1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Handel: Das Ulmer Umland lockt wie selten

Ulm/Landkreis Neu-Ulm

14.10.2018

Handel: Das Ulmer Umland lockt wie selten

Senden gehört zu den Gewinnern; In dritten Einzelhandelskompendium setzt die IHK die 2009 begonnene Reihe der Innenstadtbetrachtungen in der IHK-Region Ulm sowie in den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg fort.
Bild: Alexander Kaya (Archivfoto)

Von Senden bis Weißenhorn: Eine neue Untersuchung zeigt auf, wie die umliegenden Städte vom Baustellenchaos profitieren. Trotz der Online-Konkurrenz

Vergangenen Donnerstag in Ulm. 20 Uhr, soeben haben sämtliche Geschäfte geschlossen. Auf den Straßen geht nichts mehr, insbesondere an der Kreuzung Neutorstraße/Karlstraße stehen die Autos bis zu 45 Minuten im Stau. Leider kein Einzelfall: Der gleichzeitige Bau des Einkaufsquartiers Sedelhöfe, der neuen Straßenbahnlinie und der Tiefgarage am Bahnhof sorgt seit Monaten für Frust bei Autofahrern. Und schreckt Besucher der Innenstadt ab.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Im jüngst vorgestellten Einzelhandelskompendium der beiden regionalen Industrie- und Handelskammern (IHK) ist die Rede von erheblichen Problemen der Erreichbarkeit. Sehr zur Freude der umliegenden Städte. Denn offensichtlich meiden laut der Untersuchung die Kunden das befürchtete Chaos in Ulm und weichen auf Alternativen in Bayern und Baden-Württemberg aus. „Oder auch den Laden um die Ecke“, wie der Ulmer IHK-Handelsexperte Josef Röll sagt. Das sei bemerkenswert, da bundesweit die Innenstadtfrequenzen aufgrund der steigenden Umsätze im Internethandel eher zurückgehen.

IHK-Studie: Händler in Senden, Weißenhorn und Illertissen profitieren

Zu den Gewinnern gehöre insbesondere das Gewerbegebiet in Senden, in dem zuletzt mit dem Sportriesen Decathlon ein weiterer Magnet eröffnet wurde. Zahlen liefert die Studie allerdings nur für die Sendener Innenstadt rund um die Hauptstraße. Doch selbst hier – im Schatten des übermächtigen Gewerbegebiets Senden Nord – nahm die durchschnittliche Passantenfrequenz deutlich zu. Aber auch in Weißenhorn hat die Zahl der Menschen in der Innenstadt zugenommen. Im Vergleich zur Erhebung im Jahr 2013 stieg der Wert von 154 auf 178 potenzielle Kunden. Experten halten es für möglich, dass mit der Eröffnung der beiden Lebensmittelmärkte auf der Hasenwiese die Frequenz weiter steigt, denn diese seien fußläufig erreichbar.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Im definierten Innenstadtbereich (grob Hauptstraße, Kaiser-Karl-Straße, Reichenbacher Straße und Memminger Straße) befinden sich 71 Ladenlokale und 18 gastronomische Betriebe. Der Filialisierungsgrad, also der Prozentsatz der Geschäfte, die von Ketten betrieben werden, beträgt 14 Prozent und liegt damit leicht unter dem Durchschnitt der untersuchten Städte (18,2 Prozent). Die Leerstandsquote zum Zeitpunkt der Erhebung betrug zehn Prozent und liegt damit genau im Durchschnitt.

Handel in Ulm leidet unter Baustellen

Auch Illertissen habe eine merkliche Zunahme an Passanten zu verzeichnen, wenngleich die Macher der Studie den Frequenzgewinn von sagenhaften 44 Prozent in Teilen auch dem unterschiedlichen Wetter an den zwei Untersuchungstagen zuschreiben. Dennoch: Die Entwicklung zeige, dass der gute Angebotsmix gepaart mit einem vielfältigen gastronomischen Angebot durch 25 Betriebe und zahlreichen Dienstleistern bei den Besuchern gut ankommt, heißt es im Bericht der IHK. In Illertissen lasse sich der Erfolg der Investitionen in die Innenstadt gut erkennen. Die Vöhlinstadt stehe hier für einen Trend, der in allen Städten zu beobachten sei: Die Gastronomie werde ein immer wichtigerer Teil der Einkaufsstraßen.

Die Werbekampagne von Laupheim im Alb-Donau-Kreis heißt „Wir sind erreichbar“. Und zielt auf das schwächelnde Ulm, das in Sachen Erreichbarkeit abschreckt, weil ständig Staus drohen. Die Frequenz in der Hirschstraße ist im Schnitt pro Stunde von 5054 auf 3831 gesunken, die Spitzenfrequenz an Samstagen von 6835 auf 5207. Dies decke sich auch mit Messungen einiger großer Häuser wie etwa Galeria Kaufhof in bester Lage. Zu den Verlierern gehört auch die Stadt Vöhringen: Die durchschnittliche Passantenfrequenz sank von 119 auf 97. In der Stadt an der Iller ist der Donnerstag weiterhin frequenzstärker als der Samstag. Dies deute darauf hin, dass Vöhringen derzeit von den Besuchern nicht als Einkaufsstadt für den Wochenendeinkauf wahrgenommen wird.

Für Neu-Ulm existieren keine Ziffern der Passantenfrequenz. Sie wären auch nur schwer vergleichbar: Als die IHK das jüngste Einzelhandelskompendium herausgab, existierte nämlich die Neu-Ulmer Glacis-Galerie noch nicht. Die Macher der Studie um Röll betonen, dass es fraglich sei, ob der Handel in der Neu-Ulmer Innenstadt abseits der Glacis-Galerie sowie des Starkfelds profitiere.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren