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Ulm/Landkreis Neu-Ulm

17.01.2019

Jetzt gibt es regionale Pfandbecher für To-Go-Kaffee

Designerin Johanna Perret mit dem Recup-Pfandbecher für Ulm und den Landkreis Neu-Ulm. 23 Betriebe sind von Anfang an beim System dabei. Noch mehr sollen an Bord kommen.
Bild: Andreas Brücken

In 23 Betrieben in Ulm und im Landkreis gibt es wiederverwendbare Mitnehmbecher mit regionalen Design. Die Macher sehen große Chancen – trotz eines Problems.

Durchschnittlich rund 660 To-Go-Kaffeebecher gehen im Landkreis über die Ladentheke – jede Stunde. Die Zahl hat das Landratsamt errechnet. Die Zahl wird in der nächsten Zeit kaum sinken. Vielleicht sinkt aber die Zahl der Tassen, die ein paar Schlucke später im Müll landet. Ab jetzt sind Pfandbecher für Heißgetränke im Umlauf, mit einem speziellen Design für Ulm und den Kreis Neu-Ulm. Am unteren Becherrand sind die Silhouetten bekannter Gebäude zu sehen: Münster, Metzgerturm, Stadtbibliothek und Pauluskirche in Ulm, der Neu-Ulmer Wasserturm und das Kloster Roggenburg. Die Becher werden gegen ein Pfand in Höhe von einem Euro in 23 Betrieben in Ulm und im Kreis Neu-Ulm ausgegeben. Wer sich Latte macchiato, Cappuccino oder grünen Tee in einen der mintgrünen oder hellbraunen Kunststoffbecher füllen lässt, bekommt einen Preisnachlass.

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Zurückgegeben werden können die Becher nicht nur in der Region, sondern an knapp 2000 Standorten in ganz Deutschland. Das Münchner Start-up Recup hat für viele Städte einen eigenen Becher entworfen. Das jeweilige Design ist zurückhaltend. Die Mitnehmtassen sollen nicht zu Sammlerstücken werden, die im Regal landen. Werden sie 15 bis 20 Mal verwendet, sind sie ökologischer als Einwegbecher. 1000 Mal können sie in der Spülmaschine gereinigt werden, ohne das auch nur das Aufdruck abgeht. Das zumindest sind die Zahlen, die das Unternehmen angibt.

Kaffee To-Go: Einwegbecher verursachen Müll-Probleme in Ulm und im Kreis Neu-Ulm

Die Idee, Recup hierher zu holen, hatte Florian Fuchs – jetzt Neu-Ulmer Citymanager, zuvor beim Ulmer City Marketing. „Beim Joggen an der Donau habe ich die Einwegbecher im Gras liegen sehen“, berichtet er. In seiner Freizeit suchte Fuchs nach einer passenden Antwort, Recup überzeugte ihn. Eine Insellösung nur für Ulm und Neu-Ulm hätte nicht funktioniert, davon ist Fuchs überzeugt. Wer mit seinem Kaffee in den Zug steige, wolle den Pfandbecher auch in München zurückgeben können.

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Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch verbindet mit dem System einen Weg, die To-Go-Mentalität in den Griff zu bekommen: „Wenn ich am Sonntag in die Kirche gehe und die Hinterlassenschaften vom Wochenende in den Mülleimern sehe, ärgere ich mich jedes Mal“, sagt er. Das Design komme bei jungen Leuten an, ist Czisch überzeugt. Für Neu-Ulms Landrat Thorsten Freudenberger bedeutet das Verwenden der Pfandbecher „im Kleinen etwas tun, damit im Großen etwas vorangeht“. Als Schüler habe er mit Älteren über den Sinn von Recycling diskutieren müssen. Nun hoffe er, dass mehrfach wendbare Mitnehmtassen so normal werden, wie es Wiederverwertung heute ist.

Recup-Kaffeebecher mit regionalem Design für Ulm und den Landkreis Neu-Ulm

Mit 23 Betrieben für den Anfang bewegt sich Recup in der Region an der unteren Grenze der selbst gesteckten Ziele: 20 bis 30 Unternehmen sollen von Beginn an in einer Stadt oder einem Großraum mitmachen. Die Betriebe entrichten eine Lizenzgebühr von 30 Euro pro Monat. Für die Becher bezahlen auch sie nur Pfand, das sie zurückbekommen, wenn diese abgenutzt sind und recycelt werden sollen. „Je mehr Standorte, desto besser läuft’s“, sagt Gründer Florian Pachaly. Was in Ulm und im Landkreis noch fehlt, sind Filialisten. Mit den Bäckerei Staib war Recup im Gespräch. Doch zu einer Zusammenarbeit kam es nicht. Ulms City Manager Henning Krone verspricht aber, weiter bei den großen Betrieben nachzuhaken.

Unternehmer Pachaly ist überzeugt, dass das System auch außerhalb von Metropolregionen funktioniert. Recup sei auch im Allgäu und am Bodensee eingeführt worden. Wer die Mitnehmtassen nutzen wolle, habe schnell einen Überblick, wo er sie zurückgeben könne. „Wir werden mit einem Becher nicht die Welt retten“, sagt Pachaly. Aber zumindest gebe es jetzt eine Alternative zu Mitnehmgefäßen, die sofort weggeworfen werden.

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