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Holzheim

01.07.2020

Holzheim und Neuhausen: Vor 50 Jahren wuchs zusammen, was schon davor zusammengehörte

Seit 50 Jahren ist Neuhausen jetzt ein Ortsteil von Holzheim. Urkundlich erstmals erwähnt worden ist der einst eigenständige Ort im Jahr 982 – nur vier Jahre nach dem Kernort.ur
Bild: Willi Baur

Plus Am 1. Juli 1970 wurde Neuhausen zum Ortsteil von Holzheim – freiwillig und lange vor der Gebietsreform. Nur in einem Punkt war es damals knifflig.

Im Alltag miteinander, kommunalpolitisch nebeneinander – heute vor 50 Jahren war es damit vorbei: Am 1. Juli 1970 wurde das bis dahin selbstständige Neuhausen zum Ortsteil der Gemeinde Holzheim. Freiwillig übrigens und zeitlich weit vor der bayerischen Gebietsreform von 1978, die seinerzeit bekanntlich deutlich größere Gemeinden von der Landkarte gefegt hat als den damaligen 300-Seelen-Flecken unterhalb des sogenannten Römerturms.

Der Römerturm gilt als inoffizielles Wahrzeichen Neuhausens.
Bild: Baur

Nur die kommunale Verwaltung ist getrennt

Seither ist hier noch mehr zusammengewachsen, was im Grunde schon immer zusammengehört hat: Kirche, Friedhof, Schule, Vereine und nicht zuletzt eine Vielzahl familiärer Verbindungen standen seit jeher für die Einheit der beiden Dörfer. Nur in Sachen kommunaler Selbstverwaltung eben ging man getrennter Wege.

Bis schließlich der Weitblick lokal Verantwortlicher siegte. Nicht nur, weil der Zusammenschluss Holzheims Chancen auf den Erhalt der Eigenständigkeit maßgeblich gesteigert hat. Auch Bares aus München lockte, als bei einer Bürgerversammlung im November 1969 die Neuhausener mit großer Mehrheit für die Eingemeindung votierten.

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Von einem „warmen Geldregen“ sprach Holzheims damaliger Bürgermeister Georg Heß. So viel jedenfalls, dass die Altschulden beider Ortsteile hinfällig waren. Gleichwohl verstand man hier wie dort den Vorgang zumindest mehrheitlich nicht als Zweckheirat. Klar prägten früher mehr als heute ab und an Spott und Frotzeleien den gegenseitigen Umgang, aber gemeinhin galt: Man kannte, schätzte und mochte sich stets auch über die trennende Leibi hinweg.

Die Wasserversorgung war eine Hürde bei der Eingemeindung

Lange im Wege stand dem Zusammenschluss seitens des Juniorpartners ein Faktor: „Hauptthema war damals die Wasserversorgung“, erinnert sich der Neuhausener Johann Zeller, 1972 mit zwei weiteren Kollegen aus dem Ortsteil erstmals in den Holzheimer Gemeinderat gewählt. „Und mit Abstand als jüngster“, wie er noch weiß.

In der Tat war das rund 100 Jahre alte, einst bürgerschaftlich gebaute, aus eigenen Quellen im Wald gespeiste und für die Abnehmer praktisch kostenlose Neuhausener Leitungsnetz bei der Eingemeindung tabu. Erst 2015 ließ die verschlechterte Wasserqualität einen weiteren Erhalt nicht mehr zu. Damit ist jetzt die komplette Infrastruktur auf einem einheitlichen Niveau.

Gewachsen sind auch die personellen Verflechtungen im Rathaus. Mit dem im März zum Bürgermeister gewählten Thomas Hartmann stellt Neuhausen hier schon zum zweiten Mal den Chef nach Helmut Mebus (1990 bis 1998). Auch sein Stellvertreter Michael Kling stammt aus dem Ortsteil.

Eine richtige Kluft zwischen den Ortsteilen gab es nie

Im Jahr 982 wurde Neuhausen erstmals urkundlich erwähnt – und damit nur vier Jahre später als das Kerndorf Holzheim. Hartmann, 51, kennt wie sein zehn Jahre jüngerer Kollege die Vorgeschichte der Eingemeindung naturgemäß nur vom Hörensagen. Dessen ungeachtet sind beide mit den Eigenheiten ihres direkten Umfeldes bestens vertraut. „Man ist durchaus stolz darauf, Neuhauser zu sein“, sagt der Bürgermeister, weiß auch um „gelegentliche Nadelstiche“ insbesondere in geselligen Runden. „Aber stets mit Augenzwinkern und nie wirklich ernst gemeint“, ist der Hobby-Musiker überzeugt. „Eine echte Kluft zwischen den Ortsteilen habe ich nie gespürt.“

Einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn dagegen schon, unter anderem praktiziert beim traditionellen Dorffest. Was auch das Neuhausener Urgestein Xaver Stadler vorbehaltlos bestätigt. „Gerade die Vereine sind seit jeher ein ganz wichtiges Bindeglied zwischen den Ortsteilen“, unterstreicht der in mehreren Organisationen verantwortlich Tätige. Das gelte für die ursprünglich in Holzheim beheimateten Vereine ebenso wie für jene mit Neuhausener Wurzeln.

Bis heute erhalten geblieben ist Neuhausen die eigene Feuerwehr. Ihr Domizil teilt sie sich mit dem Radfahrverein.
Bild: Baur

Eng und freundschaftlich kooperieren inzwischen selbst die Einrichtungen, die auf beiden Seiten bis heute formal getrennt verblieben sind: die Freiwilligen Feuerwehren. „Sie ist für uns nach wie vor sehr wichtig“, betont Neuhausens Kommandant und Bürgermeister-Stellvertreter Michael Kling. Dabei gehe es nicht nur um Brandschutz-Präsenz vor Ort, sondern auch um ihren Beitrag für die Dorfgemeinschaft. Schließlich übernehme die zwei Dutzend Mitglieder starke Gruppe weiterhin noch andere ehrenamtliche Aufgaben, nebenbei das Aufstellen des Maibaumes etwa.

Was in Holzheim sonst noch so passiert:
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