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Ulm

11.04.2019

Kickboxer-Mord: Ermittlungen bringen Polizei auf Drogen-Spur

Ein Bild aus dem Jahr 2016: Blumen liegen vor dem Grab des ermordeten Kickboxers.
Bild: Katharina Dodel (Archivfoto)

Nach dem Mord an einem Kickboxer gerät ein Mann in Verdacht, Anstifter der Tat gewesen zu sein. Beweise dafür fand die Polizei nicht – dafür aber 50 Kilogramm Drogen.

Der kaltblütige Mord am früheren Kickbox-Weltmeister Musa Musalaev, der am 18. November 2016 vor dem Hochhaus in der Breslauer Straße in Ludwigsfeld erschossen wurde, ist noch immer nicht aufgeklärt. Doch er spielte in einem jetzt zu Ende gegangenen Drogenprozess vor dem Ulmer Landgericht eine Rolle. Wegen Drogenschmuggels im größeren Stil wurden nun ein mehrfach vorbestrafter Erbacher Großdealer und seine zwei Gehilfen aus Bulgarien und Moldawien zu hohen Freiheitsstrafen von vier Jahren und zehn Monaten bis zu sechs Jahren und acht Monaten verurteilt.

Beim Prozess, der über mehrere Monate lief, gab es in der umfangreichen Beweisaufnahme eine Überraschung: Es stellte sich heraus, dass der Organisator der Schmuggelfahrten mit rund 50 Kilogramm Marihuana nach dem Ludwigsfelder Mord in den Fokus der Ermittlungsgruppe der Kripo geraten und verdächtigt worden war, der Anstifter des Mordes an dem ehemaligen Kickboxer gewesen zu sein. Doch dieser Anfangsverdacht bestätigte sich offensichtlich nicht, man kam dem Mann aber als Drogenschmuggler auf die Schliche.

Kickboxer Musa Musalaev wurde 2016 in Neu-Ulm erschossen

So gibt die grausame Hinrichtung des Russen, der mit seiner Familie zurückgezogen in Ludwigsfeld gelebt hatte, heute noch Rätsel auf. Trotz einer hohen ausgelobten Belohnung und zahlreicher Hinweise konnte die Polizei den Täter nicht fassen. Der Killer arbeitete offenbar hochprofessionell und lauerte vor dem Hauseingang des Wohngebäudes im Schutz der Dunkelheit seinem Opfer auf. Als Musa Musalaev ins Freie trat, schoss der Unbekannte auf ihn, stieg dann als Beifahrer in ein bereitstehendes dunkles Fahrzeug unbestimmten Typs und flüchtete zusammen mit dem mutmaßlichen Komplizen. Zeugen beschrieben den Pistolenschützen als hageren, schwarz gekleideten Mann, der maskiert gewesen sei.

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Die Fahndung der Polizei mit einem Großangebot an Beamten, Spürhunden und Hubschrauber blieben erfolglos. Der 37-jährige Russe wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er kurz drauf seinen Schussverletzungen erlag. Die Neu-Ulmer und Ulmer Kriminalpolizei arbeiteten in einer Sonderkommission eng zusammen, Dutzende Hinweise und Hunderte Spurenkomplexe wurden ausgewertet, doch ein Durchbruch ist den Beamten bis heute nicht gelungen. Die Polizei hatte im Verlauf ihrer Ermittlungen zunächst berichtet, dass es Spuren ins Drogenmilieu gebe. Es hieß, dass das Verhalten des Opfers vor der Tat zu einer Reihe von denkbaren Mordmotiven führte, etwa Vormachtkämpfe im Betäubungsmittelmilieu. Der Getötete war gebürtiger Kasache und in Russland ein erfolgreicher Kampfsportler. Im Kickboxen und in der Disziplin Mixed Martial Arts war er mehrfacher Weltmeister. Seit 2013 lebte Musalaev mit seiner Familie in Deutschland und hinterließ nach seiner Ermordung seine Frau und drei Kinder.

Drogenprozess in Ulm: 50 Kilo Marihuana geschmuggelt

Nach der Mordtat in Ludwigsfeld überwachte die Polizei die Telefone des Hauptangeklagten im jetzt abgeschlossenen Ulmer Drogenprozess. Es ergaben sich Hinweise, dass der Erbacher im großen Umfang mit Drogen schmuggelte und die beiden Komplizen aus Bulgarien und Moldawien für Kurierfahrten einsetzte. Bei einer Kontrolle dieser Gehilfen im März 2018 an der tschechischen Grenze waren mehrere Akteure beteiligt. Zunächst zwei Bundespolizisten, die im Prozess auch als Zeugen gehört wurden. Diese durften nur nach offensichtlichen Drogenverstecken wie im Handschuhfach des Kurierfahrzeugs suchen. Sie fanden nichts. Aber auch die schwäbischen Beamten waren bei der konzertierten Aktion dabei und nahmen den Kurierfahrer fest. Der Zoll entdeckte dann in Ulm die Drogen bei einer gründlichen Untersuchung: Das Rauschgift war hochprofessionell in dem Auto verbaut.

Rund 50 Kilogramm Marihuana hat der Verurteilte von Kurieren nach Deutschland bringen lassen.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Lesen Sie auch: Wer erschoss den Kickboxer aus Ludwigsfeld?

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