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Geschichte

27.08.2014

In Frankreich wartete der Tod

3400 Soldaten des Königlich Bayerischen 12. Infanterieregiments rückten Anfang August 1914 von Neu-Ulm aus in den Ersten Weltkrieg.
Bild: A. Eberweins Nachfolger, Quelle: Stadtarchiv

Im Ersten Weltkrieg starben Tausende Soldaten des Königlich Bayerischen 12. Infanterieregiment aus Neu-Ulm. Von der Stammbesetzung kam nur ein Bruchteil wieder zurück. Eine Spurensuche im Stadtarchiv

Noch einmal haben sie sich in der Heimat für ein Gruppenfoto zusammengestellt. „Wer weiß, ob wir uns wiedersehen am kühlen Donaustrand?“, steht auf einem Schild in der Mitte der 24 Soldaten. Sie sind Mitglieder des in Neu-Ulm stationierten Königlich Bayerischen 12. Infanterieregiments „Prinz Arnulf“. Anfang August 1914 ziehen 3400 von ihnen in den Ersten Weltkrieg. Nur die wenigsten kehren davon zurück.

Gleich zu Beginn des Krieges werden die jungen Männer in der Schlacht um Lothringen eingesetzt, die vom 20. August bis zum 5. September dauert. 500000 Franzosen starteten eine Offensive gegen 400000 deutsche Soldaten. Die Zahl der Toten und Verwundeten macht schnell die Brutalität des neuen Krieges deutlich. Schon am 1. September meldet das Neu-Ulmer Regiment eine Stärke von nur noch 27 Offizieren und 1650 Mann. Über den Winter 1914/15 liegt das Regiment bei Feuillières und Péronne an der Somme im Norden Frankreichs in Stellung.

Im Mai 1915 wartet schon die nächste schwere Prüfung auf die „Zwölfer“. In der sogenannten Lorettoschlacht oder auch Frühjahrsschlacht bei La Bassée und Arras, ist das 12. Infanterieregiment erneut in heftigste Kämpfe verwickelt. Es ist eine typische Schlacht für den Ersten Weltkrieg: Schützengräben, erstmalig Giftgasangriffe und hohe Verluste ohne Gebietsgewinne bestimmen den Kriegsalltag.

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In der Heimat merkt man von alldem noch nichts. In einem Brief vom April 1915, der im Stadtarchiv Neu-Ulm liegt, schreiben die Eltern an ihren Sohn, einen Mannschaftssoldaten des 12. Infanterieregiments, dass der Krieg im Mai hoffentlich bald zu Ende sei und wünschen sich „ein baldiges Wiedersehen“.

Doch das Töten und Sterben geht noch lange weiter. Für die Neu-Ulmer Soldaten zunächst in der Herbstschlacht bei La Bassée und Arras zwischen Oktober und Mai 1916, dann in der Schlacht um Verdun – eine der verlustreichsten des Ersten Weltkriegs für beide Kriegsparteien. Hier kämpfen sie unter anderem um das berühmte Fort Douaumont. Danach wird das Regiment „Prinz Arnulf“ wieder zurück an die Somme verlegt. Im Laufe des Jahres 1917 nehmen die Soldaten an mehreren Abwehrschlachten gegen die Franzosen teil. Ab August werden sie wieder nach Avocourt bei Verdun verlegt, wo jedoch bis November kaum Kämpfe stattfinden.

Im Kriegsjahr 1918 versucht die deutsche Heeresleitung mit einer letzten Kraftanstrengung, doch noch eine Wende im Krieg herbeizuführen. Auch die Neu-Ulmer Soldaten sind am Schluss des Krieges bei der „Michael-Offensive“ dabei. Am 30. September 1918 ist das Regiment nahezu aufgerieben. Als die Soldaten am Kriegsende heimkehren, sind von den rund 3400 Mann der Kompanie, die 1914 ins Feld zogen, noch 193 am Leben. Im Dezember wird das Regiment in Neu-Ulm aufgelöst.

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