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Literatursommer

19.06.2012

Im tollen Club der toten Dichter

Marco Kerler am Sprechbeat-Mikrofon im Ulmer Café Plus.
Bild: bh

Der Lyriker Marco Kerler und seine Seelenverwandtschaft zur Beatgeneration

Von Ein junger Lyriker misst sich mit dem Club der toten Undergrounddichter. Kann das gut gehen? Es kann. Das hat der junge Ulmer Künstler Marco Kerler bei einer ungewöhnlichen Mitternachtslesung im Café Plus bewiesen und das vornehmlich junge Publikum besonders dann in seinen Bann gezogen, wenn seine krassen Texte musikalisch wild unterlegt wurden.

Marco-Beat nennt sich diese originelle Musik-und Vortragsrichtung und einmalig ist auch, dass ein junger Mann eine Zeit seit seiner Kindheit verehrt, die weit vor ihm existierte: Kerler fasziniert die sogenannte Beatgeneration, wo sich Männer wie Allen Ginsberg, Jack Kerouac und Gregory Corso wilde Textschlachten lieferten und die bürgerlichen Maßstäbe mächtig ins Wanken brachten. Vom Alter her näher an diese Generation reichen die „Seelenverwandten“ von Marco Kerler, die sozusagen den musikalischen Underground lieferten: Reinhard Köhler am Bass, Lars Maier am Schlagzeug und Woods Szova mit einer revolutionär schrägen Gitarre, die die gelegentliche Verruchtheit der Texte musikalisch noch mehr aufpeppte.

Die Band wird weiterhin existieren, nennt sich jetzt MarcoBeatZ und wird gewiss für manche Überraschung sorgen. Zu den harten Beats intoniert der junge Lyriker seine Gedichte so akzentuiert, als würde ein zahm gewordener Klaus Kinski da vorne auf der Bühne stehen, der den Sprechbeat einst am allerbesten in Deutschland drauf hatte.

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Mit der Hand am Abzug des Kugelschreibers

Kerler fährt in seinen Texten mal dem Off Road, dem „Mond in die Fresse“ und erzählt, wie ein Jungdichter mit Hand am Abzug des Kugelschreibers schießt (Mord begehen). Er stellt ein Crash-Kid vor, in dessen Auto Musik von Johann Sebastian Bach läuft, so laut, wie es nur geht. Wilde Fantasien formt der Rezitator in seine eigenen Worte, die sich mit beinharter Rockmusik vermählen, „tätowieren wir Deutschland“, ruft er zum schrillen Gitarrensolo in den Raum und fordert auf: „Komm friss dein Land oder stirb die Misere, schwarz-rot-goldenes Kalb auf Halbmast – Ende der Fahnenstange.“

Diese musikalische Lyrikstunde im Café Plus verging wie im Fluge und man konnte, aber musste sich nicht fragen, wer wohl besser war: Die toten Dichter, deren Gedichte von Clemens Grote mit großem Ernst vorgetragen wurden oder der junge Marco Kerler, dessen Lebensmotto „The beat must go on“ mehr ist als eine Hommage an eine verlorene Zeit.

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