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22.11.2015

Kaffee-Dieb verrät sich bei Polizei

Weil er sich mit Kaffeediebstahl das Leben finanzieren wollte, stand ein 26-Jähriger vor dem Neu-Ulmer Amtsgericht.
Bild: Alexander Kaya

Eigentlich wollte er nur einem Freund den Ausweis auf die Wache bringen – am Ende landet ein 26-Jähriger vor dem Neu-Ulmer Amtsgericht.

Weil ein Goldschmied aus Rumänien bei der Polizei freimütig erzählt hat, er sei in Deutschland, um sich mit Kaffeediebstahl den Lebensunterhalt zu verdienen, wurde er nun am Neu-Ulmer Amtsgericht zu einer Geldstrafe von insgesamt 600 Euro verurteilt. Dabei hatte der 26-Jährige eigentlich nur einem festgenommen Freund den Ausweis auf die Wache bringen wollen.

Im Februar dieses Jahres war in einem Sendener Discountmarkt aufgefallen, dass von einer bestimmten Kaffeemarke 48 Päckchen fehlten, nachdem das Zentrallager dazu eine Warnung heraus gegeben hatte. Deshalb beobachtete ein Angestellter das betreffende Regal und stellte an einem Nachmittag fest, dass sich fünf Personen – aus seiner Sicht verdächtig – im Kassenbereich herumtrieben: Auffallend war, dass alle fünf sehr dicke Daunenjacken trugen, die von der Größe her nicht zur jeweiligen Statur passten.

Der Angestellte verfolgte einen der fünf Männer, nachdem dieser über eine geschlossene Kasse getürmt war, stellte ihn zur Rede bracht ihn zurück in den Laden. Dort gab der Verdächtige drei Packungen Kaffee zurück. Bei der Überprüfung im Ladenbüro stellte sich allerdings heraus, dass er unter der Daunenjacke einen Damenbadeanzug trug, in dem er noch fünf weitere Kaffeepäckchen versteckt hatte. Die Polizei nahm ihn deshalb mit auf die Wache. Die anderen verdächtigen Personen hatten den Discounter zuvor verlassen, ohne dass sie genauer beobachtet oder gar überprüft worden waren.

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Bald darauf kam der 26-jährige Angeklagte in den Markt zurück und bezahlte die fünf Kaffeepackungen, die sein Freund bei sich gehabt hatte. Dort erfuhr er, dass dieser auf der Polizeiwache sei – und macht sich ebenfalls auf den Weg dorthin. Dem wachhabenden Beamten sagte er, dass er seinem Freund den Ausweis bringen wolle. Auf die Frage des Polizisten, warum er denn in Deutschland sei, erzählte er schließlich, dass er nach erfolgloser Arbeitssuche nun gemeinsam mit seinem Kumpel unterwegs sei, um sich durch Kaffeediebstahl den Lebensunterhalt zu verdienen.

In der Verhandlung vor Richterin Antje Weingart sagte der Angeklagte, der sich als Ausweis-Überbringer und durch seine Äußerung verdächtig gemacht hatte, nicht aus. Er ließ über seinen Verteidiger erklären, dass er den Tatvorwurf bestreite und keine weiteren Angaben machen werde. So war es für Rechtsanwalt Wolfgang Spoor aus Heidelberg nur folgerichtig, Freispruch zu beantragen, da aus seiner Sicht keinerlei Beweise für eine Mittäterschaft seines Mandanten vorlagen.

Oberstaatsanwalt Schroth sah das anders: Für ihn bestand kein Zweifel, dass der heute Angeklagte an der Tat im Sinne eines „gemeinschaftlichen Diebstahls“ beteiligt gewesen sei. Er forderte sechs Monate Haft auf Bewährung. Für Richterin Weingart war am Ende der Verhandlung klar, dass die Aussage bei der Polizei entgegen der Ansicht des Verteidigers sehr wohl verwertbar sei – denn sie sei spontan erfolgt: Der Polizist habe nicht direkt danach gefragt und nicht damit rechnen können, dass der Angeklagte eine Straftat zugeben werde. Außerdem sei die Frage, warum der 26-Jährige zuvor zu dem Markt gegangen sei, um die fünf Kaffeepackungen zu bezahlen, wenn er nichts von dem Diebstahl gewusst hätte. So wurde der Rumäne zu sechzig Tagessätzen je zehn Euro verurteilt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil Staatsanwalt und Verteidiger die einwöchige Bedenkzeit abwarten wollen. Wo die weiteren 40 im Discounter vermissten Kaffeepackungen geblieben waren oder wer die anderen Verdächtigen sind wurde nicht gefragt und blieb somit ungeklärt. Der Mittäter des 26-Jährigen erschien zum Gerichtstermin nicht. Sein Verfahren wurde abgetrennt, er dürfte nun per Haftbefehl gesucht werden. (wis)

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