Neu-Ulm Neben dem Preisträger Reiner Schlecker bietet die aktuelle Jahresausstellung des Kunstvereins Neu-Ulm viel Augenfutter für den entdeckungsfreudigen Kunstgänger. Kein Ausruhen auf bewährten Positionen, statt dessen konsequentes Weiterentwickeln eigener Ausdrucksformen und Erforschen neuer Nischen – das kennzeichnet die Arbeiten der in der Region gut bekannten Namen. Martha Bilger zeigt mit transparenten Formen fotografisch hauchzarte Lichtspiele von lyrischer Qualität. Sie steuert mit Jörg Eberwein und Elke Traue für den reich gedeckten Jahresgaben-Tisch auch installative Kleinobjekte bei. Ursula Horstkotte überrascht mit mehrschichtigen transparenten Scherenschnitten, deren schwingende Formen an monochrome Röntgenbilder erinnern.
Verspielte Formen, kraftvolle Malerei
Grafik gut respräsentiert: Gleich am Eingang begrüßen kraftvolle Arbeiten der Ulmerin Susanne Lukas. Sigrid Münch Metzner verquickt Grafik und Objekt und gibt dem Blick in ihren Op Art Objekten auf reizvolle Weise viel zu arbeiten. Dmitri Krenzer spielt mit Positiv-Negativ-Kontrasten, die er aus der Reihung immer gleicher Formen gewinnt. Bertram Bartls Paraphrasen über die Willendorf-Venus wird zum visuell-bacchantischen Vergnügen dank souveräner Holzschnitt-Technik. Lichtkontraste setzt Norbert Klaus nicht nur mit den bekannten Reisig-Skulpturen, sondern auch mit Prägearbeiten auf sepiafarbenem Papier. Überhaupt haben Objektkünstler und Grenzgänger einen interessanten Anteil.
Dorothee Herrmann etwa lässt eine Armada von Keramik-Fischköpfen aus einem Wandvorsprung lugen – weiß auf weißem Hintergrund, für Entdecker. Surreale Elemente brechen immer wieder durch – dezent bei Marc Reiner, dessen Keramikfiguren aus fein modellierten Gesichtern bestehen, die auf amorphen Gebilden thronen; mit groteskem Humor beim Ulmer Gerd Mattheis und seiner „gehörnten Gitarre“, ebenso witzig-frech Altmeister Wolfgang Steiner mit seinem „Vegetarierkopf“.
In der Sparte Malerei ist Johanna Hofmeister mit zwei Kleinformaten dabei, deren wild wuchernde Farbfantasien weite Naturräume assoziiert; fröhliche Futurismus-Anklänge zeigt Jörg Eberwein. Angenehme Assoziationen zu Paul Klee eröffnet eine Textilarbeit Franziska Degendorfers mittels Farbharmonien.
In dieser Leistungsschau schickt die einzige Videoarbeit (Christine Söffing) zu meditativen Filmbildern aus Vietnam zarte Klänge durch den Raum.
Jahresausstellung des Kunstvereins Neu-Ulm im Edwin Scharff-Haus (Eingang Donauseite) bis 13. Mai. Geöffnet Dienstag bis Samstag 14 – 18 Uhr, Sonntag 11 – 17 Uhr.