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Ulm

17.01.2020

In der Ulmer Kramgasse steht der Glaube im Schaufenster

Im Februar soll die „Pop-Up-Kirche“, also eine vorübergehende Kirche, in der Ulmer Kramgasse unweit des Ulmer Münsters eröffnen.
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Im Februar soll die „Pop-Up-Kirche“, also eine vorübergehende Kirche, in der Ulmer Kramgasse unweit des Ulmer Münsters eröffnen.

Die freie evangelische Gemeinde „Citychurch Ulm“ eröffnet ein „Pop-Up“-Gotteshaus in der Ulmer Innenstadt. Über ihre Ziele und die Reaktion des Dekans des Ulmer Münsters.

Wo früher Lautsprecher und Lederhosen verkauft wurden und kürzlich noch der städtische Flugsimulator „Birdly“ stand, zieht jetzt das Geistliche ein: Die „Citychurch Ulm“ will in der Kramgasse 3 eine „Pop-Up-Kirche“ eröffnen. „Unglauben“ steht auf dem noch verklebten Schaufenster. Die „Citychurch Ulm“, ein Projekt innerhalb des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland, will hier aber eine Bastion des Glaubens eröffnen.

Schaufenster um Gott und Glaube

„Wir müssen nicht unbedingt in ein Ladengeschäft ziehen“, sagt der Enddreißiger Daniel Rentschler, der sich mit seiner Frau Rabea die Pastorenstelle teilt. Aber es hat sie gereizt. „Wir wollen einen Raum schaffen, in dem Menschen auf überraschende Weise mit Gott in Berührung kommen können.“ Als der kleinen Gemeinde mit etwa 100 Mitgliedern, die sich sonst im „Haus der Begegnung“ treffen, eine vorübergehende Nutzung des zentralen Geschäfts in der Ulmer Kramgasse nahe des Schuhausplatzes angeboten wurde, konnten sie nicht widerstehen. „Es ist doch mal was anderes, wenn es in einem Schaufenster um Gott und Glaube geht“, sagt Rabea Rentschler. Die Schaukästen an Kirchen würde doch letztlich niemand beachten. Die „Citychurch Ulm“ wolle dahin, wo die Menschen sind: Also mitten in die Stadt. In Sichtweite des Ulmer Münsters.

Der Dekan hat keine Bedenken

Der Dekan unterhalb des höchsten Kirchturms der Welt, Ernst-Wilhelm Gohl, hat mit seinen neuen Nachbarn überhaupt keine Probleme. „Wir liegen theologisch auf einer Wellenlänge“, sagt Gohl. Mit radikalen, evangelikalen Eiferern hätten die Ulmer rein gar nichts zu tun. Dass die „Citychurch“ den Glaube auf eine andere Art und Weise als herkömmliche Kirchen verbreite, sei eine Bereicherung. Zumal die neuen Nachbarn auch „nicht um ihre eigene Frömmigkeit kreisen“ würden: Es sei etwa toll, wie sich die Rentschlers gegen Menschenhandel und Sklaverei einsetzen.

In der Ulmer Kramgasse steht der Glaube im Schaufenster

Daniel Rentschler ist nämlich auch Leiter der Bildungs- und Gemeindearbeit der Menschenrechtsorganisation „International Justice Mission Deutschland“ (IJM), die sich gegen Sklaverei einsetzt. Als Referent für IJM will Rentschler Menschen eine Stimme geben, die sonst niemand hört. „Es gab noch nie so viele Sklaven auf der Welt wie derzeit“, zeigt sich der Pastor entsetzt. Dagegen müsse etwas getan werden. Beeindruckt vor einem Vortrag des Gründers Gary Haugen wurde der Pastor zu einem der ersten Mitglieder der deutschen Sektion. Die IJM spielt bei der Pop-up-Kirche in der Kramgasse eher eine Nebenrolle. Doch sich für Menschen einsetzen, die keine Lobby haben, gehört zur Arbeit der „Mitmach-Gemeinde“ dazu. Ähnlich dem „Charity-Sonntag“ vor Weihnachten, als die „Citychurch“ gleichermaßen für Benachteiligte – von Prostituierten bis hin zu Kindern in Heimen der Region – Weihnachtspäckchen packte, soll die Kramgasse auch als Zulieferer für den Osterhasen fungieren.

"Aktion Osterei" der "Citychurch" startet bald

Denn von Februar bis Ostern werde die kleine Kirche in der Fußgängerzone Bestand haben. Im Zentrum steht die „Aktion Osterei“, wie Rabea Rentschler verrät: „Fülle ein (Papp)-Ei und verschenke Freude“, sei das Motto. Für einen Unkostenbeitrag von zwei Euro könne sich jeder zwei Eihälften nehmen und mit bereitstehenden Leckereien und einer Karte füllen. Die Idee dahinter, sei Hoffnung zu schenken: „Gott will, dass unser Leben gelingt. Besonders am Herzen liegen ihm jene Menschen, denen es an etwas mangelt“, sagt die Pastorin.

Als Konkurrenz zu Münster und Co sehen sich die Rentschlers nicht: „Wir wollen Menschen erreichen, die klassische Kirchen nicht ansprechen“, sagt Daniel Rentschler, gelernter Lehrer für Englisch und Religion. In den Gottesdiensten gebe es weder Orgel noch Talar. Stattdessen Gitarren und Jeans. Tendenziell sei die „Citychurch“-Gemeinde jünger, sagt das Ehepaar Rentschler, das zwei Kinder (sechs und acht Jahre alt) hat. Aber das Alter spiele keine Rolle. „Es geht darum, dass wir als Pastoren reden wie unsere Nachbarn“, sagt Daniel Rentschler. Nicht wie Theologen, selbst wenn er und seine Frau Theologie studierten. Ob die „Pop-up-Kirche“ tatsächlich für Gottesdienste genutzt wird, ist noch offen. „Aber eher nicht“, sagt die Pastorin. Vielmehr als eine Kreativwerkstatt um Gott zu dienen. In den nächsten Tagen werde im ziemlich entkernten Verkaufsraum gearbeitet: Große Tischen fehlen, es wird dekoriert und Platz für Ostereier geschaffen.

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