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Ulm

23.06.2020

Hunde beim Zoll: Mit Biss und dem richtigen Näschen

Hundeführer Dieter Lohr (rechts) und Schutzhund Gero zeigen, worauf sich renitente Bauarbeiter bei einer Zollkontrolle im Zweifel gefasst machen müssen.
Bild: Thomas Heckmann

Plus Schutz- und Spürhunde unterstützen Zöllner bei ihren Einsätzen, gerade werden vier neue Tiere ausgebildet. Beim Zoll in Ulm zeigen Mitarbeiter, was die Hunde lernen.

Fast schon als Tradition kann man es beim Ulmer Hauptzollamt bezeichnen, zur Vorstellung der Jahresstatistik nicht nur Zahlenwerk zu verlesen, sondern Ausschnitte aus dem Alltag der mehr als 800 Zöllner zu zeigen. Da gerade vier neue Diensthunde ausgebildet werden, standen sie im Mittelpunkt.

Dieter Lohr ist seit 36 Jahren Hundetrainer und auch selbst Diensthundeführer beim Ulmer Zoll. Dessen Dienstbereich reicht von der Ostalb bis zum Bodensee und manchmal muss man auch bei den Nachbarn aushelfen: Während der Vorführungen bekam Lohr einen Notizzettel mit einem Auftrag: Ein Diensthund samt Hundeführerin soll den Kollegen in Freiburg bei einer Durchsuchung helfen.

Ulmer Zoll: Neue Schutzhunde und Spürhunde werden ausgebildet

„Der Erfolg bei der Schmuggelbekämpfung würde uns sonst nicht gelingen“ lobt Lohr seine vierbeinigen Kollegen. Nachdem zwei Hunde altershalber ausscheiden, gehen dieses Jahr gleich vier Hunde in Ausbildung. Dabei werden ein bis zwei Jahre alte Tiere gekauft und mehrere Monate lang ausgebildet. Das Wesen des Hundes spielt bei der Auswahl eine wichtige Rolle, nach ersten Tests folgt eine vierwöchige Probezeit und auch der Tierarzt begutachtet den Hund auf seine Tauglichkeit für den Zolldienst.

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Spürhund Ate (mit Zöllnerin Yvonne Paulus) zeigt seinen Bargeldfund.
Bild: Thomas Heckmann

Die Tiere werden zum Schutz- und Spürhund ausgebildet. Als Schutzhund sichern sie die Arbeit der Zöllner ab und verhindern zum Beispiel bei einer Baustellenkontrolle, dass nicht angemeldete Arbeiter über den Zaun fliehen oder die Zöllner angreifen. Hundetrainer Lohr führt das mit seinem deutschen Schäferhund Gero auch praktisch vor. Ein Kollege in Schutzausrüstung spielt eine Person, bei einer Kontrolle so aufsässig ist, dass sie zur Gefahr für wird. Nach zwei erfolglosen Warnungen wird Gero losgelassen und schnappt, wie antrainiert, den Gegner am Unterarm. Trotz Leder- und Kevlarschutz übt der Hund mit seinem Gebiss so viel Druck aus, dass blaue Flecke entstehen. Der Gegner wird überwältigt und die Zöllner können arbeiten.

Zoll in Ulm mit etlichen Funden bei Kontrollen

Bei Ulmer Zoll geht es auch um Zahlen. Leiter Rainer Bühler berichtet über Steuereinnahmen von knapp 2,4 Milliarden Euro. Dabei entfallen alleine eine Milliarde Euro auf die Einfuhrumsatzsteuer und knapp 900 Millionen Euro auf die Kraftfahrzeugsteuer.

Bei ihren Kontrollen fanden die Zöllner, auch durch Röntgengeräte und die Spürnasen der Hunde, knapp 20 Kilo Rauschgift, fast 250.000 Schmuggelzigaretten, 43 illegale Waffen und Waffenteile, rund 4500 gefälschte Markenartikel und mehr als 50.000 illegale Arzneimittel. Zudem wurden 3200 technisch unsichere Geräte entdeckt, die meisten in Postsendungen aus Asien, den USA und der Türkei.

Die Diensthunde schützen auch die Überprüfungen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Fast 2500 hat der Zoll eingeleitet, sie führten zu knapp 2,5 Millionen Euro Bußgeldern und 34 Jahren. Der aufgedeckte Sozialversicherungsschaden von fast elf Millionen Euro wird durch die Sozialkassen eingetrieben. Der Prüfungsdienst des Zoll hat 260 Betriebsprüfungen durchgeführt, bei denen es um Zoll und Verbrauchssteuern geht. Dabei werden aber nicht nur 5,17 Millionen Euro nacherhoben, sondern es kam auch zu Erstattungen von zu viel gezahlten Steuern von 468.000 Euro.

Hauptzollamt Ulm: So lief die Kontrolle im Schlachthof

Während der Pressekonferenz waren die Prüfer am Bodensee in drei Obstbaubetrieben unterwegs, um steuerlich zu prüfen und Arbeits- und Hygienebedingungen in den Blick zu nehmen. Auf Nachfrage nannte Pressesprecher Hagen Kohlmann auch Details zur Kontrolle im Ulmer Schlachthof. Rund 80 Beschäftigte wurden zu ihrem Arbeitsverhältnis befragt und es wird dabei zum Beispiel überprüft, ob der Mindestlohn eingehalten wird. Dabei sind die Schlachter nicht direkt beim Schlachthof angestellt, sondern werden über Werkverträge bezahlt. Die Zöllner überprüfen in den kommenden Monaten Lohnzettel und Stundenabrechnungen. Dabei muss zum Beispiel rechtlich geklärt werden, ob die Zeit für das Schärfen eines Messers bei einem selbstständigen Schlachter Arbeitszeit ist oder nicht. In Summe sind 80 bis 90 Prozent der Zollarbeit Schreibtischarbeit.

Wer mehr draußen unterwegs sein will, kann sich um die Tätigkeit als Diensthundeführer bewerben. Auf die nun sechs Diensthundeführer warten im Jahr bis zu 800 Echteinsätze. Auch die jährliche Leistungsüberprüfung muss bestanden werden. Der Zigaretten- und Bargeldspürhund Ate zeigt im Hof des Zollamtes seine Leistungsfähigkeit. Aus einer ganze Reihe Koffer findet er den heraus, in dem eine Stange Zigaretten versteckt ist. Die Freude über die Handvoll Leckerli als Belohnung ist ihm anzumerken. In einer weiteren Runde zeigt Ate gemeinsam mit seiner Hundeführerin Yvonne Paulus, wie fein seine Nase ist: Binnen weniger Augenblicke entdeckt er das Bündel Bargeld im Seitenfach eines Kofferraumes. Der Hund genießt sichtlich den vertrauten Geruch, erst mit Streicheleinheiten und weiteren Leckerlis lässt er sich überzeugen, die Scheine wieder herzugeben.

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