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Kultur in der Schranne

01.10.2013

Hirnlos währt am längsten

Reiner Muffler (links), Lisa Greiner und Suso Engelhardt machten singend und spielend in der Schranne Dampf.
Bild: Angela Häusler

Das Trio Volksdampf zeigt zum Abschluss der Spielzeit durchdachtes Musikkabarett

Weißenhorn Blödiane, Klimawandel, Kapitalismus und die Frage, wie viel Weltverbesserung ein Kabarettpublikum überhaupt ertragen kann, beschäftigen das Trio Volksdampf in seinem Programm „Birn out!? Ist ein Leben ohne Hirn möglich?“. Der Abend mit den Gewinnern des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg 2012 setzte zum Abschluss der aktuellen Spielzeit in der Weißenhorner Schranne einen gewitzten Akzent.

„Oberschwäbische Wertarbeit“ in Sachen Unterhaltung

Als „oberschwäbische Wertarbeit“ betitelt das Trio selbst sein temporeiches Programm und zeichnet gleich zu Beginn das Bild der Kabarett- und Comedyszene im Spannungsfeld zwischen billigen Flachwitzen und seufzender Gardinenpredigt. Gut, dass sich Lisa Greiner, Suso Engelhardt und Reiner Muffler nicht für eines dieser Extreme entscheiden, die sie so humorig auf die Schippe nehmen und damit eben doch im Programm haben. Aber nicht lange – schließlich gibt es noch massenweise andere Themen, derer sich diese drei Multitalente treffsicher annehmen, von Angela Merkels Siegeszug über Fukushima bis hin zum Sohn, der dem Vater das Bier wegsäuft, von den Bildungschancen der Achmets und Maximilians bis zum abgeschobenen Opa, für den künftig die Polin Slowenka sorgt, weil sie ja für 2,50 Euro pro Stunde fast alles mitmacht.

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Klar, dass die drei Schwaben auch Spartipps auf Lager haben, zum Beispiel, statt Waldkindergärten auch Waldaltersheime einzurichten und fürs Wasser im Hallenbad reichen doch auch 16 Grad. „Schalt das Hirn aus und spar Energie“, lautet noch so ein Ratschlag des Trios, „No brain, no pain“, singen sie, als Depp lebt es sich sowieso viel leichter, für den Erfolg genügen Ignoranz und Selbstbewusstsein. Wenn alle Stricke reißen, gilt: „Lachat, wenn’s net zom Heila roicht.“

Mit Leidenschaft pflegen die drei die schwäbische Mundart, ebenso passioniert musizieren sie auf Banjo, Gitarre, Geige oder der mit Schlagwerk reich bestückten Mülltonne, deren Tröten, Trommeln und Hupen Suso Engelhardt mit angestrengter Miene koordiniert. Wenn sich Lisa Greiner als Millionärsgattin die Stola überwirft, ist klar: „Der Neid bringt ihne gar nix“ und die glücklichsten Leute auf der Welt sind sowieso die Armen.

Ja, der Mensch kann ohne Hirn leben, für diese Erkenntnis haben sie reichlich Beispiele gesammelt, und gegen diese Wahrheit bleibt auch Reiner Mufflers erhobener Zeigefinger, trotz Nadelstreifenanzug samt „Protestliedern mit appellativem Charakter“, am Ende eben machtlos. Die rund 90 Zuschauer in der Schranne amüsierten sich prächtig – auch wenn in manchen Späßen viel Ernst steckte.

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