Newsticker
Bundesregierung stuft mehr als 20 Länder als Hochrisikogebiete ein
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Kinderbetreuung in Ulm: Brandbrief von OB Gunter Czisch

Ulm

23.05.2020

Kinderbetreuung in Ulm: Brandbrief von OB Gunter Czisch

Wie geht es in den Ferien mit der Notbetreuung weiter?
Bild: Hildenbrand/dpa

Der Ulmer Oberbürgermeister will, dass Lehrer in Ferien arbeiten. Er kritisiert auch Entscheidungen des Ministeriums. Doch es gibt massiven Widerspruch.

Mit einem Brandbrief zur Notbetreuung an Grundschulen während der Pfingstferien wendet sich Oberbürgermeister Gunter Czisch an die Schulleiter der Ulmer Schulen und an Kultusministerin Susanne Eisenmann. Er fordert dazu auf, „auch für die Pfingstferien die bestehenden Betreuungsangebote an den Schulen im bewährten Umfang aufrecht zu erhalten“. Hintergrund ist ein Schreiben des Kultusministeriums an die Schulleitungen. In dem Schreiben überlässt das Ministerium den Schulleitungen die Entscheidung über das Ob und den Umfang einer Notbetreuung, die Mitwirkung der Lehrkräfte solle hierbei auf freiwilliger Basis erfolgen.

Das werde nicht funktionieren, ist man bei der Stadt Ulm überzeugt: „Die Signale die uns diesbezüglich von den Schulen erreichen, lassen befürchten, dass ein Großteil der Schulen auf dieser Grundlage, insbesondere in den anstehenden Pfingstferien, keine Notbetreuung mehr anbieten wird“, schreibt Czisch. Dabei sei der Bedarf hoch und allein mit städtischem Personal nicht zu stemmen, zumal auch die Betreuungskräfte der Stadt in den letzten Wochen permanent im Einsatz waren und eine Vielzahl von Überstunden geleistet haben.

Ulm: OB Gunter Czisch fordert, dass Lehrer in den Ferien arbeiten

Die Entscheidung, ob es eine Notbetreuung gebe, dürfe nicht in jeder Schule anders gehandhabt werden: „Nicht nur wird es auf Unverständnis stoßen, wenn eine Schule Betreuung anbietet und die andere nicht, sondern vielmehr gerät auch das in dieser Krisensituation so wichtige Vertrauen in staatliche Strukturen und deren Verlässlichkeit ins Wanken“, argumentiert er.

„Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, für die Sorgeberechtigten, die in den letzten Wochen ohnehin im ständigen Spagat zwischen beruflicher Unabkömmlichkeit und familiären Herausforderungen waren, auch in den Ferien Betreuungszeiten vorzuhalten.“ OB Czisch kritisiert darüber hinaus die Altersgrenze von 60 Jahren für Lehrkräfte. „Wenn wir möglichst viele Kinder betreuen wollen, die Gruppengröße aber halbiert ist, dann brauchen wir alle, die nicht nachgewiesenermaßen zu einer Risikogruppe gehören“, sagt er. Für ihn stellt diese Altersgrenze ein zu pauschales und starres Kriterium dar.

Lehrerverbände hingegen laufen Sturm: Die Sicherstellung und ständige Ausweitung der Notbetreuung für Kinder stelle die betroffenen Schulen inzwischen vor nicht mehr leistbare Probleme. Auch Lehrer hätten einen Anspruch auf Erholung. Der Berufsstand wolle die hohe gesellschaftliche Verantwortung in dieser schweren Zeit annehmen und ernst nehmen. Das gehe aber nur, wenn auf die Grenzen der Belastbarkeit und Kollegen geachtet werde. (az/heo)

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren