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Ulm

07.01.2019

Illegales Rennen: Bewährungsstrafe für junge Raser

Zwei junge Raser müssen vorübergehend ihre Führerscheine abgeben. Weil einer von ihnen gleich zweimal Unfälle verursachte, wird er strenger bestraft. Doch der Richter bleibt unter der Forderung der Staatsanwältin.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Die zwei Männer lieferten sich auf der Ulmer Frauenstraße ein Rennen. Der Richter lässt das Auto der Mutter eines Angeklagten beschlagnahmen.

Die beiden Angeklagten im Prozess um ein verbotenes Autorennen am 9. März 2018 in der Ulmer Frauenstraße sind mit einem blauen Auge davon gekommen. Richter Peter Graumann war zwar überzeugt davon, dass die zur Tatzeit 18 und 19 Jahre alten Männer ein Rennen bestritten haben. Doch er fällte ein für die Angeklagten mildes Urteil. Die beiden Verteidiger hatten im Prozess die Ansicht vertreten, ihren Mandanten könne kein Rennen nachgewiesen werden.

Lesen Sie hier: Mit 100 Sachen durch die Ulmer Innenstadt?

Der eine Angeklagte steht jetzt zwei Jahre lang unter Beobachtung auf Bewährung und ist für ein Jahr seinen Führerschein los. Er hat wohl den anderen durch sein riskantes Fahren mit stark überhöhter Geschwindigkeit provoziert. Erlaubt sind 30 Stundenkilometer, laut Richter Graumann waren beide Fahrer gemäß den Ermittlungen und Zeugenaussagen mit mindestens 70 Sachen unterwegs.

Illegales Rennen: Raser müssen Führerscheine abgeben

Der zweite Angeklagte wurde härter bestraft: mit einem Jahr und sechs Monaten Haft, die für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt sind, dem Führerscheinverlust für 24 Monate, dem Ableisten von 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit und der Beschlagnahme des Tatfahrzeugs, das seiner Mutter gehört.

Bei beiden wandte Richter Graumann das Jugendstrafrecht an – im Gegensatz zur Forderung der Staatsanwältin, nach dem allgemeinen Strafrecht zu urteilen.

Ein Angeklagter verursachte in Neu-Ulm einen weiteren Raser-Unfall

Graumann erläuterte den Grund für das härtere Urteil gegen den zweiten Angeklagten: Dieser war nicht nur an dem Autorennen in der Frauenstraße beteiligt, bei dem die Nobel-Fahrzeuge der Angeklagten schließlich miteinander kollidierten, sondern auch an einem Unfall in Neu-Ulm (Augsburger Straße/ Ecke Maximilianstraße) eine Woche später. Dort war er laut Gutachter mit einer erhöhten Geschwindigkeit von 68 Stundenkilometern (erlaubt sind 50) mit einem abbiegenden Auto zusammen gestoßen und hatte eine Ampel umgefahren. Herumfliegende Teile der Ampelanlage hatten, so erläuterte Graumann, weitere Fahrzeuge beschädigt. Insgesamt ist bei diesem Vorfall ein Schaden von 41150 Euro entstanden.

Immerhin war Graumann überzeugt, dass bei der erlaubten Höchstgeschwindigkeit der Zusammenprall mit dem anderen Auto nicht, das anschließende Rammen der Ampel sehr wohl zu verhindern gewesen wäre. Zudem hat der zweite Angeklagte, das war für den Richter aufgrund der Zeugenaussagen, darunter einige von Polizeibeamten, ganz klar, zunächst falsche Verdächtigungen ausgesprochen, sich zweimal beim Fahren ohne Führerschein erwischen lassen, dabei die Beamten der Polizei belogen, schon zuvor Autorennen bestritten und auch einen Voreintrag gehabt. „Er hat Respektlosigkeit gegenüber der Ordnung gezeigt“, sagte der Richter.

Prozess am Amtsgericht Ulm: Angeklagter zeigt sich einsichtig

Hätte sich der junge Mann nicht letztlich einsichtig gezeigt und der Polizei gestellt, hätte es eine höhere Strafe gegeben. Beide Täter zeigten sich einsichtig und bereuten ihr „dummes Verhalten“, wie es der sonst gut aufgelegte zweite Angeklagte nannte. Peter Graumann berücksichtigte in seinem Urteil, dass beide Täter heranwachsend und erzieherisch noch erreichbar seien sowie dass es aufgrund der familiären und beruflichen Verhältnisse für sie eine günstige Sozialprognose gebe. Damit schloss er sich der Einschätzung der Jugendgerichtshilfe an. Der Richter stellte auch in Aussicht, dass die beiden jungen Männer bei einer positiven Bewertung eines Gutachters ihre Fahrerlaubnis auch schon früher zurückerhalten könnten als geurteilt. Das Einbehalten des vom zweiten Angeklagten gefahrenen Fahrzeugs ordnete Graumann an, weil die Mutter des Täters gewusst habe, dass ihr Sohn mit ihrem Auto ohne Führerschein unterwegs ist: „Sie hat nicht verantwortungsvoll gehandelt.“

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