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29.07.2010

Kiffer kennen kein Alter

Neu-Ulm Weil er Anfang 2009 Marihuana und Amphetamin an einen Minderjährigen "abgegeben" hat, ist gestern ein 33-Jähriger aus Senden vom Neu-Ulmer Schöffengericht zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Der heute von Hartz IV lebende Mann hatte in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres in seiner damaligen Wohnung in einem Ortsteil von Pfaffenhofen einem damals 17-Jährigen in zwölf Fällen insgesamt circa 50 Gramm Rauschgift besorgt, das dann entweder gemeinsam gekifft wurde oder das der Jugendliche weiter verhökerte.

Bei diesem Jugendlichen handelte es sich um den Aussteiger aus der Drogenszene, der am Dienstag bereits vor dem Landgericht Memmingen als Zeuge gegen einen Ecstasy-Dealer aussagte. Aufgrund dieser Aussage war der aus Neu-Ulm stammende Dealer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden (wir berichteten). Allerdings war der jetzt in der Bundeshauptstadt lebende Zeuge nach seinem Auftritt vor der ersten Strafkammer wieder nach Berlin gereist - offenbar hatte ihn die Vorladung vor das Neu-Ulmer Schöffengericht nicht erreicht.

Im Prozess in Memmingen hatte der einst Drogen konsumierende Zeuge berichtet, dass er, nachdem er den Kontakt zu dem Ecstasy-Dealer zum Jahreswechsel 2008/2009 abgebrochen hatte, weiterhin Rauschgift - vorwiegend Marihuana, gelegentlich auch Amphetamin - konsumiert und auch weiter verkauft habe. Als einen Lieferanten nannte er den Namen des Mannes aus Pfaffenhofen, der gestern auf der Anklagebank saß.

Nachdem die Vorsitzende Richterin Gabriele Buck sich überzeugt hatte, dass der Kronzeuge, der sich im Juni 2009 selbst bei der Neu-Ulmer Polizei angezeigt hatte, zumindest am Mittwoch nicht erscheinen wird, entschloss sich Pflichtverteidiger Alexander Kühne sozusagen zur Flucht nach vorn. In einem "Rechtsgespräch" zwischen ihm, dem Gericht und Staatsanwältin Alexandra Möhring wurde zunächst ein sogenannter Deal ausgehandelt: Bei einem Geständnis des Angeklagten liegt die Strafobergrenze bei einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung.

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Marihuana in "kleinem Park" in Weißenhorn gekauft

Obwohl klar war, dass der 33-Jährige nicht in den Bau muss, sprudelte es aber nicht gerade aus ihm heraus. Mehrfach mussten Gericht und Staatsanwaltschaft zur Wahrheitsfindung nachhaken. Dabei zeichnete sich aber recht deutlich ab, dass es sich bei dem Angeklagten nicht um den "klassischen Schulhoftäter" (Richterin Buck) handelt, der Jugendlichen Drogen verkauft, um sich damit einen "Kundenstamm" heranzuziehen. Vielmehr sei er mit dem Jugendlichen, für den er in einem "kleinen Park in Weißenhorn" Marihuana besorgte, in einer "Kifferrunde" vereint gewesen, insofern ein "minderschwerer Fall". Nicht abgenommen hat das Gericht dem Mann aber seine Beteuerung, er habe nicht gewusst, dass sein Rauch-Freund, der sich auch in einem Jugendhaus herumtrieb, noch U-18 war. Richterin Buck: "Das weiß man doch. Der 18. Geburtstag ist doch ein magisches Datum. Von da ab kann man Alkohol kaufen oder selbst Auto fahren."

Das strafmildernde Geständnis überwog bei der Urteilsfindung anscheinend das eher strafverschärfende Vorleben des Mannes. In seiner Geburtsstadt Karlsruhe war der in einem Heim aufgewachsene Angeklagte sage und schreibe 18 Mal straffällig geworden - darunter Delikte wie "schwarz" Busfahren oder Diebstahl geringwertiger Sachen, aber auch Drogenbesitz. Nach einer Alkohol- und Drogentherapie 2002 war aber sieben Jahre lang Ruhe, wie das Gericht feststellte. (kr)

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