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06.10.2009

Keine Küche - Karnevalisten kochen

Weißenhorn "Keine Küche, keine Fasnacht" - sinngemäß mit diesem Ultimatum konfrontierte der PWG-Stadtrat und Vorsitzende der IWF ("Interessengemeinschaft Weißenhorner Fasnacht") Bruno Simmnacher am Montagabend seine Kollegen des Stadt-Kulturausschusses.

Wie berichtet, hat der TSV Weißenhorn vor einiger Zeit seine ihm gehörende Küche in der Weißenhorner Stadthalle abgebaut - ein Entschluss, der zwar "respektiert", aber "nicht "begrüßt" wurde, wie Bürgermeister Dr. Wolfgang Fendt diplomatisch seinen mutmaßlichen Unmut über das Vorgehen des Vereins verklausulierte.

Die Folgen der fehlenden Küche seien gravierend, Veranstaltungen stünden auf der Kippe, wenn Besucher nicht adäquat verköstigt werden können. In Sonderheit die IWF als örtlicher Sachwalter des närrischen Brauchtums fürchtet, dass wegen des Fehlens einer Hallen-Kombüse Fasnachtsveranstaltungen gestrichen werden müssen. Die Sorgen und Nöte der organisierten Narrenschar wurden denn auch in einem Brief an den Bürgermeister dargelegt, worin auch angedeutet wurde, dass der IWF bei der Gestaltung des Stadtjubiläums größte Zurückhaltung üben könnte - sollte der Jecken-Dachverband von der Stadt keine Unterstützung in der Küchenproblematik erhalten.

Bürgermeister Fendt war sich der Brisanz der Angelegenheit anscheinend bewusst - er setzte deshalb den Punkt auf die Tagesordnung des Kulturausschusses, um in dem Gremium eine Art Gedankenaustausch anzustoßen. Stadtbaumeister Burkhard Günther erhielt den Vortritt. Er präsentierte Überlegungen der Stadtverwaltung, eine Küche an die Westseite der Halle, unmittelbar an das Foyer, anzubauen. Ungelegt waren diese Eier offenkundig nicht, aber dem Vorschlag mangelte es an gewisser Detailgenauigkeit. Weder konnte Günther sagen, wie groß der Anbau sinnvollerweise sein muss, noch wurden irgendwelche Euro-Beträge genannt. Angesichts der Tatsache, dass im kommunalen Haushalt kein müder Cent für eine Hallen-Küche vorgesehen ist, ein eher lässliches Versäumnis.

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Bruno Simmnacher dagegen konnte vor gut 30 Sitzungs-Besuchern eine Art Heimwerkerlösung präsentieren, die gegenüber dem Anbau-Vorschlag den Vorteil hat, relativ zeitnah vor der Karnevalskampagne umgesetzt werden zu können. Die Anbaulösung gefiel ihm offenbar nicht, denn das Foyer sei eigentlich Garderobe. Niemand wolle, dass den Kleidern anschließend Essengeruch anhafte. Ihm und seinen IWF-Kollegen schwebt ein "Provisorium" in Form eines "gebrauchter Möbelwagen" vor, in dem die ausgemusterte Schulküche des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums installiert werden könnte. Dieses Fuhrwerk müsse dann bloß vor der Stadthalle postiert werden. Wasser- und Stromanschluss könnte nach Simmnachers Ansicht aus der Halle erfolgen. Genaue Kosten konnte er zwar auch nicht nennen - eher Schätzungen, die sich anfangs zwischen 14 000 und 20 000 Euro bewegten, abschließend bei 15 000 einpendelten, da der PWG-Stadtrat sich sicher war, dass der NKG-Küchen-Besitzer Landkreis der Stadt Weißenhorn noch "entgegenkommen" werde.

Allgemein wurde am Ratstisch der Vorschlag eines Hallenanbaus zwar begrüßt, doch wurden etliche Haare in der Suppe gefunden. Die Größten waren, dass sowohl kein Geld vorhanden ist als auch, dass auf die Kürze eine Küche nicht angestückelt werden kann.

Thomas Schulz (SPD) zum Beispiel sprach in Sachen Möbelwagen-Küche die Frage der Gewährleistung an. Er berichtete von einer Firma, die eine Art Küchen-Container vermietet. Michael Schrodi (CSU) dagegen interpretierte "Provisorium" anders. Er meinte, dass eine Faschingssaison auch ohne Küche bewerkstelligt werden könne. Bier könne ohnehin in Flaschen verabreícht werden. Den Möbelwagen bezeichnete er wörtlich als "Schmarren".

Dem Kollegen Simmnacher war die Diskussion anscheinend zu belanglos, sodass er eingangs erwähntes Ultimatum stellte. Falls die Küchenfrage nicht beantwortet werde, werde er noch am selben Abend der IWF-Vorstandschaft die Absage der Fasnacht 2010 vorschlagen. Ohnehin sei schon jetzt die Zeit knapp, Verträge mit Kapellen und Ähnlichem abzuschließen.

Letztendlich sandte der Ausschuss ein "Signal" (Bürgermeister Fendt) an die IWF aus: Die Verwaltung prüft, wie eine zeitnahe Lösung in Sachen Küche zu machen ist; weiterhin wird im Rathaus überlegt, wie eine langfristige Lösung aussehen kann, bei der auch die Toiletten-Problematik einfließen wird.

Bürgermeister Dr. Fendt: "Das Signal ist: Wir werden alles tun, was möglich ist. Aber es muss möglich sein."

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