindung aus Detektivgeschichte, Science-Fiction-Klamauk und Geschichtsroulette aus den Federn von Benthien und Gröver macht Spaß und punktet mit einer Fülle origineller Ideen – allen voran natürlich der Prämisse, dass Jesus ein Außerirdischer war.

Manches an der zweistündigen Inszenierung wirkt allerdings nicht ausgereift. Die Nebenhandlung um die Mafiabraut Signora Costello bremst die Handlung eher und insbesondere der erste Teil des Livehörspiels zeigt deutliche Längen.

Zuschauer darf nicht zimperlich sein

Zimperlich darf man nicht sein bei all den Monty-Python-esken Verdrehungen: „Jesus ohne Kreuz ist sinnlos wie ein Buick ohne Aschenbecher“ heißt es da, als Fleischer die Kreuzigung abschaffen lässt. Die Idee, dass die ganze Heilsgeschichte überhaupt nur deshalb funktionierte, weil im alten Judäa mehr oder minder jedermann jederzeit betrunken war – „Besoffene sind leichter zu bekehren!“ – ist anarchisch, aber nur eine von vielen Prüfungen für die Humorbegabung anwesender strenger Katholiken.

Alles in allem ein vergnüglicher Abend im Podium – mit vielen fröhlichen Verdrehungen und Zitierungen. Jedoch hätte eine inhaltliche Verdichtung gut getan.

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