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Tournee

15.10.2012

Im Rhythmus der Erinnerungen

Das Tanztheater Kambras brachte im Alten Theater Ulm die Leidenschaft des Tangos auf die Bühne. Mit viel Temperament und ohne Berührungsängste bewegten sich die Tänzer zur argentinischen Musik.
Bild: Anika Taiber

Das Tanztheater Kambras bringt die Leidenschaft des Tangos auf die Bühne

Ulm Der Mann mit dem Hut steht einsam auf der Bühne im Alten Theater in Ulm. Ein kleines Stückchen Erde, das er beansprucht. Vorsichtig setzt er den Fuß zur Seite, zuckt, formt mit den Armen wie ein Roboter in ruckhaften Bewegungen Rechtecke. Sein Blick ist gesenkt, in seiner Haltung spiegelt sich sein Unwohlsein wider – in der Situation, in seiner Handlung. Die Frau im weißen Kleid sieht ihn verwundert an. Wartet ab. Geht dann zum Mikrofon: „Was machst du da?“ „Ich tanze.“ „Hier tanzen wir nicht so.“

Hier, das ist Argentinien, die Heimat des Tangotanzes. Das sechsköpfige Tangotanztheater Kambras aus Buenos Aires bringt den leidenschaftlichen Tanz nach Deutschland – und verknüpft ihn bei seiner Tournee „Cram“ auf ungewöhnliche Weise mit Inhalten. Es geht um die Vergangenheit, Heimat, Sehnsucht und Dazugehörigkeit. Vor allem aber geht es um die Liebe, die sich in ausdrucksstarken Tänzen genauso zeigt wie im schlichten Monolog des erkennbar nicht-argentinischen Mannes mit Hut.

Ihr weißes Kleid schmiegt sich an den Körper

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Wenn Solange Chapperson und Rodrigo Fonti den Tango zelebrieren, flutet Leidenschaft und Verführung den Raum. Ihr weißes Kleid schmiegt sich an den Körper wie die beiden aneinander, kaum setzt einer ihrer Füße auf dem Boden auf, hebt der Tänzer sie schon wieder zur nächsten Figur in die Höhe. Mit viel Temperament und ohne Berührungsängste bewegt sich das Paar zu klassischer Tangomusik mit modernen Elementen. „Cram“ mischt Sprachen, Klänge und Szenen. Ein Mann zerreißt ein Papier, schüttet Wasser von einem Glas ins andere – diese Geräusche tauchen im weiteren Verlauf des Stücks wieder auf, integriert in die Musik. Das Ensemble singt, spielt Akkordeon, Keyboard, Gitarre und Bass, und es tanzt. An einigen Stellen wartet der Zuschauer auf mehr Bewegung, darauf, dass die Handlung mitreißt.

Aber „Cram“ bleibt bruchstückhaft, eine Reise in die Erinnerungen – wie konnte alles nur so weit kommen? Verlorene Liebe, Enttäuschung, Zurückweisung. Krambas spiegelt die Gefühle in Bewegungen wieder. Wenn ein Tänzer sichtlich betrunken über eine eben mit Kreppband gezogene Linie schwankt, zeigt sich auch ein Augenzwinkern in den Erlebnissen der Spielenden. Auch wenn dem Stück in den Szenenübergängen ab und zu der Schwung fehlt, der Tango wird mit großem Können und mit viel Leidenschaft gezeigt. Ihm hätte noch mehr Platz zur Entfaltung gut getan. Das Publikum – darunter sind viele Tangoliebhaber – ist trotzdem begeistert und jubelt den Gästen aus Argentinien zu. Loslegen kann es danach selbst – bei der sogenannten Milonga, einer Tango-Veranstaltung.

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