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04.06.2010

Hinab in die Unterwelt des Münsters

Hinab in die Unterwelt des Münsters
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Auf den Granitbögen der Turmfundamente erklärt Heinz Straub den Neugierigen die architektonischen Überlegungen Ulrich von Ensingens. Fotos: köd

Ulm Schon zwei Wochen vorher waren alle Plätze belegt: Wer zum Start der ersten Führung in die Unterwelt des Münsters dachte, er könne sich schnell entschlossen eine halbe Stunde vor Beginn noch ein Ticket kaufen, musste mit der Warteliste für die zusätzlich in den nächsten Wochen eingeschobenen Führungen vorlieb nehmen. Selbst für die erfahrenen Münsterführer überraschend groß war der Andrang, als sie im Rahmen der Reihe "Das Ulmer Münster - Wunder der Technik" erstmals Neugierige zu den Turmfundamenten bringen durften.

Dabei musste Fritz Nestle, einer jener Männer, die die Interessierten über die Treppe bei der Neithardtkapelle in die Tiefe führen, selbst 70 Jahre lang warten, bis er das Turmfundament erstmals sehen konnte. Sein Vater hatte ihn 1934 an das Gitter in der Ehrenhalle des Münsters geführt, durch das man damals bei Schweißarbeiten ein wenig hinuntersehen konnte. Heute ist Fritz Nestle einer der Münsterführer, die den Schlüssel zur immer verschlossenen alten Tür holen dürfen, um Interessierte unter dem roten Teppich des Langhauses nach Westen zu den nur drei bis vier Meter tiefen Fundamenten des über 51 000 Tonnen schweren Münsterturms zu führen. Um den Faktor 10 würde der Turm heutiges deutsches Baurecht überziehen, weiß Fritz Nestle. Dass der höchste Kirchturm der Christenheit dennoch steht, liegt an den architektonischen Überlegungen des damaligen Münsterbaumeisters Ulrich von Ensingen.

Sichtbare Gräber finden sich hier nicht mehr

Wer hofft, beim Abstieg bei der Neithardt-Kapelle in eine Krypta zu kommen, wird enttäuscht: Zwar war der Hohlraum unter der Kapelle einst Grablege der Patrizierfamilie Neithardt, sichtbare Gräber aber finden sich hier nicht mehr. Während des Zweiten Weltkrieges wurden in diesem Raum die wertvollen mittelalterlichen Glasfenster gelagert, und von hier aus geht der lange Gang, den Münsterführer Heinz Straub mit Taschenlampenlicht begehbar macht, unter dem Mittelschiff nach Westen.

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Ständig zweigen kriechbare Seitengänge ab, bis die Gruppe der Neugierigen unter dem Turm die Granitbögen des Turmfundaments mit ihren 28 Meter langen Stahlankern erreicht. Wie in einer Schale liegen die Granitbögen, damit der Winddruck auf den Turm in die Fundamente geleitet wird. Nebenbei erklärt Heinz Straub den Besuchern auch die Elektrik des Münsters und die seit Beginn der Heiztechnik im Münster hier installierte Heizung.

Für Klaustrophobiker empfiehlt sich die Führung nicht, spannend aber ist der jetzt mögliche Blick in die Unterwelt des Münsters aber für alle jene, die Spinnweb und Staub nicht scheuen. Für die kleine Lea, die mit ihren Eltern an der ersten Turmfundament-Führung teilnahm, blieb eine Information besonders haften, die sie noch am Ausgang beschäftigt: "Dass die damals im Mittelalter in den Mörtel Kuhmist mischten", wundert sie sich. (köd)

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