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Ulm

22.02.2021

Hat ein 66-Jähriger aus Wiblingen die Briefbomben in Ulm verschickt?

Nach Explosionen von Briefbomben rückt ein 66-Jähriger aus Ulm-Wiblingen ins Visier der Ermittler.
Bild: Heckmann, Kroha, dpa (2)

Plus Nach Explosionen durch Briefbomben sitzt ein 66-Jähriger aus Ulm-Wiblingen in Haft. Der Mann schweigt weiterhin. Wie kamen die Ermittler auf ihn?

Im Fall der Serie von explosiven Postsendungen an Unternehmen sitzt seit dem Wochenende ein Tatverdächtiger in Untersuchungshaft. Der 66-Jährige macht weiterhin keine Angaben. Die Ermittler berichten nun aber erstmals, wie sie - dann doch recht schnell - auf den Mann kamen, der nach Informationen unserer Redaktion aus dem Ulmer Stadtteil Wiblingen kommt. Bei seiner Festnahme soll er noch zu seinen Nachbarn gesagt haben: Er wisse gar nicht, was die Polizei von ihm wolle.

Am vergangenen Dienstag (16. Februar) explodierte die erste Postsendung bei der Firma Wild (Capri-Sonne) in Eppelheim. Am Tag darauf ging bei der Firma Lidl in Heilbronn-Neckarsulm ein Sprengsatz hoch und verletzte drei Mitarbeiter. In Eppelheim hatte ein Beschäftigter ein Knalltrauma erlitten. Alle konnten jedoch zwischenzeitlich die Krankenhäuser wieder verlassen.

Ziemlich schnell verdichteten sich aber offensichtlich die Hinweise, dass ein Serientäter hinter den Angriffen steckt. Eine Sonderkommission unter Leitung des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg und der Staatsanwaltschaft Heidelberg wurde gebildet. Um die 100 Ermittler arbeiteten sodann Spuren und Hinweise ab - unter ihnen auch Beamte des Polizeipräsidiums Ulm.

Briefbomben in Ulm verschickt: Päckchen halfen der Polizei bei den Ermittlungen

Entscheidend für den am Wochenende vermeldeten Ermittlungserfolg waren aber wohl die Päckchen: Zum einen wurde ein explodierter Brief offenbar nicht komplett zerstört. So sei eine Rückverfolgung des Versandweges möglich gewesen. Es konnte herausgefunden werden, dass insgesamt drei Pakete gemeinsam verschickt wurden. Aufgegeben wurden die Briefbomben nach Angaben der Ermittler am Montag, 15. Februar, am Schalter in einer Post-Filiale in Ulm. Ob es sich dabei - wie von der Bild berichtet - um die Annahmestelle in der Rosengasse handelt, wollte ein Sprecher des LKA am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion "weder bestätigen noch dementieren".

Mit diesem Wissen aber konnten die Ermittler das dritte Sprengstoffpaket ausfindig machen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (17. auf 18. Februar) wurde es in einem Paketzentrum am Flughafen München lokalisiert, gestoppt und kontrolliert vernichtet. Es war an den Babynahrungshersteller Hipp mit Sitz in Pfaffenhofen an der Ilm adressiert.

Wurden hier in der Post-Filiale in der Rosengasse in Ulm die Briefbomben aufgegeben?
Bild: Kroha

An der besagten Post-Filiale läuft der Alltag indes ganz normal weiter. Die Annahmestelle in der Rosengasse hat aufgrund des verlängerten Lockdowns nur noch am Nachmittag geöffnet. Seither stehen die Menschen dort Schlange, um ihre Pakete aufzugeben oder abzuholen. Auch vergangene Woche, als dort mutmaßlich die Sprengstoffpakete aufgegeben wurden? Stand der Briefbomber hier an, um Menschen zu verletzen oder gar zu töten?

Das Post-Personal vor Ort wollte sich im Gespräch mit unserer Redaktion nicht näher zur Angelegenheit äußern. "Ich darf ihnen dazu nichts sagen. Ein Fernseh-Team war auch schon da", sagt der Mann am Schalter. Anwohner berichten derweil, dass die vergangenen Tage mehrfach die Polizei gesichtet wurde.

Festnahme nach Explosionen: So kamen die Ermittler auf den 66-Jährigen aus dem Raum Ulm

Doch wie kamen die Ermittler jetzt auf den Tatverdächtigen? Hier half den Beamten unter anderem die Art der Verpackung der detonierten Briefbomben weiter. Dabei soll es sich um ein "nicht so gängiges Material" handeln, wie Thomas Bischoff von der leitenden Staatsanwaltschaft Heidelberg erzählt. Um welches Material genau, könne er zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Hierzu stehen noch Untersuchungen aus.

Aber das verwendete Verpackungsmaterial komme offenbar so selten vor, dass eine Abfrage von Online-Versandhändlern den entscheidenden Hinweis lieferte. Ins Visier der Ermittler gerieten sodann alle Besteller des "nicht so gängigen Materials", die aufgrund der Nähe zur Ulmer Postfiliale infrage kämen.

Unter ihnen sei dann auch der 66-Jährige aus dem Raum Ulm gewesen, der am Freitag an seinem Wohnsitz ohne Gegenwehr festgenommen wurde. Er sitzt mittlerweile in U-Haft, zu den Vorwürfen habe er sich nicht geäußert. Das Motiv sei noch völlig unklar, so Bischoff am Montagmittag: "Weder gibt es bisher ein Erpresserschreiben noch Hinweise auf politische Aktivitäten des Rentners", fügte der Sprecher der Staatsanwaltschaft hinzu.

Tatverdächtiger ist verheiratet und wohnt in Ulm-Wiblingen

Der Mann wohnt in einem gepflegten Reihenhaus im Ulmer Stadtteil Wiblingen. Dort steht die Schneeschaufel noch links vom Eingang, auf der Terrasse steht die Sonnenliege bereit. Auf den ersten Blick in den schön angelegten und eingewachsenen Garten deutet nichts auf ein Verbrechen hin.

Auf dem Fußweg hinter dem Haus aber sind im feuchten Gras noch immer die Stiefelspuren der SEK-Beamten zu erkennen, die am Freitagabend das Haus umstellt haben, um die Festnahme vorzubereiten. Mehrere Straßensperren wurden eingerichtet, damit keine Unbeteiligten gefährdet werden. Noch in der Nacht wurde der 66-Jährige nach Heidelberg gebracht. Polizeilich ist der verheiratete Mann bisher nie aufgefallen. Auch bei seiner Festnahme soll er noch zu Nachbarn gesagt haben, er wisse gar nicht, was die Polizei von ihm wolle.

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