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Kreis Neu-Ulm

24.03.2015

Kinderbande misshandelt Mitschüler - Polizei und Jugendamt greifen ein

Eine Kinderbande soll Mitschüler erpresst und geschlagen haben.
Bild: Symbolbild, Roland Ströbele

Kinder sollen im Kreis Neu-Ulm Mitschüler bedroht, erpresst und geschlagen haben. Nun wollen Jugendamt und Polizei dagegen vorgehen.

Das Jugendamt in Neu-Ulm schaltet sich jetzt in den am Wochenende bekannt gewordenen Fall ein, in dem eine bis zu sechsköpfige Bande von Problemkindern hauptsächlich im Sendener Stadtpark Mitschüler bedroht, erpresst, geschlagen und erniedrigt hat. Bei einem der Opfer handelt es sich um einen lernbehinderten Buben, der angesichts der massiven Drohungen seiner Mitschüler um sein Leben fürchtete.

 „Wir werden so bald als möglich Gespräche mit den Eltern der Kinder aufnehmen und dabei nach Lösungen suchen, welche Möglichkeiten der Hilfe angeboten werden können“, erklärte gestern der Chef des Jugendamtes, Tillmann Lassernig. Auch der Rektor und die Lehrer an der Sendener Mittelschule sind alarmiert.

Jugendamt spricht von Einzelfall 

Unterdessen ermittelt die Polizei weiter in dem spektakulären Fall, der großes Aufsehen erregt und bei den Eltern von Kindern, die ebenfalls die Werner-Ziegler-Mittelschule besuchen, große Besorgnis ausgelöst hat. Inzwischen haben auch schon Kamerateams privater Fernsehsender den Fall aufgegriffen und sind zu Dreharbeiten nach Senden gekommen. Erpresst, geschlagen und erniedrigt: Kinderbande misshandelt Mitschüler

Was sich offenbar in den letzten zwölf Monaten unter den Kindern abgespielt hat, ist für den Leiter des Jugendamtes alles andere als ein Massenphänomen. Bei einem derartigen Verhalten von Kindern im Alter zwischen elf und 13 Jahren handele es sich um einen Einzelfall. Wenn das Ermittlungsergebnis der Polizei auf dem Tisch liegt, müsse geklärt werden, welche möglichen Hilfen den Kindern und den Eltern angeboten werden können. Dazu werde auch mit dem Jugendsozialarbeiter der Werner-Ziegler-Mittelschule Kontakt aufgenommen.

Kinder sollen auf den richtigen Weg gebracht werden

Die Fragen, die sich für die zuständigen Experten stellen: Kann man diesen Fall noch mit einem Beratungsgespräch lösen oder muss den Familien der Täter ein Betreuer zur Seite gestellt werden? Denkbar sei ferner, dass Eltern und Kinder Trainingskurse an der Erziehungsberatungsstelle der katholischen Jugendfürsorge absolvieren müssen. Welches Angebot das momentan beste ist, lasse sich im derzeitigen Stadium pauschal nicht sagen.

Tillmann Lassernig ist zuversichtlich, dass der Fall mit „pädagogischen und erzieherischen Maßnahmen“ in den Griff zu bekommen ist. „Das kriegen wir schon hin“, sagte der Chef des Jugendamtes gestern. Noch sind die Kinder strafunmündig und können für ihre Taten nicht belangt werden. Finden sie aber nicht auf den richtigen Weg zurück, ändert sich das sehr schnell. Ab einem Alter von 14 Jahren landen sie mit einem derartigen Verhalten sehr schnell vor dem Jugendrichter.

Polizei beleuchtet das Umfeld der Kinder

Das aber wollen Jugendamt und die Sendener Polizei verhindern. Ziel müsse es sein, eine etwaige kriminelle Karriere der beteiligten Täter sofort zu stoppen, hatte auch Sendens stellvertretender Polizeichef Thomas Merk vergangene Woche betont. Die Ermittlung der Polizei in diesem Fall dauert noch an. Möglicherweise kommen dabei weitere Details der Übergriffe ans Licht. Die Beamten führen intensive Gespräche mit den Opfern und den Tätern, beleuchten das Umfeld der Kinder und befragen auch die Eltern.

Eine nicht immer einfache Aufgabe, zumal die Täter nach Polizeiangaben aus einem „sozial schwierigen Milieu“ stammen. Nicht nur in diesem Fall gebe es einen „sehr engen Kontakt zwischen Schule und Polizei.“ Dies habe sich in der Vergangenheit sehr bewährt, betonte Merk. Möglicherweise kommen bei den weiteren Ermittlungen weitere Details der Übergriffe ans Licht.

Mittelschul-Rektor zeigt sich "vollkommen überrascht"

Allerdings ist es offenbar nicht möglich, den inzwischen elfjährigen Haupttäter dauerhaft von der Mittelschule zu entfernen. Er könne allenfalls befristet vom Unterricht ausgeschlossen werden. Der Haupttäter des jüngsten Falles ist wegen anderen Vorkommnissen schon in der Schule aufgefallen und ist daher noch bis nach Ostern vom Unterricht ausgeschlossen.

Mittelschul-Rektor Frank Hortig ist, wie er gestern sagte, von den Geschehnissen im Stadtpark „vollkommen überrascht“ worden, da sich die Bedrohungen und Erpressungen nicht auf dem Schulgelände abgespielt haben. Dennoch sind sich er und seine Lehrerkollegen ihrer pädagogischen Verantwortung bewusst. Hortig gestern: „Wir bleiben bei unseren Gesprächen und pädagogischen Maßnahmen und wollen damit unsere Kinder auf dem richtigen Weg halten oder bringen.“ An der Schule werde alles getan, dass die Kinder untereinander gut zurechtkommen, betonte der Rektor.

Allerdings könnten die Lehrer nicht das Freizeitverhalten der Schüler verantworten, sagte Hortig. Ein dauerhafter Schulausschluss auffälliger Kinder sei nicht gewollt und an einer Regelschule auch nicht möglich, betonte der Schulleiter. Der jüngste Fall stelle eine absolute Ausnahme dar.

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