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Elchingen

03.01.2021

Heimwerker-Experiment: So bauten wir uns eine orientalische Krippe

Diese Krippe soll nicht alpenländisch aussehen, sondern einer orientalischen Stadt aus Lehmhäusern nachempfunden sein. Viele Ideen und viel Arbeit stecken darin, an manchen Details wird auch nach Weihnachten noch gefeilt.
Foto: Dagmar Hub

Plus Alpenländisch kann es in Betlehem zu Christi Geburt nicht ausgesehen haben. Also machten wir uns ans Werk – mit Rat von Experten und Bildern aus dem Nahen Osten

Eigentlich war die Idee schon seit Jahren da, seit einer Reise in die Region zwischen Euphrat und Tigris: Die in die Jahre gekommene und einst aus bei Spaziergängen gesammelten Naturmaterialien gebastelte alpenländische Krippe, die alljährlich unter dem Weihnachtsbaum steht – man müsste sie ersetzen durch eine Krippenszenerie, die der Gegend von Christi Geburt realitätsnäher nachgestaltet ist.

Der Wunsch wurde mit der Zeit stärker, die Vorstellungen klarer – aber die Zeit zur Umsetzung im Alltag nicht mehr, und daran scheiterten alle Ideen. Dann kam die Pandemie und es kamen die Sorgen. Der reale Kontakt zu Familie und Freunden musste eingeschränkt werden, und die Kultur konnte nicht mehr sein – und plötzlich war da viel Zeit. Jetzt die erträumte orientalische Krippe bauen? Können wir das überhaupt? Ein Selbstversuch in diesem kontaktarmen Winter.

Krippenbau liegt im Trend - aber wie sieht eine echt orientalische Krippe aus?

Modellbau liegt derzeit voll im Trend. Krippenbau auch, sagt Günter Rösler, der in Ingstetten einen Krippenbau-Laden betreibt und vor allem Bausätze für Krippen unterschiedlicher Stilrichtungen übers Internet verkauft. Freilich, für die ganz persönlichen Vorstellungen passte kein Bausatz. Und eigentlich sollte die Kreativität auch herausgefordert werden und ihren Platz haben. Wir entschieden uns für einen Mix aus einigen Fertigteilen und ganz viel Eigenarbeit mit Sperrholz und Styrodur. Gut, dass in der Zeit der Kontakteinschränkungen kaum jemand ins Haus kommt! Denn im Flur stand zwei Wochen lang aufgebaut eine metallene Werkbank zum Einspannen der zu sägenden Teile, und auch wenn täglich gekehrt wird – irgendwo ist immer ein Hauch von Sägemehl. Im Wohnzimmer häuften sich Werkzeuge um mehrere inzwischen weitgehend fertiggestellte Gebäude – Bethlehem war ja eine Stadt.

Wir haben uns in den Kopf gesetzt, eine Geburtsszene in einem orientalischen Gebäude nachzubauen, mit ein paar Nebengebäuden am Stadttor von Bethlehem. Wichtig ist, sagte man uns, vorher genau zu wissen, welche Größe die Figuren haben werden, die die Szenerie beleben sollen: Nur nicht bauen und dann feststellen: Das passt nicht zusammen! Steine, wie sie in der Vorgängerkrippe zu einer Mauer zusammengeklebt worden waren, verwendet man heute nicht mehr, ist der Rat von Experten: Viel zu schwer, wenn man die Krippe übers Jahr verstauen und deshalb transportieren muss. Styrodur, leicht zu bearbeiten, ist das Material der Wahl. Etliche Fahrten in den Baumarkt standen an, wo wir vor Regalen mit Holzleistchen überlegten und aus verschieden dicken Styrodurplatten auswählen mussten.

Messen, sägen, kleiben, feilen - Krippe selbstgemacht!

Messen, sägen, kleben, feilen, immer wieder neue Ideen bekommen und austauschen – der Bau ist ein ungemein kreativer und Spaß machender Prozess, stellten wir fest. Wie die Zinnen an der Brustwehr eines Turmes gestalten? Beim Stadttor waren wir uns schnell einig. Aber Kuppeln auf die Flachdächer eines Gebäudes oder nicht? Die Brücke über einem Turm des Stadttors zum anderen begehbar machen oder das Ganze einfacher halten? Der Gesprächsstoff geht nicht aus, alte Reisebilder werden herausgesucht, um Lehmhäuser genau unter die Lupe zu nehmen. Wir stellen fest: Zum Krippenbau braucht man unterschiedlichste handwerkliche Fähigkeiten – und vor allem Fingerspitzengefühl und Geduld.

Irgendwann war das grüne Styrodur für die Front des Hauptgebäudes ausgefeilt, weiß gestrichen, die Fenster innen mit Gittern oder Kreuzstöcken präpariert. Nun wurde es spannend: Streichen und Verputzen war angesagt. Der gekaufte Krippenputz ist „dickbreiig“ anzurühren, sagte der Verkäufer. Mache ich das richtig? Eine Minikelle aus einem Ziegelbaukasten aus der Kindheit des Sohnes, der damals davon träumte, Architekt zu werden, stellte sich als ideales Kleinstwerkzeug heraus, um den Verputz in die Ecken und Nischen zu bringen.

Eine Krippe gehört zur Weihnachtstradition - am besten selbstgebaut

Leimwasser? Nie gehört, aber entsprechende Beraterseiten im Internet klären auf, dass es für bestimmte Zwecke beim Krippenbau unverzichtbar ist, und wie man es herstellt. Auch das klappt. Aber die sorgfältig mit Leimwasser behandelten Kordeln, um die Kuppeln eines prunkvolleren Gebäudes gelegt, hätten wir uns trotzdem sparen können – nach dem Verputzen der Kuppeln sieht man kaum noch etwas von der Struktur, die für eine kunstvollere Optik hätte sorgen sollen. Eine späte Erkenntnis, die Zeit gespart hätte, hätten wir sie vorher gehabt!

Nun ist es Weihnachten geworden, tatsächlich auch in diesem Jahr. Der Staubsauger musste kräftig ran, und auch Besen, Lappen und Putzeimer. Dass die gewohnte Krippe 2020 noch unterm Baum stehen würde, war vorher schon klar – der Aufwand der neuen Anlage ist doch groß. Türen sind noch zu basteln aus schmalen Brettchen, die gebeizt werden müssen. Wie wir die Beschläge der Türen fabrizieren werden, steht in den Sternen. Aber der Lockdown wird noch länger währen – wahrscheinlich wird unsere orientalische Krippe zum Ende der Wochen des öffentlichen Stillstands fertig. Nächstes Weihnachten sollen die ersten Figuren sie beleben. Der Bau unserer Krippe wird auch so später immer mit diesem so anderen Weihnachten verbunden bleiben. Und die Freude darüber, dass gemeinsames Konstruieren verbindet.

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