Newsticker

Auseinandersetzungen bei Protesten gegen die Corona-Politik in Rom
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Jägerinnen erobern den Wald

Auf der Jagd- und Fischereimesse in 

10.01.2015

Jägerinnen erobern den Wald

Kreisjägermeisterin Elisabeth Keil (links) und Kreisobfrau Nicole Ammann gehen gerne auf die Jagd.
Bild: Katrin Fischer

Ulm suchen jagdbegeisterte Frauen ihresgleichen. Sie erzählen, warum sie es manchmal nicht leicht haben.

Vor 40 Jahren machte Kreisjägermeisterin Elisabeth Keil aus Freiburg eine Ausbildung zur Jägerin – als einzige Frau unter 90 Männern. Aufgrund ihrer langen Erfahrung weiß sie: „Die Zeiten, als es hieß, die Frauen schießen eh nix, sind jetzt vorbei.“ Zusammen mit anderen Jägerinnen wirbt sie auf der Jagd- und Fischereimesse in Ulm für das baden-württembergische Jägerinnen-Forum. 500 Mitglieder sind schon dabei. Ihr Motto ist: „Starke Bachen führen“.

Ein Zeit lang werde es noch dauern, bis das Gleichgewicht hergestellt ist, aber die Frauen seien im Kommen, erzählt die Kreisjägermeisterin. Es habe sich einiges getan. „Heute sind auch Jägerinnen bei der Jagd willkommen“, sagt sie. Das sei nicht immer so gewesen. Keil habe damals mit ihrer Ausbildung angefangen, weil sie eine Wette gewinnen wollte. Sie wollte beweisen, dass Frauen nicht „zu blöd“ sind, um zu jagen. Sie lacht, ihre Motivation sei sehr ungewöhnlich gewesen. Doch jetzt könnte sie ohne Wald und Jagdhund nicht mehr leben, erzählt sie.

Die Jägerinnen erklären, dass es drei Gründe gebe, weshalb Frauen zur Jagd finden. Viele wollen ihren Hund ausbilden und finden dann Gefallen daran. Andere werden über ihren Partner hineingezogen, und vielen Frauen geht es bei der Jagd um die Verbundenheit mit der Natur. „Zur Jägerin muss man berufen sein“, sagt Nicole Ammann. „Und ein Tierfreund“, ergänzt ihre Kollegin.

Obwohl die Voraussetzungen für beide Geschlechter dieselben sind, haben Frauen laut den Profis einen entscheidenenden Nachteil: „Wir sind sensibler“, geben sie zu. Nicole Ammann habe ein halbes Jahr gebraucht, bis sie sich dazu überwinden konnte, ein Reh zu schießen. Kreisjägermeisterin Keil kann bis heute nicht ohne Hemmungen auf ein Rehkitz schießen. Allerdings haben die beiden auch schon erlebt, dass ein Mann trotz freier Schussbahn einfach nicht abdrücken konnte.

Dennoch wissen Keil und Ammann, dass sie durch die Jagd der Natur dabei helfen, ihr natürliches Gleichgewicht zu halten. Wenn die Freiburgerin ein Reh erschossen hat, setzt sie sich ein paar Minuten dazu, erweist ihm die letzte Ehre und bläst in ihr Horn. „Das ist jedes Mal ergreifend“, erzählt sie.

Danach versuchen die Jägerinnen, jeden Teil des Tieres zu verwerten. Sein Tod soll nicht umsonst gewesen sein. Für das Fleisch beispielsweise bietet das Jägerinnen-Forum besondere Wild-Kochkurse an. Aus den Fellresten stellen sie kleine Taschen her und Leder und Geweihstücke eignen sich für Ketten und Armbänder.Den Schmuck verkaufen die Frauen auf der Jagd- und Fischereimesse in Ulm.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren