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Ulm/Kreis Neu-Ulm

15.12.2020

Haus des Jugendrechts: Wo die Strafe in Ulm auf dem Fuße folgt

Justizminister Guido Wolf sowie Polizeipräsident Bernhard Weber, Oberstaatsanwalt Christof Lehr und OB Gunter Czisch (von links) bei der Einweihung.
Bild: Helmstädter

Plus In Ulm eröffnete vor einem Jahr das Haus des Jugendrechts. Vertreter der Polizei, Staatsanwaltschaft und der Stadt sprechen von einem Erfolgsmodell.

Kinder, die Polizeibeamten beleidigen, oder jugendliche Ladendiebe: Das sind zwei typische „Kunden“ des Haus des Jugendrechts, das am Montag vom baden-württembergischen Justizminister Guido Wolf offiziell eröffnet wurde.

Reichlich spät: Denn seit fast einem Jahr hat die Einrichtung im alten Hauptzollamt in der Schaffnerstraße die Arbeit aufgenommen. Das hatte aber den Vorteil, dass die Eröffnung zu einer ersten Bilanz wurde. Die Idee der Einrichtung nahe der Staatsanwaltschaft und dem Justizpalast ist simpel und einleuchtend: Erzieherische Intervention bei jungen Menschen ist dann besonders einprägsam, wenn sie schnell nach der Straftat und im persönlichen Kontakt erfolgt. Eine enge Verzahnung von Justiz, Polizei und Jugendhilfe, die das ermöglichen soll, gibt’s jetzt auch in Ulm.

Früh kriminelle Karrieren verhindern

Der leitende Oberstaatsanwalt Christof Lehr, Polizeipräsident Bernhard Weber und Oberbürgermeister Gunter Czisch zeigten sich froh, dass nun Ulm als sechste Stadt im Ländle eine Einrichtung hat, in der Polizei, Staatsanwaltschaft und die Stadt an einem Strang ziehen. Ein wichtiger Strang: „Das Ziel ist es, früh kriminelle Karrieren zu verhindern“, sagte Minister Wolf.

In diesem Jahr befasste sich die Ulmer Polizei mit 1300 Straftaten, die unter das Jugendstrafrecht fielen, was zu 600 Verfahren führte. Allein die Differenz der Ziffern zeigt, dass es auch bei der Jugendkriminalität schon viele Mehrfachstraftäter gibt. „Viele kriminelle Karrieren fangen schon mit zwölf Jahren an“, sagte Czisch. Da müsse man klare Kante zeigen. Doch anders als im Erwachsenenstrafrecht, wo sich die Höhe der Strafe maßgeblich nach der Schuld des Täters bemisst, stehen im Jugendstrafrecht erzieherische Gesichtspunkte im Vordergrund. Was das Ganze nicht einfacher macht.

"Respektlosigkeit ist ein großes Thema“

„Respektlosigkeit ist ein großes Thema“, so Czisch. Denn wenn ein Zwölfjähriger keinen Respekt vor der Polizei hat, habe er es mit 20 auch nicht. Die Probleme würden weit in die Familie ragen, die Respektlosigkeit vor Normen und Werten würde vom Elternhaus vermittelt.

Im Kreis Neu-Ulm ist das Haus des Jugendrechts virtuell

Bei jungen Straftätern geht es nicht um Sühne oder Vergeltung. Die Erziehung, Sozialisation und Resozialisierung steht im Mittelpunkt. Deswegen wird eng mit der Schulsozialarbeit und den Einrichtungen der Familienhilfe zusammengearbeitet, um die Kinder und Jugendlichen von der schiefen Bahn zu bekommen.

22 Beschäftigte der Behörden arbeiten seit Jahresbeginn daran - meist unter erschwerten Corona-Bedingungen. Kommunikation Auge in Auge ist wichtig. „Da hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagte Polizeipräsident Weber. Dennoch glaubt er an das Haus des Jugendrechts. Die 15 Polizisten, die aus anderen Dienstellen abgezogen wurden, würden „wertvolle Arbeit“ leisten. „Es wächst zusammen, was zusammengehört.“ Vorbehalte, die in vergangenen Jahren dieser Kooperationsform entgegengebracht wurden, seien weg.

„Das Haus des Jugendrechts ist ein Erfolgsmodell“, sagte Minister Wolf. Evaluationsstudien an anderen Orten im Land belegten den Erfolg des Projekts. Deswegen habe sich die CDU im Koalitionsvertrag ausdrücklich zu den Häusern des Jugendrechts, bei denen Baden-Württemberg bundesweit Vorreiter war, bekannt.

Im Kreis Neu-Ulm gibt es ähnliche Ansätze, aber etwas abgespeckt. In einem lediglich virtuellen Haus des Jugendrechts im Landkreis Neu-Ulm wollen die Behörden sich noch stärker als bisher austauschen, um jungen Straftätern langfristig und nachhaltig zu helfen. Eine entsprechende Vereinbarung haben die Beteiligten wie berichtet vor einem Jahr unterschrieben. Erste Zusammenkünfte virtueller Art gab es schon.

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