Schulen

08.03.2018

Hilfe vom Beckenrand

Der Schwimmunterricht für Grundschüler soll besser werden, dafür stellt die Stadt Neu-Ulm mehr Geld zur Verfügung.
Bild: Alexander Kaya

Weil immer weniger Kinder schwimmen können, weitet die Stadt jetzt ein erfolgreich gestartetes Pilotprojekt aus. Manche Zahlen sind erschreckend

Wenn mehr als die Hälfte der Buben und Mädchen einer dritten Grundschulklasse nicht schwimmen können, dann sei das erschreckend, findet Ralph Seiffert. Er ist in der Neu-Ulmer Stadtverwaltung unter anderem verantwortlich für den Bereich Schulen. Die Zahl stammt von der Grundschule Burlafingen, doch auch anderswo sieht es offenbar nicht viel besser aus. Die Stadt will jetzt noch mehr tun, damit sich die Kleinen vernünftig über Wasser halten können.

Das Problem kam erst kürzlich wieder bei einer Expertenanhörung im Landtag auf den Tisch. Nach Einschätzung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft können bis zu 70 Prozent der Kinder im Freistaat nicht sicher schwimmen. Seiffert präsentiert dem Ausschuss für Bildung, Familie und Kultur noch eine andere Zahl: Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017 seien 59 Prozent der Kleinen keine sicheren Schwimmer, beziehungsweise könnten überhaupt nicht schwimmen. Das Phänomen habe nicht allein mit Migranten zu tun, in deren Kultur Baden nicht zur Freizeitbeschäftigung gehöre, auch in ländlichen Bereichen hierzulande nehme das zu. Die Stadt Neu-Ulm hat deshalb bereits zum Schuljahr 2016/17 ein Pilotprojekt gestartet, das offenbar wirkt.

In den Grundschulen Weststadt und Stadtmitte wurden zusätzliche Schwimmlehrerinnen angeheuert, die stundenweise den Kleinen zeigen, wie sie das nasse Element meistern können. Beide Schulen sind damit sehr zufrieden, wie aus den Unterlagen für die Ausschusssitzung hervorgeht. Weil die Gruppen geteilt werden können, sei der Unterricht seither deutlich effektiver. „Der Einsatz der Hilfskraft ist sowohl für die Lehrer als auch für die Schulkinder äußerst gewinnbringend und daher sehr positiv zu bewerten“, heißt es in einer Stellungnahme der Grundschule Stadtmitte.

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In der Weststadtschule war es offenbar vor dem Start des Pilotprojekts nicht mehr möglich, allen Kindern das sichere Schwimmen beizubringen, denn es wurden immer mehr, die das überhaupt nicht konnten. Vor neun Jahren kamen in den dritten Klassen noch 6 bis 8 Nichtschwimmer auf 40 bis 45 Buben und Mädchen. Heute sind es nach Darstellung der Schule 15 bis 20. Mit der zusätzlichen Lehrerin seien aber in kurzer Zeit schon enorme Erfolge erzielt worden. Zum Ende des Schuljahres werden wohl alle „die Grobform des Schwimmens“ erlernt haben.

Für die beiden Hilfskräfte an den zwei Schulen muss die Stadt bisher 3500 Euro aufbringen. Nun soll das Projekt auch auf andere Schulen ausgedehnt werden, dem stimmte der Ausschuss einmütig zu. Nun lässt sich die Stadt das Ganze 6000 Euro kosten. Allerdings sieht Christa Wanke (FDP) auch die Erziehungsberechtigten in der Pflicht: „Wir müssen die Eltern mahnen, dass sie ihren Kindern das Schwimmen beibringen.“

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