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Geschichte Szenische Lesung am Freitag erinnert an die Widerstandskämpfer der Weißen Rose und ihre Unterstützer

18.04.2013

Humboldt-Gymnasium ehrt seine mutigen Schüler

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Suse Hirzel †

Ulm Warum Schüler, auf die das Humboldt-Gymnasium stolz sein könnte, nicht auf der Homepage der Schule auftauchen, das kann sich Schulleiter Klaus-Michael Zinnecker nicht erklären. „Dem Volksgerichtshof fällt auf, daß aus einer Schulklasse drei Schüler (auch Heinrich Guter) in dieser Sache erscheinen und noch weitere erwähnt wurden! Da muss etwas nicht stimmen, was am Geiste dieser Klasse liegt“, steht im Urteil des Volksgerichtshofes im zweiten Prozess gegen die Widerstandsorganisation Weiße Rose vom 19. April 1943. „Man schämt sich, daß es eine solche Klasse eines deutschen humanistischen Gymnasiums gibt!“

Hans Hirzel, Franz Joseph Müller, Heinrich Guter, Heinz Brenner, Hirzels Schwester Suse, Walter Hetzel und andere unterstützen – in zwei unterschiedlich motivierten und agierenden Gruppierungen innerhalb einer Klasse – den studentischen Widerstandskreis der Weißen Rose und gefährdeten dabei ihr Leben.

Der Förderverein der Freunde des Humboldt-Gymnasiums veranstaltet jetzt zum 70. Jahrestag jenes zweiten Weiße-Rose-Prozesses am 19. April einen Abend mit Schülern und Schauspielerin der Akademie für darstellende Kunst (AdK). In dessen Verlauf gibt es eine szenische Lesung – vier Schüler der Abiturientengruppe vor dem Volksgerichtshof. Zudem wird es um die Frage gehen wird, welche Rolle die Schüler im Widerstand spielten.

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Ob Verwandte der damaligen mutigen Abiturienten teilnehmen werden, ist noch nicht ganz geklärt. Von den widerständigen Schülern leben 70 Jahre später nur noch Heinrich Guter, Walter Hetzel und Franz Joseph Müller. Eine weitere Folge des Erinnerns aber: Auf der neuen Homepage des Humboldt-Gymnasiums, die bald fertiggestellt sein wird, findet die Erinnerung an den Widerstand der Abiturienten ihren Platz.

Ob nun hart am Nationalsozialismus ausgerichtete Lehrer wie der damalige Schulleiter Max Hoffmann gerade durch die Verinnerlichung des Nationalsozialismus die Entwicklung von widerständigem Denken unter den Schülern begünstigten, oder ob im Gegenteil jene Lehrer, die sich gegen den politischen Mainsteam zu wenden wagten, die Auseinandersetzung der jungen Menschen mit dem Unrechtsregime und den Mut zum Neinsagen bewirkten, ist rückschauend nicht mehr aufzuklären.

Besonderes Klima unter den Abiturienten

Ein besonderes Klima muss es dennoch gewesen sein, das den Abiturienten den Mut gab, Briefmarken und Umschläge für den Widerstand zu sammeln, Flugblätter zu verteilen und – wie Heinz Brenner – die eigenen religiösen Einsichten aktiv umzusetzen.

Brenner schrieb die Galen-Predigten gegen unmenschliche Praktiken des NS-Staates und gegen die Ermordung Behinderter auf Vervielfältigungsmatritzen, wobei er umsichtig und konspirativ vorgehen musste, weil sein Vater Parteimitglied war. Die Pfarrerskinder Suse und Hans Hirzel hatten Zugang zur Orgelempore der Martin-Luther-Kirche, wo hinter dem Orgelprospekt die Flugblätter versteckt und versandfertig gemacht wurden. Hans Hirzel wurde kurz vor der Verhaftung der Geschwister Scholl denunziert. Ob seine Warnung via vereinbartem Code die Münchner Studenten noch erreichte oder nicht, dazu gibt es verschiedene Thesen. Falls ja, könnte eine Erklärung für Sophie Scholls Stoßen der Flugblätter in den Lichthof die Notwendigkeit gewesen sein, die Flugblätter loszuwerden.

Lange sei das mutige Handeln der Humboldt-Abiturienten an der Schule nicht gewürdigt worden, sagt Leiter Klaus-Michael Zinnecker. Der Förderverein entreißt die Zivilcourage jener Schüler nun dem Vergessen.

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