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Vöhringen/Landkreis

17.06.2019

Impfpflicht für die Kita? Diese Regeln gelten in der Region

Unser Foto zeigt eine Spritze und den Masern-Impfstoff, die in einer Kinderarztpraxis bereitliegen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Plus Eine verpflichtende Masern-Impfung? Im einem Kinderhaus in Vöhringen gibt es eine solche Vorschrift schon bald. Wie sieht es bei anderen Einrichtungen aus?

Das Impfen ist ein Streitthema – insbesondere in diesen Tagen. Der Grund: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will bis 2020 verpflichtende Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder durchsetzen. Wer seine Kinder nicht immunisieren lässt, solle zahlen, im schlimmsten Fall 2500 Euro.

Im Landkreis Neu-Ulm wird seit der vergangenen Woche eine Entscheidung kontrovers diskutiert: In der Kita Kinderhaus Arche in Vöhringen werden künftig nur noch Mädchen und Buben aufgenommen, die gegen Masern geimpft sind oder deren Eltern sich verpflichten, diesen Impfschutz für ihre Kinder in einem gewissen Zeitraum zu erwerben. Zu diesem Schritt hat sich die Evangelische Gemeinde in Vöhringen als Träger der Einrichtung entschieden, wie Pfarrer Jochen Teuffel auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt hatte.

Gesundheitsamt: Impfquote bei Masern in Deutschland ist sehr hoch

Generell überlasse die evangelische Kirche diese Entscheidung für die evangelischen Kitas den Trägern vor Ort, sagt Michael Medler, Pressesprecher beim Landeskirchenamt in München: „Es gibt dazu keine Vorgaben vonseiten des Landeskirchenamts oder Regel, die für alle gilt.“ Das gleiche gilt für die Einrichtungen des katholischen Bistums Augsburg. Die Diözese teilt auf Nachfrage mit, dass man die Regelungen der Gesetzgeber eins zu eins übernehme. Generell sehen die Verantwortlichen des Kita-Zentrums St. Simpert die Verknüpfung von Impfung und Kitas aber problematisch: „Es kann und darf nicht Aufgabe oder Auftrag einer Kita sein, sich um den Impfschutz der Kinder zu sorgen. Dafür gibt es in unserem Land andere Möglichkeiten und Institutionen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Günter Groll.

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Lesen Sie auch: Masern: Vöhringer Kita nimmt nur noch geimpfte Kinder auf

Martin Küfer, Leiter des Gesundheitsamts im Kreis Neu-Ulm, weist darauf hin, dass die Impfquote bei Masern in Deutschland sehr hoch sei. Ziel sei es jedoch, die Krankheit vollkommen zu eliminieren: „Deswegen gibt es momentan auch recht strenge Auflagen.“ Der Ausschluss nicht geimpfter Kinder aus Kindergärten sei vom Gesetzgeber aber nicht vorgesehen. Das Vorgehen im Vöhringer Kinderhaus Arche bezeichnet Küfer daher als „Sonderweg“. Grundsätzlich könnten die Einrichtungen wohl individuell entscheiden. Wir haben uns in der Region umgehört.

Impfpflicht: Das sind die Regelungen in Einrichtungen im Landkreis

Vöhringen: Die Awo-Kita Rappelkiste und die Kita St. Michael, deren Träger die Katholische Kirchenstiftung ist, verlangen von Eltern die Vorlage einer Bescheinigung, dass eine ärztliche Impfberatung stattgefunden hat. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Die Stadt Vöhringen, zuständig für die Kitas Pusteblume in Illerzell, St. Martin in Illerberg und die Kindertagesstätte Nord, hat nach Aussage von Bürgermeister Karl Janson noch keine abschließende Entscheidung getroffen. „Zunächst wollen wir die Vorgaben des Bundes abwarten, denn die rechtlichen Hürden zur Impfpflicht sind nicht unerheblich.“ Masern seien eine Krankheit, die dem Gesundheitsamt gemeldet werden muss, so Janson. Kinder müssten den Kitas oder auch Schulen bereits bei einem Verdacht fernbleiben. „Eltern schützen nach einer Impfung nicht nur die Gesundheit des eigenen Kindes. Sie leisten auch einen Beitrag zum Gesundheitsschutz der Einrichtung insgesamt“, sagt der Bürgermeister. Janson zufolge geht es „um die gesellschaftliche Fürsorgepflicht, die wir gegenüber denjenigen haben, die Infektionskrankheiten ausgeliefert sind, weil sie noch keinen Impfschutz besitzen.“

Neu-Ulm: „Bei der Aufnahme des Kindes muss ein ärztliches Attest vorgelegt werden, dass das Kind frei von ansteckenden Krankheiten ist und über ansteckende Krankheiten in der näheren Umgebung des Kindes nichts bekannt ist“, erläutert Daniela Reuther, die stellvertretende Pressesprecherin der Stadt Neu-Ulm. Die Stadt müsse wie alle anderen Kindergartenträger dafür Sorge tragen, dass die Infektionsgefahr für die betreuten Kinder in den städtischen Einrichtungen möglichst gering sei. „Aus diesem Grunde halten wir es für sinnvoll, dass möglichst alle Kinder die empfohlenen Impfungen erhalten haben“, so Reuther. In der Praxis sei es jedoch noch nicht vorgekommen, dass ein Kind wegen nicht durchgeführter Impfungen von der Kita-Betreuung ausgeschlossen wurde.

In Weißenhorn gibt es keine Impfpflicht, aber eine Impfempfehlung

Weißenhorn: In den Verträgen für eine Betreuung in einer der vier städtischen Kitas in Weißenhorn wird eine Impfempfehlung ausgesprochen. Eine Impflicht gebe es aber nicht, sagt die Geschäftsleiterin der Weißenhorner Stadtverwaltung, Melanie Müller. Dafür gebe es derzeit auch keine gesetzliche Vorgabe, ergänzt sie. Wenn ein Kind keinen Impfschutz gegen Masern hat, müssen die Eltern Müller zufolge allerdings eine Bestätigung vorlegen, dass sie bei einem Arzt waren und sich über die Risiken der Krankheit aufklären lassen haben. „Wir hoffen, dass die Beratung und Information der Ärzte wirkt“, sagt Müller. Wenn ein Kind an Masern erkranke, müsse es abgeholt werden.

Ulm: Die 33 Kitas, die von der Stadt Ulm getragen werden, melden Kinder, die nicht geimpft sind, ans Gesundheitsamt – für die Statistiken, die dort geführt werden, erklärt Anika Gabelmann, stellvertretende Leiterin der städtischen Abteilung Kita. „Wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben. Solange es keine Impfpflicht gibt, dürfen alle Kinder kommen“, sagt sie. So hält es auch der Evangelische Diakonieverband Ulm/Alb-Donau, der 16 Einrichtungen in der Stadt betreibt: „Wir machen keine Vorschriften und schließen kein Kind aus, das nicht gegen Masern geimpft ist“, betont die Zuständige Silke Rüdiger. Das gleiche gilt im Ratiopharm-Betriebskindergarten im Donautal. „Momentan machen wir das nicht“, sagt Leiterin Sabine Däubler.

Ansteckungsgefahr bei Infektionskrankheiten wie Masern ist hoch

Illertissen: In der Vöhlinstadt befasst sich die Kita-Benutzungssatzung mit dem Thema Impfungen. Darin ist wie in anderen Städten vorgeschrieben, dass Eltern bei der Erstaufnahme einen Nachweis erbringen müssen, dass eine ärztliche Beratung zum Impfschutz des Nachwuchses unlängst erfolgt ist. Wie Kerstin Breymaier von der Stadtverwaltung mitteilt, habe es in Illertissen bisher noch keine großen Probleme gegeben. Die Kinder, die in die städtischen Kindergärten aufgenommen werden, seien in der Regel ohnehin geimpft.

Altenstadt: „Kinder die nicht geimpft sind, werden bei uns nicht ausgeschlossen“, sagt Katharina Leopold, Leiterin des katholischen Altenstadter Kindergartens Guter Hirte. Gerade bei Infektionskrankheiten wie Masern sei ein Impfschutz allerdings wünschenswert – die Ansteckungsgefahr ist schließlich groß. Die Einrichtung darf bei der Anmeldung der Kinder deren Impfpass einsehen. Wenn die Eltern den Ausweis den Kita-Verantwortlichen vorenthalten, werde dies dem Gesundheitsamt mitgeteilt.

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