1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. In Schleebuch wohnt kaum jemand in der zweiten Reihe

Schleebuch

02.10.2019

In Schleebuch wohnt kaum jemand in der zweiten Reihe

Copy%20of%20KAYA6481.tif
6 Bilder
Es geht beschaulich zu in Schleebuch. Der Ortsteil der Gemeinde Roggenburg ist ein kleiner Weiler aus ungefähr 30 Häusern, zwischen Roggenburg und Schießen gelegen. In zweiter Reihe wohnt hier kaum jemand. Fast jedes der Häuser in Schleebuch hat auf mindestens einer Seite freien Blick auf Felder und Wiesen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Fast alle Bewohner des kleinen Dorfes Schleebuch zwischen Roggenburg und Schießen blicken auf Felder und Wiesen. Einer von ihnen lockt Interessierte mit asiatischer Kampfkunst.

Das kleine Örtchen Schleebuch ist ein Weiler aus rund 30 Häusern, gelegen zwischen Roggenburg und Schießen, wo die Welt ein bisschen stehen geblieben scheint. Zumindest, wenn man sich an der Kapelle umsieht, die dem heiligen St. Wendelin, dem Schutzpatron der Hirten und Bauern, gewidmet ist. Hinter dem kleinen, weiß gekalkten Gotteshaus mit dem zierlichen Zwiebeltürmchen, erbaut 1681, liegt der St.-Wendelin-Platz: eine Grasfläche, ein gekiestes Sträßlein, gesäumt von hölzernen Zäunen, blühenden Vorgärten und Häusern mit spitzem Dach und Fensterläden. Eines fällt relativ schnell auf: In zweiter Reihe wohnt in Schleebuch kaum jemand – fast jedes der Häuser hat auf mindestens einer Seite freien Blick auf Felder und Wiesen der Umgebung.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Viel findet sich im Roggenburger Gemeindearchiv nicht über das gemütliche Örtchen. Immerhin berichtet ein Urbarium aus dem Jahr 1598 von den damaligen Häusern in Schleebuch: Zwei erbeigene Höfe gab es demnach, zwei Lehen und acht Sölden, ein Hirtenhaus und ein „Reutgut“.

101 Einwohner sind in Schleebuch aktuell gemeldet. „Wir sind immer so um die 100 Leute“, erzählt Josef Kast, eines der Urgesteine aus dem Dorf. 18 Jahre lang war Kast Kirchenpfleger und damit für das Wahrzeichen verantwortlich, das zu früheren Zeiten viele Pilger in das kleine Örtchen zog. Denn Landwirte, Hirten und Feldarbeiter gab es zuhauf in der Gegend, die Wendelin um seine Gunst baten. So wurde das Kirchlein 60 Jahre nach seiner Vollendung erweitert und erhielt seinen barocken Turm. Die damalige Ausstattung aber ist nicht mehr erhalten – sie wurde durch neogotische Elemente ersetzt.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Die Kirchenglocken wurden im Jahr 2002 ausgetauscht

Für kurze Zeit war in der Kapelle sogar ein bekanntes Gemälde zu sehen, davon berichten jedenfalls die „Roggaburger Gschichtsblättla“ des Roggenburger Vereins für Heimatpflege. Demnach wurde das Marienbild, das eigentlich für die Schießener Kirche gedacht war, zunächst in Schleebuch aufgehängt. Der Hintergrund: Das Bild war die unerlaubt angefertigte Kopie einer Mariendarstellung aus Haupeltshofen südlich von Krumbach. Der für Schießen zuständige Pater Severin Ott hatte das Gemälde heimlich kopieren lassen. Doch als der Roggenburger Abt von der Sache erfuhr, ordnete er an, dass das Bild nicht nach Schießen dürfe, sondern nach Schleebuch muss. Der Legende nach wurde diese Order aber schon bald aufgehoben – dem Abt nämlich sei das begehrte Bild in einer Vision direkt über der Schießener Kirche erschienen. So verließ das Marienbild Schleebuch in Richtung der Pfarrei Schießen, zu der das Dörfchen bis heute gehört.

Der St.-Wendelin-Platz im Ortskern von Schleebuch.
Bild: Angela Häusler

Mittlerweile ist es um das Kirchlein ruhig geworden, doch noch immer werden dort Messen veranstaltet. Und erst vor Kurzem wurde das kleine Gotteshaus von Bauexperten begutachtet, denn es gibt Sanierungsbedarf, berichtet Kirchenpfleger Christian Reh. Im Fundament hat sich Feuchtigkeit gesammelt, und der Dachstuhl neigt sich nach Osten. Das hatte sich bereits bei einer Baufestigkeitsprüfung vor zwei Jahren gezeigt. Wann die nötigen Reparaturen durchgeführt werden, sei noch unklar, sagt Reh. Auch eine genaue Kostenplanung stehe noch aus. „Der Blitzableiter ist jedenfalls noch in Ordnung“, witzelt Kast.

Die Glocken wurden im Jahr 2002 ausgetauscht, davon zeugt das Relikt am Eingang: Eine der früheren Glocken aus dem Turm ist dort zu sehen. Sie stammt aus dem Jahr 1918, wiegt 475 Kilogramm und wurde wegen des brüchig gewordenen Materials gegen eine Bronzeglocke ausgetauscht.

Ein Fitnessstudio mit Taekwondo-Schule in Schleebuch

Eine weitere Attraktion, die mit dem heiligen Wendelin zu tun hat, wird in Schleebuch mittlerweile nicht mehr veranstaltet: Der Wendelin-Ritt, zu dem viele Besucher in das Dorf kamen. „Das war immer im Oktober, da waren bis zu 1000 Leute dabei“, berichtet Kast. Doch die recht aufwendige Veranstaltung wird seit 2011 nicht mehr organisiert.

Auch die Mini-Feuerwehr, die für den Notfall eine kleine Helfertruppe bereithielt, gibt es mittlerweile nicht mehr, erzählt Kast. Neben der Kapelle aber, unterhalb des Rasens, befindet sich noch der Löschteich, der im Bedarfsfall angezapft werden kann. Auch das örtliche Gasthaus gibt es schon lange nicht mehr.

Menschen aus der ganzen Umgebung besuchen die Taekwondo-Schule Roggenburg/Schleebuch. Dieses Foto zeigt eine Aufführung in der Roggenburger Turnhalle.
Bild: Angela Häusler

Ein Geschäft immerhin hat der Ort heute: ein Fitnessstudio mit Taekwondo-Schule. Franz Bader hat es vor 31 Jahren eröffnet und betreibt es heute gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Dietmar Baur. „Bei uns ist es sehr familiär, wir sind kein Schickimicki-Studio, das gefällt den Leuten“, sagt Bader. Er erinnert sich noch gut daran, wie seine Pläne, in dem kleinen Örtchen asiatische Kampfkünste zu lehren, zu Gründungszeiten ankamen: „Taekwondo war damals noch unbekannt und es hieß, das wäre alles ein Firlefanz.“ Doch die Idee erwies sich als eine gute, inzwischen hat das Studio Kunden aus der ganzen Umgebung.

Schon in naher Zukunft könnte die Schleebucher Bevölkerung übrigens zumindest ein wenig wachsen: Denn die Gemeinde hat im vergangenen Jahr einem kleinen Baugebiet zugestimmt. Vier Bauplätze sollen dort nahe der Dorfstraße entstehen. Gebaut werden kann dort voraussichtlich im Jahr 2021.

Das könnte Sie auch interessieren:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren