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Blaustein

04.11.2016

Kleine Stadt - großes Theater

Doppelter Grund zur Freude: Wolfgang Schukraft feiert in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen seiner Theaterei – und er hat die Privattheater-Tage zu Gast. Hier posiert er am Theaterei-Zelt mit dem Plakat des Festivals.
Bild: Marcus Golling

Ab kommenden Freitag zeigen 14 Privatbühnen aus ganz Baden-Württemberg ihre Produktionen in Blaustein. Wie der Ort das kulturelle Großprojekt stemmt.

Mit ihren knapp 16000 Einwohnern ist die junge Stadt Blaustein eigentlich viel zu klein für ein Kulturereignis dieser Güteklasse. Doch wenn eine Institution wie Wolfgang Schukrafts Theaterei 30. Geburtstag feiert, haben solche Bedenken keinen Platz: Am Freitag, 11. November, beginnt in Blaustein das zwölfte Festival Baden-Württembergischer Privattheater. Mehr als zwei Wochen lang, bis zum 27. November, gibt es an verschiedenen Spielstätten in der Stadt 17 Vorstellungen von Privatbühnen aus dem ganzen Ländle: Anspruchsvolles, Heiteres, Schräges, Musikalisches und auch Kindgerechtes.

Dass es die Privattheater-Tage, die zuletzt in Städten wie Stuttgart, Heidelberg, Karlsruhe, Ravensburg und Freiburg zu Gast waren, ausgerechnet in die „Provinz“ verschlägt, hat mehrere Gründe. Vor etwa einem Jahr schrieb Albert Bauer, Leiter des Theaters Ravensburg und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Privater Theater Baden-Württemberg, eine Mail an Theaterei-Prinzipal Schukraft. Der fühlte sich nach eigenen Angaben geschmeichelt – zweifelte aber an der Durchführbarkeit. „Viel Arbeit und wenig Brot“ habe er befürchtet, erinnert sich der Theatermacher. Doch seine Bedenken wurden zerstreut: Anke Jaeger, Hauptamtsleiterin der Kommune, war sofort Feuer und Flamme. Doch schließlich ging es darum, zu dem Landeszuschuss von 50000 Euro noch einmal denselben Betrag aufzutreiben. Es gelang: Die Stadt gibt 25000 Euro, der Alb-Donau-Kreis 15000 und der Förderverein der Theaterei noch einmal 10000.

Und plötzlich war klar: Das Festival kommt nach Blaustein. Was die AG der Privattheater durchaus froh machte, wie Sprecher Bauer erklärt: „Die Städte reißen sich nicht um das Festival – auch nicht die größeren.“ Und das, obwohl die Vielfalt bei den Privattheatern in Baden-Württemberg deutschlandweit einzigartig sei. 40 Bühnen schrieb Organisator Schukraft im Vorfeld an, 14 sagten zu. Dass nicht mehr den Weg nach Blaustein antreten, liegt unter anderem an logistischen – nicht jede Produktion ist mobil – und terminlichen Problemen; einige sagten Schukraft zufolge mit Bedauern ab. Doch die Anzahl an Rückmeldungen stimmte den Theaterei-Chef durchaus zufrieden: „So musste ich nicht auswählen und es gab automatisch ein wunderbares Programm.“

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Genau diese 14 Bühnen – plus die Theaterei selbst – sind jetzt beim Festival dabei. Und sie kommen durchaus mit bemerkenswerten Angeboten: So zeigt das Wallgraben-Theater Freiburg Ferdinand von Schirachs Justiz-Kammerspiel „Terror“, das zuletzt als Fernsehversion Schlagzeilen machte, und das „Theater am Puls“ aus Eppelheim bei Heidelberg spielt „Wilhelm Tell“ – mit 14 Darstellern. „Da bin ich wirklich gespannt“, sagt Schukraft. Insgesamt fünf Locations werden beim Festival bespielt: das Theaterei-Zelt neben dem Bad Blau, die eigentliche Theaterei im „Rössle“ in Herrlingen, die Blautalhalle, das Feuerwehrhaus Blaustein und der Chemiesaal der Realschule. In letzterem gastiert passenderweise das Akademietheater Ulm mit der Elternsprechtag-Komödie „Frau Müller muss weg!“. Das komplette Programm gibt es hier.

Der Vorverkauf für das Festival hat schon vor einigen Wochen begonnen – und ist Schukraft zufolge gut angelaufen. „Bei uns in der Geschäftsstelle haben sie richtig zu tun“, sagt sich der Prinzipal, der die gesamte Organisation mit einem Team von nicht einmal zehn Leuten stemmt. Besonders freue ihn, dass sich manche Theaterfans gleich für drei oder vier Termine Karten besorgten. Bislang sind zwei Abende ausverkauft: „Macho Man“ (12. November) des Sandkorntheaters Karlsruhe und Walter Freis „Leg mich zu Füßen Euren Majestät, Guten Morgen“ (25. November), beide in Herrlingen. Für die anderen Vorstellungen gibt es laut Geschäftsstelle noch ausreichend Karten, alle seien aber bereits gut gefüllt.

Eröffnet werden die Privattheater-Tage übrigens von Team der Theaterei selbst: Bei der Gala am kommenden Freitag gibt es vor allem Musik und kabarettistische Darbietungen. Der schwärmerische Titel könnte auch als Motto über dem gesamten Festival stehen: „Theater! O Theater, du!“.

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