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Elchingen

27.07.2015

Klosterfreunde kämpfen um Museum

Die Kopie der historischen Handwerkerfahne.
Bild: Manfred Deger

An Machbarkeitsstudie, die Zweifel schürt, ob der Elchinger Sakralbau genügend Voraussetzungen für eine Dauerausstellung mitbringt, entzündet sich nun allerhand Kritik

25000 Euro kostete die Machbarkeitsstudie des Münchner Argus-Instituts zur Verwirklichung eines Klostermuseums in Oberelchingen. In dem 95-seitigen Werk wird von einem professionell betriebenen Museum für Elchingen abgeraten. Begründet wird dies mit der unklaren Raumsituation und der fehlenden überregionalen Anziehungskraft der vorhandenen Exponate (wir berichteten).

Für ein solches Museum seien keine oder zu vernachlässigend geringe Einnahmen zu erwirtschaften, denen ihrerseits wesentliche Kosten für Gebäudeunterhalt, Personal und Marketing gegenüberstünden. Das Oberelchinger Kloster sei kein baulich geschlossenes Ensemble mehr und auch nicht mehr aktiv ordensbelebt. Deshalb könne man dort auch das Thema Spiritualität nicht authentisch darstellen, so die Studie. Dem widersprach der Vorstand des Vereines des Klostermuseums Elchingen nun vehement. Vorsitzender Pfarrer Ralf Gührer äußerte seine Überzeugung, dass ein Klostermuseum in Elchingen ein „Highlight“ auf der spirituellen Wandertour zu den Klöstern Roggenburg, Elchingen, Neresheim, Zwiefalten und Wettenhausen wäre. Der Historiker Anton Aubele wies darauf hin, dass die geschichtliche Bedeutung der ehemaligen Reichsabtei Elchingen als kulturelles und religiöses Zentrum der Barockzeit mit Exponaten und schriftlichen Zeugnissen in einem Klostermuseum zu einer spannenden und bedeutenden Sammlung der Geschichte Elchingens und der gesamten Region gebündelt werden könnte. In diesem Museum würde man zum Beispiel erfahren, dass es unter der Reichsabtei für die Untertanten soziale Netzwerke und eine zeitgemäße Gesundheitsfürsorge gab, dass im Klostergymnasium Naturwissenschaften auf hohem Niveau gelehrt wurden oder dass Tüftler unter den Mönchen die ersten Luftballone auf deutschem Boden steigen ließen. Dem stimmte auch Gemeinderat und Kunstpädagoge Manfred Bittner zu. Wenn man die Studie genau lese, so warne sie nicht vor einem Museum in Elchingen, sondern zeige eine sehr differenzierte Stellungnahme. Sie warne lediglich vor einem einseitigen und unattraktiven Museumskonzept am falschen Ort.

Bezüglich der Folgekosten unterstrich Bittner, dass im Klostermuseum Elchingen wie in Roggenburg eine ehrenamtliche Betreuung die Personalkosten im überschaubaren Rahmen halten würde. Ein Problem der Studie sei ihr Hinweis auf das Einzugsgebiet eines regionalen Museums, das sich vor allem auf Bayern und den Raum München konzentriere und das Haupteinzugsgebiet Baden-Württemberg völlig übersehe, meinte Pfarrer Gührer unter Hinweis auf das seit Jahrzehnten bestehende Interesse an der Klosterkirche von Besuchern aus dieser Region.

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Der Zweite Vorsitzende und Kreisarchivar Richard Ambs wies auf einen weiteren, für ihn „nicht nachvollziehbaren Punkt“, auf das abwertende Fazit bezüglich des Malers Joseph Wannenmacher, hin. Dessen Werke in den Kirchen Elchingen, Deggingen, Schwäbisch-Gmünd, Rottweil oder in der weltberühmten Bibliothek St. Gallen seien alles andere als unbedeutend und zögen Kunstinteressierte aus nah und fern an. „Offensichtlich irrt hier die Studie, dass wegen Wannenmacher niemand nach Elchingen komme“, unterstreicht Gührer. Irritiert reagierten die Museumsfreunde auf die Herabwürdigung der zum Teil weltweit einmaligen musealen Objekte aus dem Elchinger Kirchenschatz, wie die historische Handwerkerfahne, das Konventbild oder das Elchinger Blutgewand, für deren Restaurierung und Konservierung der Verein bisher bereits mit 50000 Euro in Vorleistung gegangen sei.

„Wir Nachgeborenen sollten den Leistungen des ehemaligen Klosters Elchingen, seiner Äbte und Mönche mit Respekt begegnen, die Erinnerung daran wachhalten und das noch vorhandene kulturelle Erbe bewahren. Das kann man am besten durch ein Klostermuseum“, ist Historiker Aubele überzeugt. Gührer: „Die Studie hat gezeigt, was wir nicht wollen, nämlich ein Museum mit internationalem Anspruch. Sie hat gleichzeitig deutlich gemacht, was wir wollen, ein Konzeptmuseum, welches den Fokus auf die Geschichte unserer Region lenkt.“

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