Nachruf

27.02.2014

Jazzer von Weltrang

Jo Mikovich

Saxofonist Jo Mikovich ist tot

Neu-Ulm Wenn er die Backen blähte, versenkte er sich mit geschlossenen Augen in virtuose Skalenläufe und heiße Blues-Töne. Jetzt ist sein Saxofon auf der Bühne für immer verstummt: Am vergangenen Freitag erlag der Weltklassesaxofonist und Wahl-Neu-Ulmer Jo Mikovich, der vor 31 Jahren von Belgrad an die Donau kam, im Alter von 73 Jahren einem Krebsleiden.

Von seiner Krankheit gezeichnet war er bereits bei seinem Geburtstagskonzert zum 70. auf der Sommerbühne am Blautopf, wo er mit musikalischen Weggefährten wie Drummer Charly Antolini und Trompeter Dusko Goykovich aber auch vom Piano aus mit Evergreens von Duke Ellington, George Gershwin oder Dizzi Gillespie auftrumpfte.

Die Kompositionen und Arrangements des 1986 vom Sendener Musikproduzenten York von Prittwitz auf dessen Label YVP Music herausgebrachten Albums „Storm Thunder Lightning“ riefen nicht nur bei Jazzpuristen helle Begeisterung hervor. Unvergessen sind die fulminanten Hard-Bop- und Modern-Jazz-Auftritte in immer wechselnden Formationen seiner Jo Mikovich Group im Neu-Ulmer Café D’Art, im Sauschdall oder im Spiegelzelt beim Donaufest.

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Eigentlich war er ein ganz stiller und freundlicher Mensch, der dann am Instrument explodieren konnte. Geboren 1940 in Zajecar, einem serbischen Dorf nahe der bulgarischen Grenze, studierte er am Belgrader Konservatorium Klarinette und Geige, wollte jedoch damals schon aufs Saxofon wechseln. Er spielte mit Jazzgiganten wie Charles Mingus und Jimmy Smith zusammen, stieß in Frankfurt auf Avantgarde-Posaunist Albert Mangelsdorff. Zwei Jahrzehnte tourte Mikovich um den Globus und wirkte bei unzähligen Platteneinspielungen mit.

Kreso Pascuttini, Kapellmeister am Ulmer Theater, holte ihn schließlich in die Doppelstadt. Hier gewann er schnell viele Freunde und machte sich auch als Musiklehrer und Mentor einen guten Namen. Zu seinen Fans gehörte auch Saxofourte-Saxofonist Thomas Sälzle, der als 16-Jähriger von Mikovichs Spielkunst im Ulmer Jazzkeller Sauschdall fasziniert war. Dazu Sälzle: „Jo Mikovich war ein prägendes Vorbild.“ Die Trauerfeier findet am morgigen Freitag auf dem Neu-Ulmer Friedhof statt.

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