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Neu-Ulm

29.11.2019

Hitzige Diskussion über Festival "Kultur auf der Straße"

Bei diesem Auftritt bei „Kultur auf der Straße“ in Neu-Ulm ging es heiß her. Ebenso hitzig war die Diskussion um das finanzielle Budget für das Straßenkulturfestival bei den Haushaltsberatungen.
Bild: Alexander Kaya (Archivbild)

Trotz bereits gekürztem Budget wollen manche Ausschussmitglieder weitere Einsparungen. Das trifft am Ende Veranstaltungen wie „Kultur auf der Straße“.

Neu-Ulm In 17 Jahren habe es zwei Haushalte der Stadt Neu-Ulm gegeben, „die hart warten“ – und der für das kommende Jahr sei einer davon, eröffnete Oberbürgermeister Gerold Noerenberg die Haushaltsberatung im Ausschuss für Bildung, Familie und Kultur am Mittwochabend. „Ich darf Ihnen versichern, dass wir in der Verwaltung keine Spielräume gesehen haben – wenn man nicht auf bestimmte Dinge verzichten will“, betonte der Rathauschef. Das hielt die Ausschussmitglieder jedoch nicht davon ab, munter über mögliches Einsparpotenzial im Entwurf zu diskutieren – und das trifft die städtischen Kulturveranstaltungen.

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Gleich zu Beginn wollte Christina Richtmann (FWG) wissen, ob wirklich 25.000 Euro für Veranstaltungen des Fachbereichs nötig seien, wenn man noch gar nicht wisse, was geplant ist. Sie beantragte, den Betrag auf 10.000 Euro zu senken. Fachbereichsleiter Ralph Seiffert erklärte allerdings, dass sich dahinter eine Veranstaltungsreihe zu 75 Jahre Bombardierung verberge. „Wenn wir kürzen, wird dieses Thema nicht die Würdigung erfahren, die es braucht.“ Das sah auch der Großteil des Ausschusses so: Der Antrag wurde mit vier Gegenstimmen abgelehnt.

Qualität der Veranstaltung "Kultur auf der Straße" ist bei Kürzung in Gefahr

Hitzig wurde die Diskussion, als Rudolf Erne (SPD) sich dem Thema Förderungen für Brauchtumspflege und Sportvereine widmete: In der Sitzungsvorlage hatte die Verwaltung erläutert, dass hier eigentlich mehr Geld hätte fließen sollen: 6000 Euro hätten es zusätzlich zu den bereits geplanten Zuschüssen in Höhe von 6000 Euro seien sollen, um damit Veranstaltungen wie Funkenfeuer oder Maifeiern zu unterstützen. Wegen notwendiger Einsparungen müsste man diese Erhöhung aber aussetzen, hieß es in der Vorlage. Gerechterweise müsste dann auch bei den Sportvereinen die geplante Erhöhung der Übungsleiterzuschüsse in Höhe von 2000 Euro erst einmal warten.

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Das gefiel Erne jedoch gar nicht – er wollte lieber bei den Ausgaben für die Veranstaltung „Kultur auf der Straße“ sparen. Diese soll im kommenden Jahr erneut zwei Tage lang stattfinden. Erne befand: „Lieber haben wir nur einen Tag ,Kultur auf der Straße’, das haben wir ja vor dem Jubiläum auch so gemacht.“ Neu-Ulm habe schließlich auch ohne dieses Festival existiert. Dieser Argumentation widersprach Antje Esser (Pro Neu-Ulm) vehement: Durch die zweitägige Dauer habe die Veranstaltung eine „völlig neue Qualität gewonnen“. Sie appellierte an ihre Kollegen im Ausschuss: „Begrabt nicht ein Projekt, das gerade angefangen hat, gut zu sein.“

Mareike Kuch, die sich um das Kulturprogramm der Stadt kümmert, machte deutlich, dass sich die Qualität mit nur einem Veranstaltungstag nicht aufrecht erhalten lasse: „Das wäre ein absoluter Rückschritt, weil sie auch dann die Künstler nicht mehr bekommen.“ Zumal das Geld für die städtischen Kulturveranstaltungen ohnehin knapp bemessen ist: Eigentlich hätte man insgesamt 200.000 Euro gebraucht, der Ansatz sei jedoch schon auf 160.000 gekürzt worden. Bereits deshalb sei fraglich, ob es das Format „Literatur unter Bäumen“ in der jetzigen Form noch geben könne, bei den Sonntagskonzerten und dem Kindertheater im Glacis müssten ohnehin schon Abstriche gemacht werden, so Kuch. Und auch die geplanten 90.000 Euro für das zweitägige „Kultur auf der Straße“ seien ohne Sponsorengelder schon zu wenig. Fachbereichsleiter Seiffert machte deutlich: „Wenn Sie das weiter kürzen, können wir das zwei Tage nicht machen. Und dann sage ich Ihnen ganz ehrlich: Dann streichen wir es lieber ganz.“ Der Anfrage von Julia Lidl-Böck (CSU), „Kultur auf der Straße“ nur alle zwei Jahre stattfinden zu lassen, erteilte er ebenfalls eine Absage. „Dann fangen Sie jedes Mal wieder bei Null an.“

6000 Euro mehr für Brauchtumspflege in Neu-Ulm

Beim Thema Übungsleiterzuschüsse löste sich das Dilemma dann unerwartet auf: Die zusätzlichen 2000 Euro waren doch bereits im Haushalt angesetzt, der Betrag beläuft sich somit auf insgesamt 38.000 Euro. Bei der Brauchtumspflege beantragte Richtmann, die Erhöhung nicht auszusetzen und somit insgesamt 12.000 Euro einzuplanen. Die nötigen 6000 Euro sollten aus dem Topf für die städtischen Kulturveranstaltungen abgezwackt werden. Denn auf der einen Seite stehe eine zweitägige Veranstaltung, auf der anderen die Vereine, „die 356 Tage im Jahr ihrer Arbeit nachgehen“. Am Ende stimmte der Ausschuss mit 10:6 für ihren Antrag.

Erne hatte kurz darauf den nächsten Einsparungsvorschlag – und zwar bei den 15.000 Euro, die für das Jubiläum des Hallenbads 2020 für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit eingeplant sind. Der entsprechende Antrag von Richtmann fand dieses Mal aber keine Mehrheit.

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