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Weißenhorn

21.08.2015

Im fahrenden Taxi fliegen die Fäuste

Es muss eine ohrenbetäubende Taxifahrt durch Weißenhorn gewesen sein, damals in einer Nacht zum Sonntag Ende Mai. Zwei angetrunkene Passagiere hatten sich bei einem Gespräch über den Vater des einen mächtig in die Haare bekommen – es gab Schreie, Beleidigungen, und schließlich kochten die Emotionen vollends über.
Bild: Ralf Lienert (Symbol)

Passagiere gerieten in Weißenhorn aneinander – einer blieb verletzt zurück. Der Angreifer musste sich vor Gericht verantworten

Es muss eine ohrenbetäubende Taxifahrt durch Weißenhorn gewesen sein, damals in einer Nacht zum Sonntag Ende Mai. Zwei angetrunkene Passagiere hatten sich bei einem Gespräch über den Vater des einen mächtig in die Haare bekommen – es gab Schreie, Beleidigungen, und schließlich kochten die Emotionen vollends über: Ein junger Mann auf der Rückbank fasste einem 49-jährigen Mann auf dem Beifahrersitz ins Gesicht. Weil jener dabei verletzt worden sein soll, musste sich der 24-jährige Angreifer gestern wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Neu-Ulmer Amtsgericht verantworten.

Was sich während der Fahrt von Vöhringen in die Fuggerstadt genau abspielte, konnte Richterin Antje Weingart nicht eindeutig herausfinden – zu unterschiedlich fielen die Aussagen der Kontrahenten aus.

Der Angeklagte schilderte, wie das Gespräch in dem Auto auf seinen Vater gekommen sei. Nach jenem habe der andere Fahrgast gefragt – wohl um herauszufinden, ob er diesen kenne. Schließlich habe der Beifahrer gemutmaßt, dem Vater sei „doch mal“ der Führerschein entzogen worden. Das kränkte den 24-Jährigen offenbar in doppelter Hinsicht – einmal, weil die Behauptung nicht zutreffe. Und zweitens, weil der Vater zum damaligen Zeitpunkt schwer krank auf der Intensivstation gelegen habe. „Da sind bei mir die Sicherungen durchgebrannt“, so der Angeklagte. Er habe den 49-Jährigen „gepackt“, wenngleich aber nicht so fest, dass dieser sich dabei hätte verletzen können.

Genau das behauptete der Beifahrer jedoch: Er sei ohne Vorwarnung minutenlang gewürgt worden, habe anschließend große Schmerzen im Nacken gehabt und sei eine Woche krankgeschrieben gewesen. „Das hat schon wehgetan“, sagte er selbstbewusst. Verletzungen konnte zumindest der Taxifahrer bei dem Geschädigten nach dem Angriff nicht erkennen. Dafür sei der Griff „mit Sicherheit nicht“ kräftig genug gewesen, sagte der 66-Jährige. Beide Passagiere hätten vor der Fahrt zugestimmt, ihre Heimwege nach Weißenhorn und Buch gemeinsam in dem Wagen anzutreten. Doch dann habe das „Drama“ seinen Lauf genommen, wohl auch deshalb, weil die Männer „erheblich alkoholisiert“ waren, sagte der Chauffeur. Er wusste von einer versöhnlichen Szene zu berichten, wonach sich die beiden Streithähne nach dem Halt des Wagens in der Nähe des Weißenhorner Krankenhauses noch umarmt hätten. In Absprache mit Staatsanwältin Erdt stellte Richterin Weingart das Verfahren ein – als Auflage muss der 24-Jährige 800Euro an die Lebenshilfe bezahlen. Damit zeigte er sich, wohl auch angesichts einiger Vorstrafen, zufrieden: „Ich kann Ihnen versichern, dass ich daraus gelernt habe“, versprach er. (caj)

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