Newsticker

RKI meldet 11.409 neu mit Corona Infizierte

Ausstellung

21.03.2015

Immer der Nase nach

Geruch, den man sehen kann: Die Künstlerin Helga Griffiths hat ihren eigenen Schweiß chemisch analysieren lassen und auch den dabei gefundenen Molekülen eine raumfüllende Installation gemacht.
Bild: Marcus Golling

Die Villa Rot zeigt Gegenwartskunst rund um das Thema Geruch. Das duftet oft – und stinkt bisweilen

Die Macht – sie riecht verführerisch süßlich und doch nüchtern. Zusammen mit einer Parfümeurin hat der italienische Künstler Luca Vitone den Duft komponiert, der nun die Kunsthalle des Museums Villa Rot erfüllt. „Imperium“, so der Titel der Installation, die bis auf vier monochrome Papierarbeiten an den Wänden unsichtbar ist – wie so vieles in der neuen Ausstellung: „Es liegt was in der Luft“ widmet sich mit gut einem Dutzend künstlerischer Positionen dem Duft in der Kunst.

Das mit dem Duft ist in der von Museumsleiterin Stefanie Dathe und der Holländerin Caro Verbeek kuratierten Schau so eine Sache: Denn natürlich wurde die Villa in Burgrieden-Rot bei Laupheim nicht in einen angenehmen Parcours der Wohlgerüche verwandelt. Vielmehr steht neben dem Sinnlichen das Konzeptuelle im Vordergrund. In den gezeigten Arbeiten – die meisten davon Installationen – thematisieren die Verbindung von Mensch, Kultur und Geruch. Man ahnt es: Das kann bisweilen auch ein bisschen müffeln. Selbst das Machtparfüm von Luca Vitone ist irgendwann nur noch penetrant.

Tatsächlich hat die künstlerische Beschäftigung mit dem Geruch eine mittlerweile 100-jährige Geschichte, die Kuratorin Verbeek in einem Extra-Raum in Erinnerung ruft. So achteten die Surrealisten bei ihren Ausstellungen auch auf eine besondere Raumnote: etwa Zedernholz oder auch gerösteter Kaffee. Die italienischen Futuristen hätten für solche Sperenzien nichts übrig gehabt. Stattdessen sinnierte der Dichter Bruno Giordano Sazin über die „Fiori d’Italia“ („Blumen Italiens“) und entdeckte: Die Gerüche seiner Heimat waren die besten der Welt. Das gefiel auch den Faschisten, denen die Futuristen nahestanden.

Eine der Arbeiten in der Ausstellung nimmt diesen historischen Faden auf: So fragte die Amerikanerin Gayil Nails Vertreter der Weltnationen nach einem pflanzlichen Duft, der für ihr Land steht. Aus den einzelnen Düften komponierte sie dann ein Parfüm namens „World Sensorium“, das deutlich nach Jasmin riecht. Der Belgier Peter de Cupere setzt auf ganz andere Gerüche: Sein „Smoke Room“, bestückt mit tausenden Zigarettenstummeln, stinkt so penetrant nach Kippe, dass man die Tür lieber nicht zu lange offen lässt. Eine eigenwillige Erfahrung erlaubt die Installation „Famous Deaths“, ersonnen an der Hochschule im niederländischen Breda: Zu festen Zeiten können sich Besucher liegend in einen länglichen, normalerweise zur Leichenaufbewahrung dienenden Kühlschrank schieben lassen; in diesem werden sie mit den Geräuschen und Gerüchen der letzten Lebensminuten von John F. Kennedy konfrontiert.

Es sind spielerische Zugänge, die bei „Es liegt was in der Luft“ dominieren. Und natürlich ist beim Thema Duft auch das Thema Sexualität nicht weit. So wie in der dem freizügigen Liebesleben eines US-Präsidenten gewidmeten Installation „Bill“ der Kanadierin Clara Ursitti. Sie besteht nur aus einem versteckten Emitter, der permanent den Raum mit (synthetisch erzeugtem!) Sperma-Geruch vernebelt. Die aus Ehingen stammende Deutsch-Amerikanerin Helga Griffiths geht einen komplett konträren, wissenschaftlichen Weg: Sie hat ihren eigenen Körpergeruch analysieren lassen – und die sechs häufigsten Moleküle als 3D-Modelle nachgebaut, die nun in der Villa Rot wie ein begehbares Mobile in einem Raum hängen. Geruch ist Identität, das zeigt diese Arbeit. Und doch in der Gesellschaft der Dauerduscher und Deodorierer nur noch lästig.

Einen besonderen Duft gibt es auch zu kaufen

Die Ausstellung, bei der so vieles unsichtbar ist, lotet ein großes Spektrum der Gerüche aus und jongliert geschickt mit den Assoziationen, die diese auslösen können. Einen Duft gibt es sogar zum Mitnehmen: Christine Söffing, Leiterin des Musischen Zentrums an der Uni Ulm und Synästhetikerin, hat zusammen mit einer Parfümeurin ein Wiegenlied aus der Feder des Museumsstifters Herman Hoenes in ein Parfüm verwandelt. Es ist im Museum in limitierter Edition erhältlich.

Eröffnung morgen, Sonntag, um 11 Uhr. Danach läuft sie bis 2. August. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14-17 Uhr, Sonn- und Feiertag 11-17 Uhr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren