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Kreis Neu-Ulm

21.08.2014

Ist El Masri jetzt ein Befehlshaber der IS? Die Polizei hat Zweifel

Ist der Deutsch-Libanese Khaled El Masri inzwischen Befehlshaber einer 200-köpfigen Brigade der Terrorgruppe „islamischer Staat“ (IS)?
Bild: Alexander Kaya

Ein Bekannter des 51-jährigen Khaled El Masri aus Neu-Ulm will Details über neue Aktivitäten des CIA-Folteropfers wissen. Die Polizei hat allerdings gehörige Zweifel.

Ist der Deutsch-Libanese Khaled El Masri inzwischen Befehlshaber einer 200-köpfigen Brigade der Terrorgruppe „islamischer Staat“ (IS), die im syrischen Bürgerkrieg durch Anschläge schon 6000 Menschen getötet hat? Entsprechende Gerüchte, die aus dem früheren Bekanntenkreis des 51-Jährigen am Dienstag in die Welt gesetzt worden sind, will die Polizei nicht bestätigen. „Dafür haben wir keinerlei Anhaltspunkte“, dementierte gestern Kriminaldirektor Michael Keck als Chef der dafür zuständigen Kriminalpolizei mit zentralen Aufgaben in Neu-Ulm derartige Behauptungen. Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden ist El Masri in ein „westlich orientiertes arabisches Land“ ausgereist, wie Keck sagt. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei um Abu Dhabi.

Ein Informant hatte sich bei der Polizei gemeldet

Anfang der Woche hat sich bei der Polizei ein „Informant“ gemeldet, der El Masri aus früheren gemeinsamen Autogeschäften kennt und die Gerüchte in die Welt gesetzt hat, wonach das Folteropfer des amerikanischen Geheimdienstes inzwischen Kommandeur einer Terrorgruppe sei, die in Syrien und im Irak kämpft. Möglicherweise beruhen diese Behauptungen auf einer Namensverwechslung. Tatsächlich gab es einen ägyptisch-islamischen Extremisten Namens Abu Ayyub al-Masri, der etliche Jahre die Al Quaida Gruppe im Irak kommandiert hatte, allerdings schon im April 2010 bei einer gemeinsamen Aktion des irakischen Geheimdienstes und der US-Armee in der nordirakischen Region Tharthar getötet worden sein soll.

Kriminaldirektor Michael Keck wollte diese Informationen gestern nicht weiter kommentieren. Es gebe keinerlei Belege für diese Gerüchte. „Nach unseren letzten Informationen ist El Masri über die Türkei in ein arabisches Land ausgereist, über seinen weiteren Verbleib wissen wir aber nichts“, erklärte der Beamte auf Anfrage. Es gebe aber keinerlei Hinweise, dass der 51-Jährige inzwischen in Syrien oder im Irak als Kommandeur einer Terrorgruppe kämpft.

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Ohnedies sei es eher unwahrscheinlich, das El Masri innerhalb von zwei Monaten nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in Kempten zum Chef einer Terrorgruppe im Irak aufsteigen könne. Dennoch würden die Aussagen des Informanten an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um den Bundesnachrichtendienst und den Verfassungsschutz.

El Masri ist als der Folteropfer des CIA bekannt geworden

Khaled El Masri war weltweit bekannt geworden als Folteropfer des amerikanischen Geheimdienstes CIA. An Silvester 2003 war er an der serbisch-mazedonischen Grenze festgenommen und in ein Geheimgefängnis verschleppt worden. Über die Hintergründe wurde damals viel spekuliert. Möglicherweise wurde er mit einem Terror-Chef gleichen Namens verwechselt. Andererseits könnte aber auch eine Rolle gespielt haben, dass er früher im Multikultur-Haus an der Zeppelinstraße in Neu-Ulm ein- und ausgegangen war. Dies war vor Jahren Treffpunkt von sogenannten „Gotteskriegern“ und islamistischen Hasspredigern.

Bekanntheit erlangte El Masri aber auch durch seine „emotionalen Explosionen“, als er den Metro-Markt in Neu-Ulm anzündete, einen Dekra-Ausbilder in Ulm verprügelte und schließlich durch seinen Überfall auf den Neu-Ulmer Oberbürgermeister Gerold Noerenberg, den er in seinem Amtszimmer niederschlug. Dafür war er zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, die er im Kemptener Gefängnis absitzen musste.

Zuletzt hatte er zusammen mit seiner Frau und den sechs gemeinsamen Kindern von der Sozialhilfe und eher schlecht gehenden Autogeschäften in einem Mehrfamilienhaus an der Kemptener Straße in Senden gewohnt. Während er im Gefängnis sass, setzte sich seine Familie in den Libanon ab und tauchte dort unter.

Durch seine Ausreise hat sich die Angelegenheit für die Polizei in Neu-Ulm und Senden weitestgehend erledigt. Michael Keck: „Wir wüssten zwar gerne mehr über seinen Verbleib, aber bis in die arabische Länder reicht unsere Zuständigkeit nicht“.

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