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Chorkonzert

06.07.2017

Heimatklänge für die Gegenwart

Überzeugte mit seinen Interpretationen auf ganzer Linie: das Junge Vokalensemble Ulm unter der Leitung von Stefan Glasbrenner (rechts).
Bild: Florian L. Arnold

Das Junge Vokalensemble Ulm führt im Haus der Begegnung neue Werke regionaler Komponisten auf

Es war Aufhorchen angesagt beim Programm „Ulm und um Ulm herum“ des Jungen Vokalensembles Ulm. Anfang des Jahres hatte Chorgründer und -leiter Stefan Glasbrenner Chorkomponisten aus der Region um aktuelle Werke gebeten. Acht Komponisten, von denen die meisten selbst als Chorleiter oder -sänger wirken, kamen in die Auswahl und zeigten, dass zeitgenössische Musik keinesfalls atonal und intellektuell überfrachtet ist. Vielmehr erklangen im Haus der Begegnung durchweg klangschöne, formal aufregende Werke.

Fay Neary (Ulm) schreibt rhythmisch freie Musik, ihr „It Came Upon A Midnight Clear“ ist ein berückendes, verinnerlichtes Kleinod, das mit den Mitteln der menschlichen Stimme Echo-Effekte aus den Melodien herauskitzelt. Mit zwei verschiedenartigen Stücken war der Elchinger Pianist und Komponist Siegfried C. Arnold vertreten. „Aus tiefer Not“ gefiel in der Interpretation des Jungen Vokalensembles durch seinen eleganten Melodiefluss und durch das subtil freigestellte Sopransolo, das den aufrüttelnden deutschen Text in anrührender Weise unterstrich. „Herr, mache mich zum Werkzeug“ hingegen wirkt von der französischen Spätromantik inspiriert und baut sich zweistimmig zu einem optimistischen „Amen“ auf, dem auch die Klangwelt des Swing nicht fern ist.

Swing und Jazz haben das Werk des Ehingers Wolfgang Gentner hörbar inspiriert: „Wie lieblich sind mir“ pumpt Jazz-Rythmen in die Musik, vokal wird von Sprechgesang bis zu Kurt-Weill-haften Synkopierungen alles aufgeboten. Eine Gelegenheit zum Mitwippen. Stefan Glasbrenner selbst textete „Starlight“ auf der Basis eines Hymnus von Andreas Gryphius. Sein Chorstück bezauberte mit dem kontrastreichen Einsatz von Frauen- und Männerstimmen, klassischer Choral klingt ebenso an wie moderne Gesangsformen. Am weitesten von traditionellen Formen entfernte sich Wolfram Buchenberg, der die menschliche Stimme auch mal perkussiv einsetzt, lautmalerische Effekte schätzt und dessen „Brot des Lebens“ bei aller Experimentierfreude eine wohltuende Geschlossenheit aufweist. Friedemann Johannes Wieland, Erster Kantor und Organist am Ulmer Münster, setzt in seiner Choralimprovisation ebenfalls auf die Wandelbarkeit der Stimme. Seine Klangwelt, klassischen Formen nah, lebt von raffiniert eingesetzten Sprech- und Flüsterpassagen, lautmalerische und rhythmische Elemente werden a cappella gestaltet. Faszinierend auch Andreas Weils (Ulm) schlanke Umsetzung des „Ubi caritas“: sinnlich, schnörkellos, schön.

Das Junge Vokalensemble sang die melodiösen Werke wie gewohnt mit höchster Präzision und Ausdrucksstärke – ein Gewinn für die regionale Chorszene und ein beeindruckender Blick auf regionales Musikschaffen, der nach einer Fortsetzung ruft. (flx)

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