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Kehrt in der Asylpolitik Vernunft ein?

Kehrt in der  Asylpolitik Vernunft ein?
Kommentar Von Ronald Hinzpeter
24.08.2018

Wer arbeiten  will, sollte arbeiten dürfen - aber das scheitert oft an der Flüchtlingspolitik

Offenbar kehrt langsam so etwas wie Vernunft in der bayerischen Flüchtlingspolitik ein. Bislang wurden gut integrierte Asylbewerber, die zwar nicht anerkannt waren, jedoch zur Schule gingen oder einen Ausbildungsvertrag hatten, abgeschoben – was nicht nur die Helferkreise massiv empörte. Wurden doch ausgerechnet solche Menschen ins Flugzeug gesetzt, die hier dazugehören wollten und auch etwas dafür taten, nämlich sich zu qualifizieren, um entsprechend arbeiten zu können. Die waren halt leicht aufzugreifen, denn die konnten am Arbeitsplatz oder in der Schule abgeholt werden. Allein aus dem Landkreis Neu-Ulm mussten Anfang Juli fünf junge Männer gehen. Eigentlich stand sogar noch ein sechster auf der Liste, ein Afghane aus Elchingen. Doch der hatte Glück und war nicht in seiner Unterkunft, als die Polizei anrückte. Auch er hatte einen gültigen Ausbildungsvertrag. Wäre er damals erwischt worden, hätte Bundesinnenminister Horst Seehofer übrigens nicht seine zynische Bemerkung machen können, dass an seinem 69. Geburtstag 69 Afghanen abgeschoben wurden. Es wären 70 gewesen.

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Mittlerweile gibt sich die CSU beim Thema Flüchtlinge und Ausbildung flexibler, denn sie hat endlich die Signale aus Industrie und Handwerk gehört. Dort werden Fachkräfte dringend gebraucht. Das sind nicht nur Menschen, die den Unternehmen zu höherem Profit verhelfen, sondern auch Steuern und Sozialabgaben zahlen.

Natürlich sind nicht alle Flüchtlinge gleich motiviert, gleich ehrgeizig und gleich leistungsfähig. Doch denen, die etwas tun wollen, muss der Staat die Möglichkeit dazu geben. Die IHK Schwaben ist übrigens sehr zufrieden damit, wie sich die Flüchtlinge in der Ausbildung schlagen. Bei den letzten Gesellenprüfungen bestanden 58 von 78 ihren Abschluss. Wie es der IHK-Regionalgeschäftsführer Oliver Stipar formuliert, ist das „ eine super Quote“. 93 Prozent der erfolgreichen Absolventen werden von ihren Arbeitgebern übernommen.

Der Präsident des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, hat es vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels einen „gesamtgesellschaftlichen Unsinn“ genannt, ausgerechnet diejenigen abzuschieben, die von den Betrieben zu dringend benötigten Mitarbeitern ausgebildet werden. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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