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Konzert

21.05.2013

Klänge aus dem staubigen Paris des Ostens

Oana Catalina Chitu will das musikalische Erbe des Bukarester Tangos wieder aufleben lassen.
Bild: Peter Michael Bluhm

Die rumänische Sängerin Oana Catalina Chitu war mit ihrem Ensemble im Ulmer Lichthof zu Gast

Ulm Mit einem ungewöhnlichen Konzert an einem ungewöhnlichen Ort hat das Donaubüro Ulm-Neu-Ulm in Zusammenarbeit mit dem Verein „Donautango“ die Wiederauferstehung des rumänischen Tangos gefeiert. Die Sängerin Oana Catalina Chitu kam mit ihrem virtuosen südosteuropäischen Tangoensemble in den Lichthof des Ulmer Museums und erinnerte mit ihren süß-traurigen Liedern an das mondäne Leben in Bukarest, auch Paris des Ostens genannt, in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Den Völker verbindenden Aspekt solcher Veranstaltungen hob die Leiterin des Donaubüros Ulm/Neu-Ulm, Sabine Meigel, in ihrer Begrüßung hervor. Erst kürzlich machte sie auf einer Dienstreise auch in Bukarest Station und war fasziniert vom französischen Viertel der rumänischen Hauptstadt, wo Pariser Flair sich wieder ausbreitet. Baubürgermeister Alexander Wetzig eröffnete für den Verein „Donautango“ den Galaabend und betonte die Rolle der Donau mit zehn Ländern und zehn verschiedenen Kulturen. Den gleichen verbindenden Effekt erziele der Tango am Rio de la Plata, an der Donau und an der Seine.

Nach dem Konzert legte er zum Tangotanz Musik unter anderem aus Buenos Aires und Paris auf und gewann auf Anhieb zahlreiche neue Freunde dieser faszinierenden Musikrichtung.

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Gypsy vermählte sich mit dem argentinischen Tango

Tatsächlich hatte der Tango in den 1930er- und 40er-Jahren auch Osteuropa erobert und große Sängerinnen wie Maria Tanase hervorgebracht. Die leidenschaftlichen Gesten, die süßen Lieder der Trauer, passten zum Gemüt der Osteuropäer, vor allem der Rumänen, der Gypsy vermählte sich dort als besondere Note mit dem argentinischen Tango.

Oana Catalina Chitu hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, dieses musikalische Erbe wieder aufleben zu lassen. Die hohe Musikalität und das Temperament bringt die Rumänin mit, die jetzt von Berlin aus mit ihrer Band zu ihren Europatourneen startet und bejubelt wird. Und so interpretierte sie auch im Lichthof Lieder des rumänischen Tango-Sängers Jean Moscopol aus den 30er-Jahren, die in den Zeiten des Kommunismus als „dekadent“ verboten waren.

Die Texte handeln von Liebesschmerz und Todesküssen und sind die Inbrunst pur. Oana Catalina Chitus Vater hatte die verbotenen Lieder jeden Abend auf dem Heimweg von der Dorfkneipe gesungen, wo er arbeitete. Das weckte früh ihre Neugierde und die blieb auch, als sie Klavier, Jazz- und Operngesang studierte.

Im Jahr 2000 gründete sie die Band „Balkan Romenca“ mit dem serbischen Akkordeon-Spieler Dejan Jovanic, der sie auch nach Ulm begleitet hat. Beide sind die Säulen der Band, die im Lichthof den Nerv des Tangos europäischer Prägung traf: bewegende Musik ohne falsche Nostalgie aus Bukarest, dem staubigen Paris des Ostens, bevor die Kommunisten den Tango verboten und die großen Stars auswanderten. Oana Catalina Chitu gelingt es, mit ihrer warmen voluminösen Stimme die alt gewordenen Afficinados ebenso zu begeistern wie ein junges urbanes Publikum. In Rumänien ist sie bereits ein großer Star. Im Lichthof des Ulmer Museums konnte sich jeder davon überzeugen. Es gab keine bessere Aufmunterung im Anschluss an das Konzert, als selbst ein paar Takte Tango auf dem Tanzparkett zu wagen und sich vom örtlichen Tangoenthusiasten Alexander Wetzig und seiner Tanzpartnerin stimulieren zu lassen.

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