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Landkreis Neu-Ulm

04.01.2021

Keine Corona-Impfungen im Kreis Neu-Ulm möglich: Landrat Freudenberger ist "not amused"

Warten auf den Pieks: Landrat Thorsten Freudenberger ist mit der stockenden Impfstoff-Lieferung unzufrieden. Doch auch bei der Organisation im Landkreis hat es wieder Probleme gegeben.

Plus Der Corona-Impfstoff ist im Landkreis Neu-Ulm ausgegangen. Eine Nachlieferung soll erst zum Ende der Woche kommen. Landrat Freudenberger ist unzufrieden und sagt das auch der Ministerin.

Der Start der Impf-Kampagne verläuft derzeit reichlich stotternd. Es fehlt sozusagen am Treibstoff, dem Anti-Corona-Vakzin. Das ist im Landkreis Neu-Ulm bereits wieder ausgegangen, weshalb von Dienstag an vorerst nicht geimpft werden kann. Das bremst auch die Bemühungen aus, neben Weißenhorn zügig die Impfzentren in Illertissen und Neu-Ulm in Betrieb zu nehmen. Landrat Thorsten Freudenberger ( CSU) hat am Montag gegenüber der Gesundheitsministerin Melanie Huml „mit aller Deutlichkeit“ gesagt, dass er mit der stockenden Impfstoff-Versorgung unzufrieden sei.

Neu-Ulms Landrat Freudenberger ist wegen fehlendem Corona-Impfstoff unzufrieden

Im Gespräch mit unserer Redaktion bemühte Freudenberger einen Ausdruck, der normalerweise der englischen Königin in den Mund gelegt wird, wenn es mal wieder Unbill bei Hofe gab: Er sei „not amused“, also wenig erbaut. Er habe der Ministerin die Situation geschildert und stieß offenbar auf offene Ohren, denn Huml hatte vergangene Woche ebenfalls eine kontinuierliche Impfstoffversorgung angemahnt.

Eigentlich stünde alles bereit, so Freudenberger, doch die zögerliche Impfstofflieferung sei sehr ärgerlich. „Die Unplanbarkeit bereitet uns Probleme. Wir brauchen mehr Planungssicherheit.“ Manchen Unmut über Terminausfälle könne er nachvollziehen: „Ich verstehe das natürlich. Wir impfen gerne, brauchen dafür aber dringend zuverlässigere Impfstofflieferungen. Hier muss der Bund nun liefern.“

Bisherige Corona-Impfungen im Landkreis Neu-Ulm gut verlaufen

Denn grundsätzlich sind nach Einschätzung des Landrats die Impfungen ja gut angelaufen. In der ersten Woche – am 27. Dezember ging’s los – wurden 1350 Impfdosen verabreicht, davon 500 in Alten- und Pflegeheimen. „Bei den bisherigen Impfungen lief alles gut.“ Diese vorläufige Bilanz der ersten Woche zog Dr. Peter Czermak, ärztlicher Leiter des Impfzentrums in Weißenhorn. „Bei niemanden sind Nebenwirkungen aufgetreten.“ Die Stimmung bei den Menschen, die sich immunisieren lassen wollen, sei sehr gut gewesen.

Die Nachfrage nach Terminen ist nach Einschätzung der Kreisverwaltung erfreulich hoch, allerdings in der Kürze der Zeit und wegen fehlendem Impfstoff nicht sofort zu bewältigen. Die telefonische Anmeldung war immer wieder überlastet, deshalb hat das Landratsamt zusätzliches Personal angeheuert. Der Landrat bittet um Verständnis, wenn nicht alles reibungslos klappt, „denn wir haben ja erst eine Woche Betriebserfahrung“.

Kein Corona-Impfstoff bis Ende der Woche

Allerdings steht von Dienstag an kein Impfstoff mehr zur Verfügung, Nachschub wird erst zum Ende der Woche erwartet. Deshalb werden derzeit keine Termine mehr vergeben. Das Landratsamt bittet Interessierte, sich erst gegen Ende der Woche darum zu bemühen. Im Moment gehen die Planungen davon aus, dass ab dem 10. Januar wieder geimpft werden kann – falls die nächste Lieferung des Vakzins rechtzeitig eintrifft. Davon hängt auch ab, wann die Zentren in Illertissen und Weißenhorn in Betrieb gehen können. Das soll erst erfolgen, wenn genügend Material zur Verfügung steht.

Grundsätzlich spricht der Landrat von sehr vielen positiven Rückmeldungen und von einer hohen Zufriedenheit. Allerdings machen die Menschen recht unterschiedliche Erfahrungen, wie zwei E-Mails an unsere Redaktion verdeutlichen: Dorothea Zeller aus Elchingen schrieb am Sonntag: „Ich habe heute meine 87-jährige Mutter ins Impfzentrum Weißenhorn begleitet. Es ist mir ein großes Anliegen, unseren herzlichsten Dank für die perfekte Organisation und den bestens organisierten Ablauf und die Freundlichkeit des Personals auszusprechen.“

Renate Seiler aus Pfaffenhofen hingegen hatte weniger Glück. Sie bekam einen Impftermin für ihren Mann am 1. Januar und freute sich, dass auch am Neujahrstag Spritzen verabreicht würden. Die Begeisterung verflog rasch, als sie am Freitag mit ihrem Mann vor dem Impfzentrum in Weißenhorn stand: Das war geschlossen. Sie traf auf andere Menschen, die ebenfalls für den 1.1. einen Termin bekommen hatten. Erneut rief sie bei der Service-Nummer an: „Eine junge weibliche Stimme teilte mir mit, dass dieses Impfzentrum heute geschlossen sei“, schreibt Renate Seiler an das Landratsamt. Die junge Frau habe auch nicht erklären können, warum den Betroffenen keine Information über die Schließung gegeben wurde. Sie sei vielmehr „hilflos und in Anbetracht der geschilderten Situation völlig überfordert“ gewesen.

Wie Landkreis-Sprecherin Kerstin Weidner auf Nachfrage sagte, sei da ein nicht mehr nachvollziehbarer Fehler passiert. Es hätten für den 1. Januar keine telefonisch vereinbarten Termine vergeben werden dürfen.

Wer wird jetzt geimpft?

Bei der Impfung gibt es eine Priorisierung. Aktuell ist die Stufe 1 (höchste Priorität) an der Reihe. Dazu gehören laut Landratsamt:

  • Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben (ab dem 80. Geburtstag),
  • Personen, die in stationären Einrichtungen für ältere oder pflegebedürftige Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind,
  • Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen,
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit hohem Expositionsrisiko wie insbesondere Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdiens-te, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, SARS-CoV-2-Impfzentren und in Bereichen mit infektionsrelevanten Tätigkeiten,
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen, die Menschen behandeln, betreuen oder pflegen, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf besteht, wenn sich diese mit dem Coronavirus infizieren (v. a. Hämato-Onkologie und Transplantationsmedizin).

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