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Neu-Ulm

30.03.2015

Jazzkonzert: Neu-Ulm verwandelt sich in New Orleans

Die Soli gehörten zu den Perlen des Abends
Bild: Michael Peter Bluhm

International Trio begeistert im Schlössle mit besonderem Gast aus Frankreich.

Der rührige Verein zur Förderung des New-Orleans-Jazz hat wieder einmal die Crème de la Crème nach Neu-Ulm geholt: Der Klarinettist Reimer von Essen hat als Bandleader der weltbekannten Barrel-House-Jazzband Musikgeschichte geschrieben. Er lieferte sich mit dem Sopransaxofonisten Olivier Franc im Schlössle atemberaubende Improvisations-Duelle, dabei nie die Grundmelodien aus dem Auge verlierend. Der französische Musiker hat seine Seele an den unvergessenen Sidney Bechet verloren – wie ein Zauberlehrling trifft er den unverwechselbaren Ton seines großen Meisters auf den Punkt: Kein Wunder, dass Frankreichs Jazz-Musiker des Jahres 2012 auch Träger des Prix Sidney Bechet ist.

Da traf an diesem Abend der warme Klang der Klarinette auf den singenden Sound des Sopransaxofons, beschwingter und tänzerischer hat man Kompositionen des kreolischen Jazzgenies lange nicht gehört, der in Paris lebte und von dort mit seinem speziellen Sopransax-Sound die Welt eroberte.

Das International Trio und ihr französischer Gaststar spielten die Evergreens des frühen Jazz am laufenden Band, dass eine beseelte Stimmung im Saal aufkam und man sich fragte, ob man in einem Neu-Ulmer Vorort weilte oder in einem Clubhouse in New Orleans. Denn auch in diesem historischen Epizentrum des amerikanischen Jazz hat ein deutscher Komponist einst für Aufmerksamkeit gesorgt: Der von den Nazis vertriebene Kurt Weill. Geradezu inbrünstig spielte Reimer von Essen dessen Evergreen „September“ als Solopart so sensibel, dass man Gänsehaut bekam. Überhaupt gehörten die Soli zu den Perlen des Abends.

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So bekam der Brite Trevor Richards bei dem Klassiker „Panama“ die Gelegenheit, seinen Ruf als bester New Orleans Drummer zu beweisen.

Die Band komplettierte der junge Pianist Paul Asaro aus Chicago, der den Stride-Piano und Ragtime-Stil aus dem effeff beherrscht. In einem Solo erwies das aufstrebende Talent mit leicht gepresster Kopfstimme auch seine Gesangsfähigkeiten und bekam viel Applaus.

Der Abend im Schlössle-Saal war eine einzige Hommage an den Jazz in einer Zeit, wo romantische Melodik noch den Ton angab und somit breite Zuhörerschichten erreicht wurden. Das Publikum im Schlössle, das zum Teil mit diesen herrli-chen Evergreens aufwuchs, spendete begeistert Applaus.

Das nächste Konzert des Vereins zur Förderung des New Orleans Jazz fin-det am Samstag, 25. April, ab 20 Uhr in der Teutonia in der Friedrichsau statt, wenn „Papa Pider’s“ Jazzband aufspielt.

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