Newsticker

Kultusministerium: Mehr als 8800 Schüler sind in Bayern wegen Corona in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Jugendrandale? Fehlanzeige!

24.06.2009

Jugendrandale? Fehlanzeige!

Neu-Ulm (grr) - Es ist also alles gar nicht so schlimm, was junge Menschen an ihren unterschiedlichen Treffpunkten im Stadtgebiet am frühen Abend und in der Nacht so anstellen. Städtische Jugendpflege und Schulsozialarbeiter haben auf monatelangen nächtlichen Begehungen der Plätze meist nicht mal Leute angetroffen, die Böses hätten tun können.

207 Begehungen

Einem entsprechenden Beschluss des Ausschusses für Bürgerdienste, Familie und Kultur folgend hatten Sozialarbeiter und Jugendpfleger insgesamt 207 "Begehungen" durchgeführt. Sie sollten Informationen zusammentragen für einen "Situationsbericht" an den Ausschuss. Jeweils zwischen 19 und 22 Uhr hatten sie seit Mitte Januar entsprechende Versammlungsorte in der Innenstadt, in Wiley, Pfuhl, Burlafingen, Ludwigsfeld und Offenhausen aufgesucht - mit ernüchterndem Ergebnis.

An 82,6 Prozent der angefahrenen Treffpunkte wurden in diesen Zeiten keinerlei Besucher angetroffen. Nur in 36 Fällen fanden die städtischen Mitarbeiter tatsächlich junge Leute vor. Aber diese Wenigen konnten auch nicht weiterhelfen. Teilweise, hieß es, habe keinerlei Interesse an einem Gespräch bestanden. Die Jugendlichen beschäftigten sich lieber mit Ballspielen und Trampolinspringen. Auch Skeptiker seien angetroffen worden, die in den Sozialarbeitern erst mal nur städtische "Spione" vermuteten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Fazit der nächtlichen Streifengänger: "Aus Sicht der Jugendpflege wurden auf den fünf Monate lang durchgeführten Rundgängen keine besonderen Auffälligkeiten festgestellt, die über das Maß in vergleichbaren Gemeinden hinausgehen". Nicht mal gravierende oder auch nur leichte Verschmutzungen oder Beschädigungen seien an den Plätzen ermittelt worden.

Problematik nicht dramatisieren

Angesichts dieses Ergebnisses riet Oberbürgermeister Gerold Noerenberg im Ausschuss dazu, die immer mal wieder vorgebrachte Problematik der Jugendtreffs nicht zu dramatisieren. "Vor drei Jahren war noch alles in Ordnung, und nun soll plötzlich eine Welt zusammenbrechen". Er warne zudem davor, Jugendliche mit jungen Erwachsenen zu verwechseln. Dennoch werde die Stadt als Hausherr wachsam bleiben. Günter Kammerer (SPD), der gemeinsam mit weiteren Stadträten den Bericht beantragt hatte, blieb unzufrieden. Er selbst entsorge auf seinen Rundgängen jährlich zwischen siebzig und achtzig Flaschen an den Jugendtreffs. Er schlug vor, Kontaktstellen einzurichten, denen die Anwesenheit junger Leute an den Plätzen gemeldet werde. Dann könnten gezielt Verbindungen hergestellt werden. "Das Thema ist noch nicht weg vom Tisch".

Christa Wanke (CSU) und Christina Richtmann (FWG) bedankten sich für die ganz "tolle und wichtige Arbeit der Jugendhilfe". Sie habe wohl die richtige Einschätzung der Situation geliefert. "Einige Wenige machen Vielen alles kaputt", bedauerte Wanke, und Richtmann regte an, Jugendliche und Erwachsene vermehrt zusammenzuführen.

Dem Oberbürgermeister dienten die Ermittlungen der Jugendpflege als Zwischenbericht. Die Begehungen werden - in kleinerem Umfang - fortgesetzt und könnten in der warmen Jahreszeit mit ihren hellen Nächten möglicherweise zu anderen Erkenntnissen führen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren