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Ulm

19.08.2020

Keine Hinweise auf Kindesentführung in Ulm: Viel Lärm um nichts?

Einen intensiven Polizeieinsatz hat am Dienstag die Meldung ausgelöst, in der Ulmer Oststadt sei ein Kind entführt worden.
Bild: Symbolbild: Alexander Kaya

Plus Ein großer Polizeieinsatz am Dienstag im Bereich der Eberhardtstraße in Ulm hat für Aufregung gesorgt. Im Netz wird kontrovers diskutiert und spekuliert.

Ein großer Polizeieinsatz am Dienstagnachmittag im Bereich der Eberhardtstraße in Ulm hat für viel Aufregung gesorgt. Vor allem in den sozialen Netzwerken wurde mit einer vermeintlichen Schreckensnachricht eine Welle der Bestürzung ausgelöst: Wurde in der Ulmer Oststadt ein Kind entführt? Oder ist womöglich alles nur ein Irrtum?

Die Polizei hielt sich am Dienstagabend auf Nachfrage unserer Redaktion zum Großeinsatz noch bedeckt, äußerte sich erst am Mittwochmorgen ausführlicher zu den Hintergründen.

Eine Zeugin soll demnach eine Entführung vermutet und sich daraufhin gegen 14 Uhr an Polizei gewandt haben. Sie habe mehrere Männer in der Eberhardtstraße beobachtet, wie diese offenbar ein Kind gegen dessen Willen in ein Auto gebracht haben sollen.

Anfangs sprach die Polizei von drei Männern, die gesucht werden. Im Zuge der Ermittlungen seien aber weitere Zeugen ausfindig gemacht worden, die Ähnliches gesehen haben sollen. Die Aussagen seien zum Teil so verschieden gewesen, dass die Anzahl der Männer nun nicht näher bestimmt werden könne, erklärt Polizeisprecher Wolfgang Jürgens.

Zeugin zur Ulmer Polizei: Unbekannte sollen Kind in ein helles Auto gebracht haben

Die unbekannten Männer sollen dann mit dem etwas sechs bis sieben Jahre alten Kind mit einem hellen Auto weggefahren sein. In den sozialen Medien war von einem weißen Transporter die Rede, auch Teile eines mutmaßlich Ulmer Kennzeichens wurden genannt. Den Ermittlern würden diese Hinweise zwar vorliegen, gesichert sei das aber nicht, so Jürgens. Einer der Männer soll aber möglicherweise eine gelbe oder orangene Jacke getragen haben.

Die Polizei leitete sofort eine umfangreiche Suche nach dem Auto und dem Kind ein, einschließlich einer Ringfahndung. Es sei intensiv ermittelt worden.

Augenzeugen berichteten am Dienstagabend unserer Redaktion, dass der Polizeieinsatz vor Ort über vier Stunden andauerte. Das Kind soll schreiend in ein helles Auto gebracht worden sein, berichtete eine Anwohnerin unserer Redaktion. Die Beamten hätten Durchsagen auf dem Parkplatz eines nahe gelegenen Supermarktes gemacht. Zahlreiche Anwohner sowie Passanten seien befragt worden.

Polizei nach Einsatz in der Oststadt: "Vielleicht liegt auch gar keine Straftat vor"

Laut Polizei dauerten auch in der Nacht zum Mittwoch die Ermittlungen an und sollen noch weitergeführt werden. Die Beamten beschäftigen diese Fragen:

  • Wer ist am Dienstag gegen 14 Uhr in der Eberhardtstraße in Ulm mit einem Kind in ein Auto gestiegen und weggefahren?
  • Wer hat einen solchen Vorfall noch beobachtet?
  • Wer kann sonst Hinweise geben?

Bislang liegen der Polizei keine Hinweise vor, dass tatsächlich eine Entführung stattgefunden hat. Auch sei bislang kein Kind als vermisst gemeldet worden. "Vielleicht liegt auch gar keine Straftat vor. Möglicherweise waren auch nur Eltern mit ihrem Kind uneins", sagt Jürgens. Die Ermittler hoffen, dass sich womöglich auch die betroffene Familie meldet und so Licht ins Dunkel bringt.

Also am Ende viel Lärm um nichts? "Nein", so der Polizeisprecher. "Die Zeugin hat gut und richtig reagiert. Wir sind froh, wenn sich Zeugen melden. Und dann ist es unsere Aufgabe herauszufinden, was dahinter steckt."

Kind in Ulm entführt? Warum die Polizei erst am Mittwoch berichtet

Auch in den sozialen Netzwerken wird kontrovers über den Polizeieinsatz diskutiert und spekuliert. In einem Post schreibt eine Nutzerin von einer "vermutlichen Entführung". Sie sei von der Polizei gebeten worden, die Information weiterzugeben - zu einem Zeitpunkt, als sich die Ermittler zumindest öffentlich nicht im Detail zu den Hintergründen äußern wollten. Aus taktischen Gründen, sagt Jürgens. "Das Leben und die Gesundheit der Beteiligten ist das höchste Gut. Mit vorschnellen Informationen können wir das gefährden."

Die Nachricht im Netz löste jedoch einen Schneeballeffekt aus, war öffentlich zugänglich und wurde hunderte Male geteilt. Im schlimmsten Fall könnten also auch Täter so an Informationen kommen. Verurteilen will Polizeisprecher Jürgens den Umgang der Menschen mit den sozialen Medien aber nicht: "Das steht mir nicht zu", sagt er. "Wir müssen nur lernen damit umzugehen." Die Bevölkerung habe ihr Recht darüber zu kommunizieren - auch über die neuen Medien.

Hinweise nimmt die Kriminalpolizei in Ulm unter der Telefonnummer 0731/1880 entgegen.

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