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Ulmer Zelt

15.06.2019

JCM bieten Musik ohne Firlefanz im Ulmer Zelt

Die Band JCM zeigte im Ulmer Zelt, was sie kann, denn Gitarrist Clem Clempson, Bassist Mark Clarke und Schlagzeuger Ralph Salmins sind wahre Vollblutmusiker.
Bild: Stefan Kümmritz

Mit JCM stehen drei Vollblutmusiker auf der Bühne im Ulmer Zelt. Sie bieten ein außergewöhnliches Konzert – auch wenn nur wenige Fans kommen.

Da kreuzt eine Band namens JCM auf, bestehend aus drei älteren Herren, die echte Größen der Rockmusik waren, es eigentlich noch sind, die nicht wegen hoher Gagen, sondern aus purer Lust am Musizieren auftreten – und das Ulmer Zelt ist halb leer. Wer aber dabei war, kam auf seine Kosten. Denn wie einst die Band Colosseum, der Gitarrist Clem Clempson und Bassist Mark Clarke angehörten und die mit Ralph Salmins einen Drummer der Extraklasse gefunden haben, spielt das Trio heißen Jazzrock, wartet dabei mit einzelnen Gitarren- und Schlagzeug-Feuerwerken auf, was in der modernen Pop- und Rockmusik wenig beliebt ist. Das Problem von JCM ist, dass sie im Repertoire keine wirklichen Ohrwürmer hat und manche jungen Leute mit dieser ehrlichen Musik ohne jeden Firlefanz und ohne jede Elektronik wenig anfangen können.

Die drei Gäste im Ulmer Zelt sind Vollblutmusiker

Dabei sind der 69-jährige Bandleader Clempson, der knapp 69-jährige Clarke und „Youngster“ Salmins (55) Vollblutmusiker: Clem Clempson, der mit Vornamen eigentlich David heißt, spielte bei Colosseum, aber auch bei Steve Marriotts Humble Pie sowie unter anderem mit Roger Chapman, Tom Waits und Bob Dylan. Seine ganze Musikergeschichte ist ebenso lang, wie die von Mark Clarke und Ralph Salmins. Clarke war unter anderem Mitglied von Uriah Heep, Mountain und eben Colosseum, Salmins, ein gelernter Klassik-Drummer, der dann in der Jazzszene zum Begriff wurde. Er spielte auch als Studiomusiker – zum Beispiel mit Paul McCartney, Elton John, Alice Cooper, Robby Williams, van Morrison, ist zudem seit Jahren Mitglied der Waterboys. Er spielte bei den Soundtracks von über 150 Filmen mit und war Berater für die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2012 in London, wobei er 1000 Schlagzeuger koordinierte. Und diese fantastischen Musiker wollten nur etwa 400 Fans sehen und hören.

Obwohl nur zu dritt, geht bei der Band, als sie sich nach den ersten Liedern – als Starter gab es den Colosseum-Song „The Kettle“ – so richtig warm gespielt hat, die Post ab. Dabei steht die Tour des Trios eigentlich unter einem traurigen Stern: Sie ist in erster Linie dem Colosseum-Gründer Jon Hiseman gewidmet. Der legendäre Drummer hob JCM aus der Taufe, nahm mit seinen Kollegen das Album „Heroes“ auf, mit dem das Trio große Musikerkollegen huldigte. Nach schwerer Krankheit starb Hiseman am 12. Juni 2018, fast auf den Tag genau ein Jahr vor dem Ulmer Konzert. Salmins ersetzte Hiseman, damit es mit JCM weitergehen konnte.

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Ein außergewöhnliches Konzert - trotz wenig besuchtem Ulmer Zelt

Und wie es mit den Dreien weitergeht! Sie treten quasi das Erbe Hisemans an und verehren auf ihrer Tour Musiker wie Jack Bruce, Steve Marriott, Graham Bond oder Gary Moore. Wunderbar die Aufführung des typischen, einfühlsamen Moore-Songs „Rivers“. Rockig das vom Liverpooler Mark Clarke, der sich als Beatles-Fan outet, geschriebene „Yeah, yeah, yeah“. Und absolut aufregend „Four day creep“, das von Humble Pie stammt. Wunderschön auch die Bluesnummern „Only sixteen“ von der Graham Bond Organisation und „Tomorrow’s Blues“ von Colosseum, das den Schlusspunkt setzt.

Ein außergewöhnliches Konzert, auch wenn es den heutigen Musikgeschmack wohl kaum noch trifft. Alleine das immer noch virtuose Gitarrenspiel von Clem Clempson mit seinen etwas schütteren Haaren, das er in einigen herrlichen Soli demonstriert, die wuchtigen Basssequenzen, mit denen der langmähnige Mark Clarke aufwartet und das über fünfminütige Schlagzeugsolo von Ralph Salmins sind den Besuch eines JCM-Konzerts wert.

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