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Schule

27.10.2017

Jugend musiziert – Jugend dirigiert

Alle Augen auf die Dirigentin: Lehrerin Karoline Mauer leitet das Sinfonieorchester des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums. In den vergangenen Jahren gaben regelmäßig Schüler den Takt vor. Rechts unten im Bild: Alexey Grauberger, der die Registerproben der Streicher betreut.
Bild: Andreas Brücken

Wie es das Sinfonieorchester des Weißenhorner Gymnasiums bei einem Wettbewerb auf Platz drei schaffte

Was ist nur an dieser Schule los? Es ist Freitagnachmittag am Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium, doch von gähnender Leere keine Spur. Stattdessen tragen Schüler Celli durch die Gänge, Klarinettenkoffer werden geöffnet, Geigen gestimmt. Immer freitags zwischen 13.30 und 15 Uhr probt in Weißenhorn das Sinfonieorchester – und dessen Leiterin Karoline Mauer kann sich über mangelndes Interesse nicht beklagen. Kein Wunder: Die Gymnasiasten haben nicht nur Spaß am Musizieren – sie sind auch erfolgreich. Beim von der Organisation „Jeunesses musicales Deutschland“ (JMD) ausgelobten Deutschen Jugendorchesterpreis haben die Schüler aus der Fuggerstadt den dritten Preis erhalten. Schulleiter Klaus Schneikart: „Eine tolle Bestätigung unserer Arbeit.“

Die JMD ist die deutsche Sektion der Jeunesses Musicales International (JMI), die nach eigenen Angaben größte musikalische Jugend-Kulturorganisation der Welt. Und der Jugendorchesterpreis ist nicht irgendein Preis: 50 Ensembles hatten sich für diesen beworben, 14 wurden ausgewählt und von einer Jury besucht. Schulleiter Schneikart zufolge war Weißenhorn das einzige Schulorchester in der Endauswahl, die Konkurrenten waren überwiegend Jugendsinfonieorchester und -blasorchester – also Ensembles, die teils ganz andere Ansprüche haben und weniger unter Fluktuation und Lücken in den Registern leiden. „Dieses Jahr habe ich Probleme im Blech“, sagt Dirigentin Mauer. „Und Bratsche habe ich nie.“ Etwa 50 Kinder und Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren spielen derzeit in dem Orchester.

Dass im NKG gute Arbeit gemacht wird, das hat sich in der Region schon herumgesprochen. Das alleine genügte aber nicht, um beim Orchesterpreis so weit vorne zu landen. Überzeugt haben die Fuggerstädter die Jury durch ein besonderes Projekt. Denn in den vergangenen Jahren besuchten sieben angehende Abiturienten ein P-Seminar zum Thema „Wie leite ich ein Orchester?“. Sie legten ein Konzertprogramm fest: Filmmusik unter anderem aus „James Bond“, „Rocky“ und „Der Hobbit“. Sie kümmerten sich um Programmheft und Öffentlichkeitsarbeit. Sie studierten mit dem Orchester die Stücke ein. Sie bereiteten sich in Workshops mit Profi-Dirigenten, -Musikern und einer Schauspielerin auf den großen Auftritt vor. Und sie dirigierten schließlich bei einem Konzert im Januar. „Das war wirklich maximale Schülerbeteiligung“, sagt Mauer, stolz auf ihre Schützlinge.

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Die frohe Botschaft von der Auszeichnung erreichte die Schüler in den Sommerferien. Die Orchesterchefin erfuhr davon nur über Umwege, wie sie lachend erzählt. „Eine Schülermutter hat mir eine Mail geschrieben, die habe ich in Italien auf mein Handy bekommen.“ Geärgert hat sie das nicht – im Gegenteil: Schließlich sei es der Erfolg der Schüler gewesen. Zur Belohnung durften nun zwei aus dem Orchester zu einem Workshop nach Weikersheim fahren: Larissa Frank (Horn) und Paula Himmighöfer (Klarinette), beide 14 Jahre alt, beide in der Klasse 9a. Sie spielten dort mit jungen Musikern aus ganz Deutschland zusammen – und waren auch bei der Preisgala dabei.

Beide erzählen gerne, wie die Zusammenarbeit mit dem P-Seminar erlebt haben. „Ich war am Anfang nicht sicher, ob das funktioniert“, gibt Paula zu. Aber die gemeinsamen Proben überzeugten sie und ihre Kollegen. Larissa war beeindruckt vom Mut der Abiturienten: „Man muss sich erst einmal trauen, da vorne zu stehen. Wir waren alle stolz.“ Ob sie die Anwesenheit der Jury im Januar ein bisschen eingeschüchtert hat? Die beiden schütteln den Kopf. „Das war für uns ein ganz normales Konzert“, sagt Paula. Und Larissa ergänzt: „Ein Konzert zu spielen macht immer Spaß.“

Viel Zeit zum Feiern bleibt am NKG allerdings nicht: Dort hat längst wieder der Alltag begonnen – und zusammen mit den sieben P-Seminar-Dirigenten hat rund ein Drittel des prämierten Orchesters die Schule verlassen. Leiterin Mauer muss also, wie fast jedes Jahr, den Umbruch managen. Geblieben sind aber die 1000 Euro Preisgeld von „Jeunesses musicales“. Die kommen in die Kasse in eine Konzertreise: Im Mai 2018 fährt das Orchester in die Weißenhorner Partnerstadt Valmadrera am Comer See in Italien. Am Programm dafür, das unter anderem Musik von Ravel und Schostakowitsch umfasst, wird am NKG schon fleißig geprobt.

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